Helmut Marx kann sich noch genau an den 27. Juli 1945 erinnern. Von Osten her sind heftige Detonationen zu hören. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch die Stadt: " In Riedenberg fliegt ein Munitionszug in die Luft."

Er und sein Freund, die Buben waren 12 und 13 Jahre alt, fuhren mit ihren Fahrrädern zum Stockhof, auf halber Strecke zwischen Römershag und Riedenberg. "Auf der Straße oberhalb des Stockhofs machten wir halt. Da waren schon mehrere Leute und schauten nach Riedenberg. Auch wir Jungen stellten unsere Fahrräder ab und schauten. Immer wieder waren Detonationen zu hören. Riedenberg brannte lichterloh."

Der Munitionszug kam von der Munitionsanstalt in Oberwildflecken (MUNA) und sollte vermutlich noch an die Front. Weiter als bis Oberriedenberg kam er jedoch nicht.

Auch in der Chronik "500 Jahre Riedenberg" von Gerwin Kellermann aus dem Jahre 1994 ist diese Geschichte festgehalten. Kellermann beschreibt dieses für Riedenberg so verhängnisvolle Ereignis der letzten Kriegswochen: "Ein voll beladener Munitionszug der Wehrmacht blieb auf dem Bahnhof Riedenberg stehen. Dieser Zug wurde nach dem Einmarsch der Amerikaner von Soldaten bewacht. Durch Unvorsichtigkeit im Umgang mit Schusswaffen wurde die Ladung eines Waggons entzündet. Es gab einen fürchterlichen Schlag, und auf dem Felde arbeitende Leute wurden von dem Luftdruck umgeworfen. Schwere Teile wurden über weite Strecken geschleudert, bis in die Flurabteilung "Rödi" flog beispielsweise eine Waggontür."