War es der Vollmond? Oder doch diese Melange aus Nervosität und Vorfreude, die mich früh erwachen ließ, deutlich vor dem Weckerklingeln. Am Abend zuvor hatte das Hirn Überstunden machen müssen. Was ziehe ich an? Hat der Skiverleih auch wirklich offen? Wo am Körper verstaue ich Kamera und Schreibzeug? Wie sehr wird mich mein Coach fordern?

Mich mal im Skilanglauf auszuprobieren, war eine Idee, die über Jahre nie über Wunschdenken hinaus kam. Diesmal war es soweit, und mit Ewald Simon hatte ich einen echten Spezialisten beim Umgang mit den dünnen Latten an meiner Seite. Der 58-Jährige ist schließlich ein Fachmann erster Güte in Sachen Skilanglauf. Der Vorsitzende des WSV Oberweißenbrunn hätte es in jungen Jahren als Sportsoldat sogar fast geschafft zu den Olympischen Winterspielen in Sarajevo 1984, bestritt seine ersten Wettkämpfe als Fünfjähriger, war mehrmaliger deutscher Juniorenmeister. Und für eine Schweizer Skischule ist der Immobilien-Vermittler und gelernte Maurer als temporärer Skilehrer im Einsatz.

Überschaubare Erfahrung

Meine eigene Skierfahrung bestand bis dato aus einem Skikurs mit der Schule in der Schweiz und einem schon sehr lange zurückliegenden Vereinsausflug nach Sölden. Jetzt also die Rhön. Rotes Moor. Minus drei Grad an einem trüben Tag. Schnee satt. Fix klappt die Ausleihe - weil ich früh am Morgen der erste in der Schlange bin. Als ich aus der Hütte am NABU-Haus stiefele, habe ich das passende Schuhwerk, zwei sogenannte Schuppenski, präpariert mit einem Universalwachs, sowie zwei Stöcke. Alles in der richtigen Größe, damit das Abenteuer nicht noch komplizierter wird.

Ein paar Tage zuvor war ich bereits privat im Loipenpark unterwegs, und hatte gesehen, dass die Bedingungen auf der anderen Straßenseite geradezu ideal sind für einen blutigen Anfänger wie mich. Sanfte Steigungen und Abfahrten, genügend Spuren zum Ausprobieren - für meinen Lehrer zu langweilig. Stattdessen geht es vom Parkplatz aus hoch zum "Schwabenhimmel". Erste vorsichtige Schritte. Und klare Ansagen von Ewald Simon. Parallel soll ich die Skier halten, die Stöcke kurz vor dem Vorderfuß platzieren. Mal in, mal neben der Spur. Beim Langlauf wird auch mit den Armen gearbeitet, auf den Rhythmus kommt es an. Ein bisschen wie Spazierengehen, nur mit Brettern unter den Füßen.

Im Schneebad

Knifflig wird es, wenn ich die Spur verlasse oder eine Kurve in Angriff nehme, indem ich den Fuß umsetze. Da heißt es umso mehr: Gleichgewicht halten und Rücklage vermeiden. Um sich und andere Skifahrer nicht zu gefährden, ist Rücksichtnahme oberste Skifahrer-Pflicht. Der Blick nach hinten ist beim Spurwechsel unabdingbar. Dass ich das ein oder andere Mal ein unfreiwilliges Schneebad nehme, habe ich einkalkuliert. Aber ich staune, dass das Aufstehen eine Wissenschaft für sich ist. Nein, an diesem Morgen ist wahrlich kein Meister vom Himmel gefallen.

Aber ich komme vorwärts und freue mich über erste Fortschritte. Berghoch geht es im Grätenschritt. Gut klappen auch die ersten Schussfahrten, mit wertvollen Körperkorrekturen von Ewald Simon, der mich auffordert, mehr in die Hocke zu gehen und die Skistöcke in die richtige Haltung zu bringen. Dann schaut's auch nach was aus. Gebremst wird mit dem Schneepflug, befindet man sich in der Langlauf-Spur, wird ein Ski aus der selbigen gestellt.

Zur Abwechslung wird auch mal mit Doppelstock-Einsatz beschleunigt, was höchst kraftaufwändig ist. Um den Körper nicht einseitig zu belasten, machen verschiedene Stile absolut Sinn. Gut, dass mein Begleiter meinen Ehrgeiz anstachelt. In spielerischer Form komme ich an meine Grenzen. Zwei Stunden dauerte der Intensivkurs auf wunderbar präparierten und abwechslungsreichen Loipen. Konditionell war ich durchaus auf der Höhe, aber die Konzentration hatte merklich gelitten nach dem vielen Input. Den von Ewald Simon prognostizierten Muskelkater sollte es am nächsten Tag geben. Aber die Lust ist geweckt.

Service

S treng sind die Winter in der Rhön. Aber halt auch wunderschön, wenn sich Sonne und Schnee zum Rendezvous verabreden, wenn die Eiskristalle um die Wette tanzen. Ja, das Land der offenen Fernen hat das Zeug zum Wintersport-Eldorado mit fast kitschigen Kulissen in einem Natur-Paradies. So einsam sind manche Touren, dass man froh ist, mal wieder eine Menschenseele zu sehen.

Loipen Sobald es Frau Holle ordentlich schneien lässt, kommen die Ski-Touristen voll auf ihre Kosten, insbesondere die Langläufer. In der Summe sind es tatsächlich mehrere hundert Kilometer, die im klassischen Stil oder in der Skating-Technik in Angriff genommen werden können. Die Loipen sind in der Regel gespurt und für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet, sowohl im bayrischen wie auch im hessischen und im thüringischen Teil der Rhön.

Auswahl Zu den bekanntesten Langlaufgebieten der Rhön gehören das Loipenzentrum am Roten Moor und die Rundloipen am Kreuzberg. Weitere Loipen in der Fränkischen Rhön sind die Sonderbach-Loipe (Ginolfs), die Nachtloipe in Oberweißenbrunn sowie die Rundloipen Moorschlinge (Oberelsbach), Feuerberg (Schwarze Berge) oder Holzberghof. Das dichte Netz an Loipen ermöglicht auch eine Art Länder-Hopping. Zum Beispiel von Schildeck im Landkreis Bad Kissingen ins thüringische Kaltennordheim mit einer Streckenlänge von etwa 70 Kilometern.

Online-Tipps Unter Loipenpark.de gibt es täglich aktualisierte Informationen zu den Langlauf-Möglichkeiten rund um das Rote Moor und die Wasserkuppe, inklusive Einstiegsmöglichkeiten. Die acht vorgestellten Loipen haben eine Streckenlänge von bis zu 16 Kilometern. Am NABU-Haus gibt es auch einen Skiverleih. Loipen-Tipps, sogar mit der Angabe von Höhenmetern und Schwierigkeitsgrad samt einer kurzen Streckenvorstellung, finden sich über www.rhoenfuehrer.de. Weitere empfehlenswerte Online-Portale sind www.rhoen.de und www.bergfex.de.