Ganz oder gar nicht. Geht es um Fußball, legt Dominic Hugo eine bemerkenswerte Konsequenz an den Tag. Warum der 40-Jährige nicht Trainer in seinem Wohnort Diebach, sondern in Thulba wird und was das Schloss Aschach mit Abstiegsgespenstern zu tun ha, erfahren Sie im Steilpass-Interview.

Wer hat Sie angespielt?

Dominic Hugo: Ich wurde von Gerald Betz angespielt. Gerald kenne ich schon seit vielen aus der Jugendarbeit, ich war Jugendtrainer beim SC Diebach, er bei der SG Ober-/Untererthal. Zu dieser Zeit waren wir in sportlicher Hinsicht eher Rivalen, da Gerald das ein oder andere Talent aus meiner Mannschaft nach Ober-/Untererthal holte, was mir damals natürlich nicht so gefallen hat. Während meiner Zeit als Trainer in Schweinfurt haben wir aber dann mindestens einmal in der Saison ein Match gegeneinander gespielt, was uns sportlich wieder näher zueinander gebracht hat. Seit Ende des letzten Jahres hatten wir bezüglich des zur Saison 2022/2023 vakanten Trainerpostens beim FC Thulba vermehrten und engeren Kontakt.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich habe in der Jugend für den FC Fuchsstadt gespielt und bin dann zur B-Jugend für vier Jahre zum FC Westheim gewechselt. Anschließend bin ich wieder zurück zum FC Fuchsstadt, wo ich unter Trainer Jürgen Lindwurm in der Bezirksliga kicken durfte. Nachdem ich der Liebe wegen nach Diebach gezogen bin, habe ich mit 25 Jahren auch meinen Pass zum SCD und konnte dort nochmals einige Jahre in der Bezirksliga spielen. Von 2012 bis 2017 war ich Jugendtrainer beim SC Diebach, im Jahr 2018 wurde ich Co-Trainer der U13 beim 1. FC Schweinfurt 05. Zwischenzeitlich machte ich meine Trainerlizenz-B und übernahm 2019 den Jahrgang 2006 beim FC 05 Schweinfurt. Zudem bin ich seit 2019 Honorartrainer beim DFB und hier im Nachwuchsleistungszentrum des FC 05 mitverantwortlich für die Ausbildung innerhalb des Talentförderprogramms des DFB. Ein Highlight in meiner Spielerkarriere war in der Saison 2016/2017, als ich mit dem SC Diebach die Meisterschaft feiern konnte. Ich glaube, damals wurde fast eine Woche am Stück gefeiert... Als Co-Trainer durfte ich die Meisterschaft der U13 des FC 05 in der Bezirksoberliga miterleben, wo wir damals in einer heißumkämpften Partie den TSV Großbardorf auswärts mit 3:1 geschlagen haben und dann am letzten Spieltag in Sand Meister geworden sind.

Vorneweg: Sind Sie verrückt nach Fußball? Sie sollen jetzt schon akribisch alles rund um den FC Thulba verfolgen, obwohl Sie noch beim FC 05 unter Vertrag sind.

Wenn ich etwas mache, dann mache ich es ganz oder gar nicht. Mein Vertrag beim FC 05 läuft noch bis 30.06.2022, der in Thulba beginnt zum 01.07.2022. Eine vorzeitige Vertragsauflösung in Schweinfurt kam für mich nie in Frage, da ich meine WyldBoyz (2006er Jungs) sehr ins Herz geschlossen habe und ich sie niemals im Stich lassen würde. Parallel zur laufenden Saison muss aber natürlich auch die Sommervorbereitung der kommenden Saison geplant werden. Hierzu ist es für mich äußerst wichtig, auch die Mannschaft und deren Umfeld kennenzulernen.

Sie wohnen in Diebach, haben mit SC-Legenden wie Steffen Stockmann oder Ralf Franz gekickt. Warum dann Thulba statt Diebach, wo man ja ebenfalls auf Trainersuche war?

Der FC Thulba war einfach schneller. Im Spätherbst 2021 hat mich Gerald angerufen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, zur kommenden Saison das Traineramt in Thulba zu übernehmen. Ich war hier zunächst etwas überrascht und habe erstmal um etwas Bedenkzeit gebeten. In der nachfolgenden Zeit habe ich mich dann des Öfteren mit den Verantwortlichen des FC Thulba getroffen. Mir hat dieses "Projekt Thulba" recht schnell gefallen, da der FC Thulba eine äußerst junge und engagierte Mannschaft bietet und in den kommenden Jahren einige Spieler aus der eigenen Jugend nachgezogen werden können. Im Erwachsenenbereich ist aus meiner Sicht eine gesunde Mischung aus erfahrenen, aber auch aus nachrückenden jungen Spielern enorm wichtig. Ich setze gerne auch auf junge Spieler, die Konstellation in Thulba bietet hierfür beste Voraussetzungen. Stocki hatte mich letztes Jahr kurz vor dem Jahreswechsel zwar angerufen und mich gefragt, da hatte ich aber bereits in Thulba zugesagt.

Die Frage muss erlaubt sein, warum verlassen Sie überhaupt den FC 05 Schweinfurt mit seiner erfolgreichen Jugendarbeit?

