Früher wurden in dem nüchternen Zweckbau Lebensmittel und Getränke verkauft, künftig wird der Rotkreuz-Kreisverband den lange leer stehenden Supermarkt nutzen. Hier entsteht das Projekt "LebenPlus". Offizielle Eröffnung soll am 1. Juli sein, sagt Rotkreuz-Geschäftsführer Thomas Stadler, Umzug im Juni. Architekt Henry Kiesel ist sicher, dass der Termin gehalten wird.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ist nicht nur ein Wohlfahrtsverband, es ist auch ein
- nicht auf maximalen Gewinn angelegtes - Wirtschaftsunternehmen. Stadler: "Die Decke, nach der wir uns strecken müssen, wird immer höher" und der Wettbewerb ständig härter. Das BRK müsse schauen, dass es wirtschaftlich auf mehreren Füßen steht, sagt Stadler. Denn wenn weiter an der Kostenschraube gedreht werde, müsse man neue Einnahmequellen erschließen. Nur so können Angebote aufrecht erhalten werden wie etwa die Behindertentreffs.
Dazu kommt, dass die Geschäftsstelle in der Landwehrstraße aus allen Nähten platzt.

Langjähriger Mietvertrag

Zusammen mit der Gemeinnützigen Wohnungsbau-Gesellschaft Bad Kissingen (GeWo) wird der Kreisverband "LebenPlus" etablieren. Die GeWo kaufte den leer stehenden Ex-Supermarkt, ließ ihn entkernen und richtet ihn für 650.000 Euro her. 70.000 Euro steuert die Städtebauförderung bei, sagt GeWo-Geschäftsführer Gerhard Schneider. Den Rest finanziert die GeWo, denn "wir wollen diese Kooperation haben". Zudem bekommt sie einen Mehrzweckraum für die Menschen, die im Quartier Nord/ Ost leben.

Der Rotkreuz-Kreisverband mietet die Immobilie für zunächst zwölf Jahre und wendet für Mobiliar und Inventar rund 40.000 Euro auf. Dabei helfen eine Berufsschulklasse und Thomas Schuhmann, der gebrauchte Möbel zur Verfügung stellt.

Viele packen mit an

Dann gibt es noch eine beachtliche "Muskel-Hypothek": 35 ehrenamtliche Rotkreuzler haben bis jetzt 845 Stunden geleistet, haben Mauern abgebrochen, EDV-Kabel gezogen und Wände gestrichen. Am Samstag ist eine weitere größere Aktion geplant, Pflaster wird herausgerissen.

So soll Platz geschaffen werden für einen kleinen Garten. Der soll zu der neuen, zusätzlichen Tagespflege mit 15 Plätzen gehören. Die Einrichtung in der Landwehrstraße ist, sagte Stadler, voll ausgelastet, es gebe eine Warteliste. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen steige weiter.

Es entsteht ein Mehrzweckraum für Schulungen und Therapien. Er kann auch für Veranstaltungen gemietet werden.

Im Untergeschoss, einst war dort der Getränkehandel, kommt nicht nur der Patientenfahrdienst unter, sondern auch ein neuer Rotkreuz-Laden, der die kleine Sozial-Boutique ablöst. Es soll ständig geöffnet sein. Angeboten werden gespendete Bekleidung, die Bedürftige besonders günstig erhalten. Auch andere Kunden sollen sich hier wohlfühlen, sagte Stadler. Insgesamt stehen für "LebenPlus" 1000 Quadratmeter bereit. Und reichlich Parkplätze. Außerdem entstehen etwa zehn Jobs.

Partnerschaft "LebenPlus" soll die Kompetenz von Rotem Kreuz und Wohnungsbau-Gesellschaft bündeln. Dazu wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen. Das Gebäude im Steingraben soll mit dem Ziel entwickelt werden, ein soziales Dienstleistungszentrum und einen Mehrzweckraum für das Quartier Nord/ Ost zu etablieren. Eingebunden werden weitere Nutzungen wie eine Tagespflege. Hier sollen bevorzugt GeWo-Mieter aufgenommen werden. Sie sollen so lange wie möglich in ihren Wohnungen verbleiben. Weitere Projekte sollen folgen.

Rotes Kreuz Die Hilfsorganisation hat im Landkreis 2000 aktive und 6000 Fördermitglieder sowie 170 Mitarbeiter. Dazu gehören Berg- und Wasserwacht, zehn Bereitschaften und das Jugend-Rotkreuz. Sie
leisten pro Jahr rund 16 500 Rettungseinsätze. Der Fuhrpark umfasst gut 100 Autos.

GeWo Die Wohnungsbau-Gesellschaft hat 610 Wohn- und Gewerbeeinheiten, 109 Garagen und 101 Kfz-Stellplätze. Die Wohn- und Nutzfläche beträgt 38 000 Quadratmeter. Gesellschafter sind Stadt (75 Prozent) und Sparkasse.