Von Simon Dietrich zu Dirk Stumpe, also von Handballer zu Handballer, geht der Steilpass in dieser Woche. Doch der 47-jährige Bad Brückenauer frönt noch einem anderen Sport, dem Segelfliegen. Im Steilpass-Interview berichtet der selbstständige Marketingberater mit Textildruckerei, was ihn daran so fasziniert, was bei ihm großen Nervenkitzel verursacht und warum er auch im Handball tätig bleibt.

Herr Stumpe, wer hat Sie angespielt?

Dirk Stumpe: Simon 'Didi' hat mir den Steilpass zugeworfen. Wir beide kennen uns schon seit vielen Jahren vom Handball. Eine Zeit lang haben wir noch aktiv miteinander gespielt; dann habe ich mich jedoch mehr auf die Schiedsrichterei konzentriert. Wir haben nicht nur im Verein, sondern auch privat einen sehr freundschaftlichen Kontakt.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Die Begeisterung fürs Fliegen wurde mir buchstäblich in die Wiege gelegt, denn mein Opa war Fluglehrer der Luftwaffe. Mit 14 meldeten mich meine Eltern beim Rhönflug Bad Brückenau zum "Schnupperfliegen" an und dabei hab' ich sofort gemerkt, dass es meine Leidenschaft ist. Ein paar Jahre später habe ich mit dem Flugsport aus beruflichen Gründen und anderer Hobbys wegen ein paar Jahre pausiert. Jedoch hab ich vor etwa 14 Jahren sofort wieder Feuer gefangen, als ich in einem Flugzeug sitzen durfte.

Und beim Handball?

Im Jahr 2001 habe ich aktiv mit dem Handball angefangen, damals unter Trainer Winfried Bott. Ich spielte überwiegend als Torhüter in der ersten und zweiten Mannschaft, in der zweiten Mannschaft gelegentlich auch als Feldspieler, wenn das Personal knapp war. Von 2006 bis 2015 war ich Handball-Abteilungsleiter, seit 2015 bis heute Leiter Marketing des 1. FC Bad Brückenau. Mit meinem Schiedsrichter-Kollegen Ralf Müller pfeife ich seit 2012 die Spiele der Bezirksoberligen in Unterfranken.

Handball oder Segelfliegen: Welcher Sport überwiegt bei Ihnen?

Meine sportliche Aktivität beim Handball beschränkt sich seit einigen Jahren auf meine Tätigkeit als Schiedsrichter. Auch hier kommt die Fitness nicht zu kurz. Ich sehe es als Ausgleich zum Flugsport, zumal es sich sehr gut ergänzt, da die Flugsaison zwischen Mai und Oktober stattfindet und Handball zwischen Oktober und April.

Dann zuerst zum Segelfliegen: Was fasziniert Sie daran?

Segelfliegen ist die natürlichste Art zu fliegen. Sich einfach durch die Energie der Natur stundenlang fortzubewegen und dabei hunderte Kilometer zurückzulegen, ohne Ressourcen wie Sprit oder Strom zu verbrauchen - das fasziniert mich immer wieder. Neben diesem Aspekt ist es natürlich auch die soziale Komponente, die eine sehr wichtige Rolle spielt, denn ich bin Teamsportler.

Segelfliegen, kann man das überhaupt als Sport bezeichnen?

Ganz klar, ich gehe sogar einen Schritt weiter und sage: Segelfliegen ist ein Teamsport. Denn um ein Segelflugzeug in den Himmel zu bekommen, sind einige helfende Hände nötig. Es braucht eine ausgebildete Person, die die Schleppwinde bedient oder einen Schlepp-Piloten (Flugzeugschlepp), einen Starthelfer sowie einen Flugleiter. Üblicherweise sind alle Helfer auch selbst Piloten oder Pilotinnen, da ein Grundverständnis für alle Sachverhalte des Fliegens dazu gehört.

Welche Fähigkeiten braucht man selbst für diesen Sport?

In erster Linie sollte man als angehender Pilot körperlich gesund sein und über eine normale Fitness verfügen. Dann ist es von Vorteil, sich in physikalische Themen reindenken zu können. Dies ist für die theoretische Ausbildung wichtig.

Und welche Fähigkeiten schult man?

Die aus meiner Sicht wichtigste Fähigkeit, die jeder Flugschüler lernt, sind soziale Umgangsformen. Denn wie schon erwähnt, ist Segelfliegen ein Teamsport und hier ist kein Platz für Einzelgänger. Ein Freund, dessen Kinder mit 14 Jahren ihre Pilotenausbildung in unserem Verein begonnen haben, kam einmal zu mir und sagte ganz stolz "in eurem Verein wurden aus meinen Jungs richtige Männer...".