Ich war jetzt insgesamt vier Jahre in Schweinfurt als Jugendtrainer tätig. Gerade der Fußball auf einem hohen Niveau, wie er beim FC 05 in allen Bereichen praktiziert wird, bedarf einer intensiven und zeitraubenden Betreuung. So werden auch schon mal Leistungsvergleiche in München oder Turniere in Österreich organisiert, man muss seine Mannschaft ja auch bei Laune halten. Ich wollte mich jetzt aber auch weiterentwickeln und Erfahrungen im Herrenbereich sammeln. Beim FC Schweinfurt 05 konnte ich jedoch sehr viel lernen und Einblicke in den Leistungsfußball gewinnen, hierfür bin ich sehr dankbar.

Vor Jahren hatte der FC 05 seine 2. Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet, womit für die jungen Spieler das Sprungbrett in die Regionalliga-Elf fehlte. War das ein Fehler vom Verein aus Ihrer Sicht?

Aus meiner Sicht war das definitiv ein Fehler. Eigene Jugendspieler konnten nach der U19 in der 2. Mannschaft erste Erfahrungen im Herrenbereich, beispielsweise in der Bayern- oder Landesliga sammeln und sich hier für den Kader der Profis präsentieren. Ohne eine 2. Mannschaft ist das nicht mehr möglich. Jetzt verlassen fast alle Spieler den FC 05 nach der Jugend. Um hier die Talente "wiederzuentdecken", ist eine aufwändige Sichtungsarbeit notwendig und ob ein Rückwechsel dann von jedem angestrebt wird, ist fraglich. Im Rahmen der jüngsten Kooperation mit dem TSV Großbardorf ist man zwar wieder auf dem richtigen Weg, einen Unterbau im eigenen Bereich halte ich jedoch nach wie vor für elementar wichtig und daher auch für unabdingbar.

Stimmt es, dass Sie auch an eine Trainer-Auszeit gedacht hatten?

Ja, das stimmt. Nach der doch intensiven Zeit in Schweinfurt wollte ich eigentlich mal ein Jahr Pause machen und mir etwas mehr Zeit für mich und meine Familie nehmen. Hier hat mir der FC Thulba nun jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, ich freue mich aber dennoch riesig über die neue Aufgabe.

Haben Sie den ein oder anderen Jugendspieler im Blick, der über kurz oder lang vielleicht zum FC Thulba wechseln könnte? Ihre Söhne vielleicht?

Man hat im Laufe der Jahre einige gute Kicker gesehen, Kontakte geknüpft und sich hier auch ein entsprechendes Netzwerk aufgebaut. Natürlich hoffe ich, dass ich auf kurz oder lang hierdurch den ein oder anderen Spieler nach Thulba lotsen kann, es können ja nicht alle Jungs gleich in die Landes- oder. Bayernliga wechseln. Und ja, erste Gespräche wurden auch schon jetzt geführt. Meine Söhne Kimi und Lenn sind feste Bestandteile in ihren jeweiligen Mannschaften und sowohl beim FC Schweinfurt als auch beim FC Fuchsstadt sehr gut aufgehoben. Sie sind jetzt auch in einem Alter, wo sie selbst entscheiden, für welchen Verein sie spielen möchten. Ob sie mir irgendwann mal nach Thulba folgen werden, bleibt abzuwarten. Natürlich hoffe ich das, da beide auch sehr gut mit dem Ball umgehen können.

Als Stürmer galten Sie als ehrgeizig und stets motiviert. Gilt das auch für Ihre Mannschaften?

Ehrgeizig und motiviert war ich tatsächlich immer, für mich hat sich ja auch schon immer alles rund um das Thema Fußball gedreht. Die Kinder und Jugendlichen, die ich bisher trainieren durfte, sind stets wissbegierig und immer hungrig auf neue Aufgaben. Gerade im Leistungsbereich beim FC 05 spielen Disziplin und Wille eine sehr große Rolle, von daher gab es hier selten Probleme.

Ich hoffe, dass sich das bei meiner neuen Herausforderung auch so fortsetzt.

Für welchen Verein wären Sie aktuell eigentlich spielberechtigt? Und wann haben Sie Ihr letztes Punktspiel bestritten?

Mein Pass ist aktuell in Diebach. Mein letztes Punktspiel habe ich 2018 für die zweite Mannschaft des SC Diebach bestritten. Mein langjähriger Kumpel Sven Franz hat mich damals gefragt, ob ich nicht mal bei einem Spiel aushelfen könnte. Ich habe erst dankend abgelehnt, nach dem ein oder anderen Bierchen an der Sportheimtheke aber doch zugesagt. Am Ende habe ich mir nach einer halben Stunde einen Kreuzbandriss zugezogen, womit mein Einsatz abrupt beendet war. Danach bin ich bei keinem Pflichtspiel mehr aufgelaufen und wurde dann auch im Sommer 2021 als aktiver Spieler des SCD offiziell verabschiedet.

Von Berufs wegen sind Sie für das Schloss Aschach mitverantwortlich. Haben Sie dort schon einmal ein Abstiegsgespenst vertreiben müssen?

Ich bin beim Bezirk Unterfranken beschäftigt und hier seit 2015 auch als Verwaltungsleiter für die Museen Schloss Aschach verantwortlich. In den alten Gemäuern des Schlosses passieren zwar manchmal seltsame Dinge und man könnte meinen, dass es dort spukt, aber Abstiegsgespenster habe ich dort weder gesehen noch vertreiben müssen.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele weiter an Aldin Dzafic. Aldin und ich sind seit einigen Jahren sehr eng befreundet und verbringen auch relativ viel Zeit miteinander. Er ist nicht nur als Sportler über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt, daher bin ich davon überzeugt, dass er meinen Steilpass dankend annimmt und seine Anekdoten gerne hier preisgeben wird.