Ein breites Bündnis von Organisationen und Verbänden, die sich mit Fragen der Gesundheit befassen, initiiert den "Reha Tag". Bundesweit informieren sich über 200 Einrichtungen der Rehabilitation über die Möglichkeit, wie medizinische, berufliche oder soziale Rehabilitation Menschen unterstützen kann, am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben. Die Auftaktveranstaltung findet heute, im Reha- und Präventionszentrum Bad Bocklet statt. Professorin Dr. Monika Reuss-Borst ist "Ärztliche Gesamtkoordinatorin Kliniken Bad Bocklet AG" im Reha- und Präventionszentrum. Sie hält auch einen Fachvortrag zum Thema "Der demographische Wandel und seine Folgen". Im Interview spricht sie über Reha und den Veränderungen auf dem Markt.

Sie sind "Ärztliche Gesamtkoordinatorin Kliniken Bad Bocklet AG" im Reha- und Präventionszentrum, einer für Bad Bocklet bedeutenden Einrichtung. Wie hat Ihr Haus es geschafft, diese medienwirksame Veranstaltung ausrichten zu dürfen?
Monika Reuss-Borst: Unser Reha-und Präventionszentrum wurde ausgewählt, da wir uns bereits vor mehr als zehn Jahren mit der Eröffnung einer geriatrischen Abteilung auf die Rehabilitation alter Menschen spezialisiert haben.

Ihr Fachvortrag im Rahmen der Tagung setzt sich mit dem demographischen Wandel und seinen Folgen auseinander. Was leistet die Medizin heute und was muss sie künftig erbringen?
In allen Fachgebieten gab es erhebliche therapeutische Fortschritte. So kann die Hälfte aller Krebspatienten geheilt werden. Operative Eingriffe wie zum Beispiel Gelenkersatz-Operationen sind zu Routineeingriffen geworden. Ein wichtiges Therapieziel sollte sein, diesen Patienten ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Nach einer Operation geht es vor allem darum, hochbetagten Patienten, möglichst schnell und möglichst lange wieder in ihr altes Lebensumfeld zu re-integrieren und damit auch Pflege zu vermeiden. (Geriatrische) "Reha vor Pflege" ist in dieser Lebensphase von ganz großer Wichtigkeit.

"Reha vor Pflege", ist auch das Motto des diesjährigen Reha Tages. Welchen Stellenwert hat die Abwehr oder Verringerung der Pflegebedürftigkeit durch Rehabilitation im Bäderlandkreis Bad Kissingen?
Die Aufrechterhaltung einer guten ambulanten ärztlichen Versorgung wird in einer ländlichen Region zukünftig schwieriger werden. Auch ist es besonders wichtig, dass es weiterhin stationäre Einrichtungen für die Akutversorgung älterer multimorbider Patienten und wohnortnahe (geriatrische) Reha-Einrichtungen gibt, denn gerade ältere Menschen möchten ihre Reha wohnortnah machen. Zum anderen ist die Reha-Branche ganz allgemein ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region.

Sehen sie Bad Bocklet, Bad Brückenau und Bad Kissingen gut aufgestellt, um im künftigen Wettbewerb auf dem Reha-Markt zu bestehen?
Der Reha-Markt wird sich in der Zukunft verändern. Es gibt einen deutlichen Trend zu wohnortnäherer Rehabilitation, teilweise auch ambulanter oder teilstationärer Reha. Reha-Einrichtungen in der Nähe von Ballungszentren oder Metropolregionen haben damit sicher einen strategischen Vorteil gegenüber unserer Region. Langfristig werden unsere Kurorte sicher neue Zielgruppen und Geschäftsfelder erschließen müssen wie zum Beispiel den privat finanzierten Gesundheitstourismus und Präventionsangebote. Hier könnte der aktuell sehr kontrovers diskutierte Nationalpark durchaus auch neue Chancen für die Region eröffnen.

Sie moderieren die Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Vertretern von Kliniken, Wissenschaftlern und Krankenkassen. Auch als ehemalige Stadträtin in Bad Kissingen wissen Sie um die Bedeutung der Finanzierbarkeit der Pflege. Was erwarten Sie von der Politik?
Finanzielle Anreize, damit sich junge Ärzte in strukturschwache Regionen niederlassen und damit eine gute ärztliche Versorgung gewährleisten, sind meines Erachtens ein guter Ansatz. Auch die zeitweise Entlastung pflegender Angehöriger von beruflichen Verpflichtungen macht Sinn. Oder beispielsweise auch die Standortkampagne des Landkreises, mit der junge Familien und Fachkräfte für die Region und damit auch die Gesundheits- und Pflegebranche geworben werden sollen.

Das Interview führte unser freier Mitarbeiter Werner Vogel.