Das Märchen von Rotkäppchen ist allen gut bekannt. Dass es auch ein Rhönkäppchen gibt, welches bei der Hermannsruh lebt - das wussten bisher wohl die wenigsten. Seit Samstag ist dies aber zumindest in den Märkten der Allianz Kissinger Bogen wohl bekannt. Das Stück "Das Rhönkäppchen von Hermannsruh" hatte nämlich seine Uraufführung - und erntete tosenden Applaus.

Bis auf den letzten Platz war der Große Kursaal in Bad Bocklet besetzt, die Premiere wollte sich keiner entgehen lassen. Und das vom Bezirk Unterfranken geförderte Stück war wirklich eine Wucht. Es kam ganz als modernes Märchen daher, konzipiert war es als Kindertanztheater mit Livemusik, gespielt wurde es von Schülern und Schülerinnen aus Oberthulba und Burkardroth.


Phantasievolle Kostüme

"Impulsgeber für die Geschichte ist der erwünschte Aus- und Umbau des Jagdhauses Hermannsruh in Stralsbach", erklärt die Allianzmanagerin Ganna Kravchenko, die beim Stück auch die Regie führte. In dem Tanztheater ging es aber natürlich um viel mehr. Im Mittelpunkt stand die Geschichte des Rhönkäppchens (Lea Stegemann), die das Haus in der Hermannsruh bewohnt und dort mit den Tieren in Eintracht lebt.
Ihr bester Freund ist ein Grashüpfer (Ansgar Stegemann), mit dem sie gerne tanzt. Dabei folgte das Stück der Regel, dass immer ein Teil der Geschichte vorgelesen wurde und sich daran ein Tanz anschloss. Die Darsteller auf der Bühne waren in phantasievolle und wunderschöne Kostüme eingehüllt, die mit viel Liebe zum Detail angefertigt worden waren.
Auf die Aufführung am Samstag hatte man sich ein dreiviertel Jahr lang vorbereitet, was man auch merkte - alles klappte wunderbar, und den Schülern der Grundschule Oberthulba (Klasse 4 a) und der Grundschule Burkardroth (1. und 2. Klasse), die auf der Bühne standen, machte das Theaterstück sichtlich Spaß.
Auch die Zuschauer waren von der kreativen Geschichte, deren Umsetzung, dem mit viel Liebe gezeichneten Bühnenbild und der Musik begeistert. Mit viel Liebe zum Detail hatte man das Kindertanztheater vorbereitet. So waren die Musikstücke extra vom Komponisten Daniel Gracz für das Stück komponiert worden, das Musikerteam unter Leitung von Thomas Friedrich bot Live-Musik vom feinsten, was das Publikum sehr begeisterte. Als Choreographin war Marianne Stegemann engagiert, das Kostümerbildnerteam stand unter der kreativen Leitung von Justine Schelp und Jojo-Design, der Näherinnen zur Seite standen.


Tanz der Spinnen

Die verschiedenen Tänze waren immer wieder erfrischend, so hatten beim Bienensamba nicht nur die Zuschauer, sondern auch die kleinen Tänzerinnen und Tänzer viel Spaß. Etwas gruselig war der "Tanz der Spinnen", wobei Jule Stegemann die Spinnenkönigin verkörperte. Pfiffig war der "Marsch der Ameisen", der in seinem Duktus etwas an den berühmten Elefantenmarsch aus dem Dschungelbuch erinnerte. Dem Stück gelang es dennoch, eine sehr eigenständige Note zu entwickeln, sowohl Musik als auch Choreographie bildeten eine Einheit, die verzauberte und die Zuschauer in die Welt von "Rhönkäppchen" versinken lies.
Auch der Plot der Geschichte war interessant. So soll Rhönkäppchen ihr Haus in der Hermannsruh für viel Geld kaufen oder ausziehen. Sie macht sich Sorgen um ihre Freunde. "Werde ich sie wiedersehen?", geht ihr durch den Kopf. Ihre Freunde, der Grashüpfer, versucht sie aufzumuntern und auch die Tiere um sie herum sprechen ihr Mut zu. Am Ende wendet sich alles zum Guten: mit Hilfe ihrer Freunde, die Material für ein neues Haus sammeln, kann Rhönkäppchen dieses bauen. Hier hat sie viel vor: so will sie eine Umweltbildungsstation errichten, umgeben von wunderschönen Wiesen und Waldwegen. Dort will sie den Kindern und Erwachsenen die Schönheit und die Nutzbarkeit des Rhöner Waldes und des Sternenparks immer aufs neue präsentieren und erlebbar machen.
Die Regisseurin und Projektmanagerin Ganna Kravchenko hatte mit dem Theaterstück voll ins Schwarze getroffen: tosender Applaus schloss sich der Aufführung an, die Zuschauer waren von der Kreativität des Stücks begeistert, auch die Liebe zum Detail kam sehr gut an. Allenthalben merkte man, dass sich die Macher auch über Kleinigkeiten Gedanken gemacht hatte. Dass für die Aufführung extra Musikstücke komponiert worden waren, die darüber hinaus in eine klassische Richtung gingen, superb waren, sowie live gespielt wurden, bereicherte das Stück. Alles war gelungen: vom Bühnenbild über die Choreographie bis hin zu den Kostümen.
Und auch die Schauspieler und Tänzer wussten nicht nur durch ihre perfekt einstudierten Tänze zu gefallen, sondern auch mit der Freude, mit der sie zu Werke gingen. Man darf gespannt sein, was sich die Projektmanagerin der Allianz Kissinger Bogen, Gana Kravchenko als nächstes einfallen lässt. Eines hat sie auf jeden Fall erreicht: die Gemeinden der Allianz näher zusammenzubringen und die Menschen für ökologische Zusammenhänge zu sensibilisieren. In jedem Fall sollte das Stück noch einmal aufgeführt werden - es war ein echter Hingucker und wunderschön. Auch das Publikum war hochzufrieden, was sich am tosenden Applaus am Ende zeigte.