Was wird aus der Werbegemeinschaft Pro Bad Kissingen? Der Zusammenschluss der Einzelhändler steckt in einer grundlegenden Krise. Vor wenigen Wochen haben deshalb die ehrenamtlichen Vorsitzenden Heiko Grom und Michael Pal hingeworfen und sich bei den angesetzten Neuwahlen nicht mehr zur Verfügung gestellt. Bis eine neue Führung gefunden wird, leiten sie den Verein nur noch kommissarisch. Wo genau drückt der Schuh? "Das Problem ist halt das Ehrenamt", sagt Grom.
Sein eigener Betrieb nehme ihn sehr in Anspruch. Ihm fehle die Zeit, Pro Bad Kissingen so zu führen, dass es dort eine Weiterentwicklung gibt. Momentan könne nur das am Laufen gehalten werden, was schon vorhanden ist, also beispielsweise Veranstaltungen wie den Kissinger Lichterglanz und die Fränkische Nacht.

Vorhandenes zu verwalten reicht aber nicht aus: Grom fallen auf Anhieb Bereiche mit Handlungsbedarf ein. Tagestouristen müssten beispielsweise gezielter beworben werden, der Shoppingführer ist veraltet und gehört überarbeitet, in Sachen Digitalisierung und Onlinehandel sind Neuerungen voranzubringen.


Mitgliederzahlen sinken

Die Probleme bei Pro Bad Kissingen gehen aber noch tiefer. Die Werbegemeinschaft verliert Mitglieder. Vor fünf Jahren waren rund 100 Geschäftsleute angemeldet, aktuell sind es noch um die 80. Grom bemängelt, dass nur wenige Mitglieder sich aktiv engagieren. Außerdem laufe die Kommunikation innerhalb des Vereins schlecht. "Ich kriege kaum Feedback. Wenn ich einen Brief rumschicke, kommt so gut wie nichts zurück", klagt er. Das mache es schwierig, Neuerungen einzuführen und Aktionen zu planen. Die Werbegemeinschaft kann so auf Dauer nicht funktionieren. Deshalb soll sie jetzt völlig neu aufgestellt werden, am Liebsten mit einem hauptberuflichen Geschäftsführer. Grom: "Wir sehen jetzt zu, dass das Ganze jemand macht, der dafür angestellt wird."


Überregionale Problemlage

Pro Bad Kissingen ist mit seinen Problemen kein Einzelfall. Die Anforderungen an Werbegemeinschaften sind sehr komplex, erklärt Volker Wedde. Themen wie ein Leerstandsmanagement oder Onlinehandel gehören zu einem professionellen Marketing dazu, sind gleichzeitig aber nur mit hohem Personal-, Zeit- und Kostenaufwand umzusetzen. "Rein ehrenamtlich geführte Organisationen stoßen da an ihre Grenzen", sagt der unterfränkische Bezirksgeschäftsführer vom Bayerischen Handelsverband (HBE).

Wedde berät momentan regelmäßig Werbegemeinschaften dabei, sich neu aufzustellen. Auch die Neuausrichtung von Pro Bad Kissingen will er begleiten. Wedde empfiehlt, alle am Tourismus und Marketing beteiligten Akteure mit einzubeziehen. Das wären etwa der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), die Stadt Bad Kissingen sowie der Kur- und Fremdenverkehrsverein, der ebenfalls neue Vorsitzende sucht und dringend modernisierungsbedürftig ist. Denkbar wäre eine Dachorganisation mit verschiedenen Fachbereichen, in der alles gebündelt wird vom Modehaus über das Restaurant zum Tagungshotel und der Reha-Klinik. "Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, sich gemeinschaftlich auszurichten", sagt er.


Zentraler Ansprechpartner

Der städtische Wirtschaftsförderer Michael Wieden befürwortet den Vorschlag. "Für die Stadt ist es wichtig, einen zentralen und nicht mehrere einzelne Ansprechpartner zu haben", sagt er. Es sei strategisch außerdem von Vorteil, wenn nicht jede Branche ihren eigenen Bereich bespiele, sondern wenn die Unternehmen den Standort als Ganzes bewerben. "Wenn ein Gast in Bad Kissingen ist, interessiert ihn der Einzelhandel genauso wie die Gastronomie", meint Wieden. Heinz Stempfle, Vorsitzender des Kurvereins sowie des Dehoga-Kreisverbandes, will den Vorschlag zunächst noch nicht öffentlich kommentieren, sondern sich erst intern mit anderen Vorstandsmitgliedern abstimmen.


Unterschiedliche Interessen

Heiko Grom betont, dass man sich mit der Neuausrichtung der Werbegemeinschaft noch ganz am Anfang befinde und dass der passende Weg erst noch gefunden werden muss. Aktuell führt Pro Bad Kissingen Sondierungsgespräche mit den in Frage kommenden Parteien, um jeweilige Erwartungen und Interessen abzuklären. Im Januar soll es einen Workshop geben, auf denen nächste Schritte besprochen werden. Die übergeordnete Zusammenarbeit der Wirtschaftsunternehmen im Bereich Marketing hält Grom für richtig.

Familienunternehmen, Filialisten, große Hotels, kleine Kurhäuser, Kneipen, Kliniken. Sowohl Grom, als auch Wedde und Wieden sind der Ansicht, dass sich die unterschiedliche Interessenlage unter einen Hut bringen lässt. Es gebe Kernanliegen, die jeder teile. "Die Grundausrichtung ist gleich. Jeder will Menschen in die Stadt ziehen und dazu bringen, hier sein Geld auszugeben", sagt Grom.