Im Namen der Belegschaft hat der Betriebsat des Schaeffler-Werks Elfershausen direkt an die Familie Schaeffler geschrieben: "Wir bitten Sie, uns in dieser schweren Stunde nicht allein zu lassen - wir zählen auf Ihre Unterstützung!", heißt es in dem offenen Brief an Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihren Sohn Georg Schaeffler. Gleichzeitig berichtet Betriebsratsvorsitzender Michael Walter über gute Zahlen des Standorts: 4,8 Millionen Euro seien in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres an Ertrag vor Steuern erwirtschaftet worden. Und: "Die Qualität stimmt", verweist Walter auf Preise für die Schaeffler-Produkte aus dem Saaletal.
"Die Belegschaft fragt sich, wie die Familie zur angedrohten Schließung steht", berichtet Walter, und: "Die Leute sind verängstigt, das kann man in jedem Gesicht ablesen." Diese Verunsicherung sei jedoch kein Grund für Abstriche bei der Arbeitsleistung: "Trotzdem will jeder gute Arbeit abliefern", betont Walter. Wie gut die Arbeit ist, hat die Schaeffler-Unternehmenskommunikation erst in der vergangenen Woche wieder gewürdigt: Das Werk Elfershausen erhielt einen von weltweit 13 "Quality Excellence Awards" von General Motors. Auch Ford habe den Standort bereits mehrfach für die gute Qualität ausgezeichnet, sagt Walter.


Kopfschütteln über Investitionen

Für mehr als vier Millionen Euro entstand heuer laut Walter eine neue Schleiflinie für Rillen-Kugellager, eine Anlage zum automatisierten Abpassen von Schräg-Kugellagern kostete weitere drei Millionen Euro. "Das lassen wir im Moment anlaufen", berichtet der Betriebsratsvorsitzende. Bei einer Schließung 2017 könnten die Maschinen vielleicht gar nicht erst in Betrieb gehen, obwohl sich Walter gerade davon neue Gewinne erwartet.
"Wir schreiben Ihnen, weil wir uns wieder einmal Sorgen um unsere Arbeitsplätze in Elfershausen machen müssen", beginnt der offene Brief an die Familie Schaeffler. Bereits vor zehn Jahren war der Standort mit damals 230 Beschäftigten durch Verlagerungen und Verkäufe in Gefahr. Seitdem arbeitet die Belegschaft fünf Stunden mehr pro Woche ohne Bezahlung. Das mache rund eineinhalb Jahre Arbeitszeit pro Kopf und 17 Millionen Euro zusammen. Die Vereinbarung sei 2006 geschlossen und 2011 bis Ende 2020 verlängert worden.


"Existentielle Ängste"

Im November kam die Nachricht von der Schließung: "270 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz in Elfershausen verlieren. Das betrifft ebenso viele Familien, und diese werden ohne Not mit existenziellen Ängsten belastet!" Die Familie Schaeffler wird in dem offenen Brief gebeten, Alternativen für den Standort zu prüfen, ohne dass andere Standorte in Deutschland darunter leiden müssen. "Wir sind sicher, dass dies in einem so großen, weltumspannenden Konzern möglich sein müsste."
Unternehmen und Betriebsräte hätten eine "gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Arbeitsplätze". "Verträge, so glauben wir, müssen eingehalten werden", schreibt der Betriebsrat. Die Belegschaft sei umgekehrt nach der Continental-Übernahme und der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 unter dem Motto "Wir sind Schaeffler" auf die Straße gegangen.
Offen blieb gestern auch aus der Schaeffler-Unternehmenskommunikation, inwieweit sich Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann ins operative Geschäft einmischt. Laut Wirtschaftsförder Jürgen Metz vom Landkreis Bad Kissingen habe sich die Familie Schaeffler auf alle Fälle bereits mit dem Standort Elfershausen befasst. Der CSU-Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner berichtete zudem gestern auf Nachfrage, dass sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) in der vergangenen Woche in München mit dem Vorstandsvorsitzenden von Schaeffler, Klaus Rosenfeld, getroffen hat. "Man konnte nichts Konkretes erreichen", fasst er die Rückmeldung Aigners zusammen. Termin für einen Besuch Aigners im Werk Elfershausen gebe es bislang keinen.
Für Montag, 16. Januar, ist die nächste Gesprächsrunde zwischen Betriebsrat und Unternehemsführung vereinbart.

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Hilft der Appell ans Gewissen?

Stoßgebet vor Weihnachten
Die Namen haben eine geradezu religiöse Dimension: Die große Senior-Chefin des Weltkonzerns Schaeffler vereint die biblischen Namen der Mütter von Jesus und Johannes dem Täufer. Und dann erst ihr Sohn: Georg als Drachentöter und einer der 14 Nothelfer wird in Franken seit Jahrhunderten verehrt, ist auf vielen Bildstöcken und Gemälden zu sehen. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn ein Stoßgebet mit so viel himmlischem Beistand kurz vor Weihnachten nicht erhört wird! Oder? Ob am Ende eine frohe Botschaft aus Herzogenaurach kommt, ist leider eher zweifelhaft. Milliardäre wären eben keine Milliardäre, wenn sie sich unter dem Eindruck von Bratapfel-, Glühwein- und Gänsebraten-Duft so einfach umstimmen lassen würden. Trotzdem ist der Versuch richtig, gerade jetzt an die soziale Verantwortung der Eigentümer zu erinnern.