Zahlreiche Ehrengäste warten schon, als Yvonne Körner das Vierergespann in die Haltebucht lenkt. Tanja Fiedler hat dem Posthorn das "Ännchen von Tharau" entlockt. Die beiden Postilloninnen öffnen die Türen der Kalesche, die Vertreter von Post, Bezirk, Stadt, Landkreis, Staatsbad GmbH und den Kommunen Bad Kissingen und Bad Bocklet steigen ein.
Sie vertreten die sieben Sponsoren, ohne die es die einzige nach festem Fahrplan verkehrende Postkutschenlinie Deutschlands nicht geben würde.
Auch ein historischer Kurgast steigt zu: Fürst Otto von Bismarck alias Alexander Karl. Unweit der Stelle, an dem am 13. Juli 1874 ein Attentat auf den Eisernen Kanzler in seiner Kutsche verübt wurde.
Gut eine Stunde dauert die Fahrt nach Aschach. Die Vertreter der Sponsoren, die im gelben Wagen sitzen, sind sich einig: Die Postkutsche soll weiter fahren. Keiner zieht sich mit seinem Beitrag zurück.
Im Hof von Schloss Aschach verkündet Werner Scheller denn auch: "Ich freue mich auf die Saison 2016." Und er bekräftigt den Fortbestand der Linie, als er einen Zaungast fragt: "Sind Sie schon einmal mit der Postkutsche gefahren? Nein? Dann halt nächstes Jahr."


Fast immer ausgebucht

Auch heuer, in der 76. Saison, fuhr die Postkutsche unfallfrei, und die Rücknahme der wöchentlichen Verkehrstage auf vier hat sich inzwischen bewährt. Dies geschah aus ökonomischen Gründen. So habe man laut Scheller durchaus einen Einbruch bei den Fahrgastzahlen bemerkt, als das Steigenberger geschlossen wurde.
Dafür ist die Kutsche an den verbleibenden Tagen voll. Neun Plätze hat sie, und die sind laut Kutscherin Yvonne Körner in der Regel ausgebucht, "Minimum sind acht Fahrgäste". Sie hat festgestellt, dass es nicht wenige Reisegruppen aus ganz Deutschland gibt, die eigens wegen einer Postkutschenfahrt für ein paar Tage hier Urlaub machen.


Gut investiertes Geld

So spricht denn auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel von gut investiertem Geld, die Postkutsche müsse auch in Zukunft fahren. Davon profitierten die beiden Kurorte ebenso wie der Landkreis und die Museen Schloss Aschach. Ins selbe Horn stoßen nach einem Intermezzo der Bad Kissinger Postkapelle Regierungsvizepräsident Jochen Lange und stellvertretender Landrat Emil Müller, der auch für Bad Kissingen und die Gemeinde Bad Bocklet spricht.


Kein einfacher Job

Nun heißt es Winterpause für die Kutsche, die Pferde und die Postilloninnen. Denn die Arbeit auf dem gelben Wagen ist so einfach nicht. An den Fahrtagen ist schon morgens um 9 Uhr Stalldienst angesagt. Ausmisten, Pferde füttern. "Spätestens um halb zwölf fangen wir dann an, die Pferde zu putzen und aufzuschirren", sagt Yvonne Körner. Gegen 13.30 Uhr wird eingespannt, nachdem Tanja Fiedler die Kutsche aus der Remise des Turniergebäudes geschoben hat. Und nach der Fahrt ist schließlich auch noch der Abschlussdienst fällig. Dazu bei Wind und Wetter und an jedem Wochenende auf dem Kutschbock.
Zehn Pferde wechseln sich bei der Bespannung der Postkutsche ab. Sie werden ebenso wie das Gefährt die Winterpause bei Reitsport Körner verbringen, bevor im April 2016 wieder aufgeschirrt wird.