Es ist Ende September und am Saalemäander hat sich eine Gruppe von Jugendlichen versammelt, um gleich dort hineinzuspringen. Aber nicht, um baden zu gehen: Sie wollen üben, wie sie Ertrinkende retten. Die Jungen und Mädchen gehören zum "Jugend-Einsatz-Team" (JET) der DLRG Bad Kissingen und nutzen die Pause zwischen geschlossenen Freibad und noch nicht geöffneten Hallenbad für ein Training der etwas anderen Art.

Die ungefähr zehn Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren sitzen zu Beginn in einem Kreis und hören ihrem Trainer Markus Brandl zu. Der Vorstand des Ortsverbandes erklärt die Szenarien, die sie gleich danach üben werden. Als er fertig ist, ziehen sich alle ihre Neoprenanzüge an, schließlich ist es Ende September und die Saale ist kalt.

Erstes Szenario: Das Stand-Up-Paddel

Für das erste Szenario gehen zwei der Gruppe mit einem Stand-Up-Paddle (Stehpaddel) ins Wasser. In der Mitte beginnen sie, um Hilfe zu rufen. Zwei weitere gehen ins Wasser und schwimmen zu je einer Person, um sie wieder ans Land zu bringen. Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis etwas komplizierter.

Wie zieht man nun Person und ein Gefährt, so groß wie ein Surfbrett, zusammen ans Wasser? Nach einer Weile haben die Jugendlichen den Dreh raus und schwimmen mit der geretteten Person zurück. Als sie ankommen, besprechen sie aufgekommene Probleme mit Trainer Markus Brandl. Die zweite Gruppe hüpft ins Wasser und macht dieselbe Übung.

Rettung mit dem Raft

Anschließend gehen alle ins Wasser, um einmal quer durch die Saale und wieder zurückzuschwimmen. "Boah ist das kalt, ey!" hört man einen der Jugendlichen rufen, als er ins Wasser hüpft. Als sie zurück sind, haben andere das Raft in die Saale gelassen. Ein Raft ist ein Schlauchboot, das für Wildwasserfahrten geeignet ist.

Je drei Personen pro Seite paddeln und hinten sitzt ein einer, der mit seinen Ansagen das Boot steuert. Brandl sagt die nächste Aufgabe an: "Ihr fahrt jetzt einmal um die Insel, wenn ihr zurück seid, rettet ihr die Person, die jetzt ins Wasser geht!" Gesagt, getan. Einer kümmert sich um das Stand-Up-Paddle, zwei weitere hieven den Jungen ins Boot und alle paddeln zurück ans Ufer.

Das erste Mal ist es nicht, dass das Jugend-Einsatz-Team in der Saale ist: Bereits im Juni hatte es den Bad Kissinger Fluss genutzt. Begeistert sind sie trotzdem: "Sowas müssten wir öfter machen", schlägt jemand aus der Gruppe vor.

Auf die Brücke klettern

Die letzte Übung: An der Brücke Richtung Luitpoldpark wird eine Strickleiter aufgehängt. Die Jungen und Mädels des Jugend-Eisatz-Teams müssen mit dem Raft an die Brücke fahren und diese Position halten, damit einer davon die Leiter hochklettern kann. Das machen sie reihum und drehen nach jedem Klettern eine kleine Runde.

Währenddessen kommt das Schnellboot des Ortsverbandes zum Einsatz. Ein paar der Gruppe und zwei der Erwachsenen Mitglieder fahren damit über die Saale, um Szenarien mit Motorboot zu üben.

Durchs Training kennengelernt

Michael Vay ist einer der Jugendlichen des Teams. Er erzählt zu seiner Motivation, zum Team zu gehören: "Ich mache das zum einen, weil es mich sportlich weiterbringt. Zum anderen gehört da noch der soziale Aspekt dazu, Leben zu retten." Das mache es interessanter, als Fußballzuspielen. Und ein dritter Grund: "Wir sind eine große Freundesgruppe." Kennengelernt haben sie sich durch das Training.

Christopher Schmitt findet: "Das Training ist eine gute Übung für den Wachdienst an der Ostsee." Dort war er bereits mit dabei: Jedes Jahr gehen die Bad Kissinger nach Schönhagen, wo sie die Patenschaft für die Wachstation haben. Dass das Training immer Freitagabend ist, stört ihn nicht: "Ich kann ja einfach danach feiern gehen."

Vermisstensuche und Übung am Ellertshäuser See

Das Rettungs-Team macht viel zusammen: Vor zwei Jahren war es ebenfalls zu Übungszwecken am Ellertshäuser See. Vergangenes Jahr sind sie mit dem Boot in Richtung Hammelburg zum Dreiecksfelsen gestartet, um etwas über Strömungslehre zu lernen. Normalerweise sind sie außerdem als Rödelteam (Helfer) bei Wettkämpfen der DLRG dabei.

Ein Kletterausflug nach Schweinfurt haben sie kurzerhand mit der Übung in Knotenkunde: "Das sind in etwa dieselben Knoten, die man da braucht, wie beim Bootfahren", erklärt Trainerin Catherina Brandl. Auch im Wald waren sie schon, um eine Übung in Vermisstensuche zu machen. Aber auch Radfahrausflüge oder einfach abends zusammen Pizza machen, steht bei der Gruppe auf dem Plan.

Kein Schwimmkurs möglich

Für die Kosten der Materialien - vom Boot über Einsatzfahrzeug bis zum Rettungsgurt - kommt der Ortsverband selbst auf. Daher trifft es sie hart, dass sie wegen der Coronapandemie keinen Schwimmkurs mehr halten können. Der sei eine große Einnahmequelle.

"Wir haben Anfragen mit Wartezeit bis zu zwei Jahren und Mitglieder, die freiwillig helfen. Wegen Corona ist es aber schwierig, ein Schwimmbad zu finden", Die meisten Schwimmbäder der Stadt befänden sich in Kliniken und in die sei es derzeit nicht möglich, hineinzukommen.

Zum Abschluss grillen

Glücklich sind die Mitglieder, dass die Stadt ihnen trotz der misslichen Lage wegen Corona das Training im Hallenbad ermöglicht. "Wir können mit 30 Leuten rein, und haben dafür dreimal 45 Minuten, berichtet Brandl. Nach dem freitaglichen Training gibt es immer ein gemeinsames Essen in der Geschäftsstelle. Ebenso an diesen Freitag: "Wir grillen gleich im Anschluss noch mal", sagt Markus Brandl.