Wie wird man eigentlich Segelflieger?

Die Flugausbildung kann mit 13 Jahren begonnen werden und staffelt sich in sehr viele praktischen Einheiten mit dem Fluglehrer und die notwendige Theorie, die meistens in den Wintermonaten geschult wird. Denn in dieser Zeit ruht der Segelflugbetrieb. Für den Erwerb des Pilotenscheins wird eine Theorieprüfung in den Fächern Meteorologie, Luftrecht, menschliches Leistungsvermögen, Kommunikation, Navigation, betriebliche Verfahren, Grundlagen des Fliegens, Flugplanung und Flugleistung und Allgemeine Luftfahrzeugkunde beim Luftamt Nordbayern in Nürnberg abgelegt. Außerdem benötigt jeder Segelflieger ein sogenanntes Sprechfunkzeugnis für die standardisierte Kommunikation zwischen Flugzeugen und Flugplätzen.

Welche Erfolge haben Sie als Segelflieger feiern können?

Meine persönlichen Erfolge der letzten Jahre, die mich immer wieder aufs Neue für diesen Sport begeistern, waren lange Thermikflüge von teilweise mehr als fünf Stunden zu im Vorfeld geplanten Zwischenzielen. Dies ist teilweise mit großem Nervenkitzel verbunden, wenn zwischendurch mal der Boden näher kommt, weil ich mit dem Segelflieger in einem Gebiet unterwegs bin, in dem ich keine großen Aufwinde finde. Eine schöne Erinnerung ist ein Flug im Jahr 2019: von Bad Brückenau, das Sinntal und den Main entlang bis nach Würzburg, dann nach Kitzingen, über Schweinfurt zurück in die Rhön, dann nochmal zur Wasserkuppe, nach Fulda und zurück nach Bad Brückenau. Bei bester Thermik hab ich damals diese Strecke in knapp vier Stunden ohne Zwischenlandung zurücklegen können - meistens in über 2500 Meter Höhe überm Erdboden.

Hat das Segelfliegen unter der Corona-Krise gelitten?

Ja, leider waren auch wir hart getroffen. Da es sich beim Segelfliegen um Flugsport handelt, wurde unser Flugplatz von den Behörden als Sportstätte eingestuft und somit durften zeitweise nur zwei Personen die Flugzeughalle beziehungsweise den Flugplatz betreten. Da für den Start eines Flugzeugs neben dem Piloten mindestens drei Personen notwendig sind, war auch die private Fliegerei nicht möglich. Natürlich durften wir dann mit entsprechendem Hygienekonzept den Flugbetrieb wieder aufnehmen, jedoch sehr viel später im Jahr als üblich.

Sie sind beim Handball auch Hallensprecher. Warum machen Sie das?

Als ehemaliger aktiver Handballspieler bin ich natürlich selbst großer Fan unserer Bad Brückenauer Mannschaften. Ich habe viel Freude daran, Menschen zu unterhalten und zu begeistern, wenn ich dann als Stadionsprecher unsere Männer und Frauen als zusätzlicher Mann im Hintergrund aktiv unterstützen darf. Dann fühle ich mich oft so, als wäre ich auf dem Spielfeld - ein Teil des Teams.

Sie haben neben dem Sport eine eigene Firma und sitzen im Bad Brückenauer Stadtrat. Wie bekommen Sie das unter einen Hut?

Es gab Zeiten, da glich vieles einem organisierten Chaos; das geb ich ganz ehrlich zu. Jedoch habe ich für mich eine ordentliche Strategie und ein straffes Zeitmanagement entwickelt, das es mir ermöglicht, alles mit Leben zu füllen. Außerdem habe ich mich bewusst von einigen Ehrenämtern verabschiedet.

Verfolgen Sie die Spiele des Handball-Nationalteams bei den Olympischen Spielen?

Ich verfolge in erster Linie die Ergebnisse, sehe mir jedoch gerne die Highlights der Spiele über das Internet an. Meinen Wecker stelle ich nicht extra für die Liveübertragungen.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele den Steilpass weiter an Thomas Dittrich. Wir kennen uns vom Segelfliegen. Uns verbindet jedoch noch eine andere Leidenschaft, mit der meine sportliche Aktivität einmal angefangen hat - das Schwimmen. Er war viele Jahre Abteilungsleiter beim TV/DJK Hammelburg.