Ein Arzt geht in den Ruhestand. Dr. Günter Bedenk hatte 30 Jahre lang eine Praxis als Allgemeinmediziner am Sinnberg geführt, ist bei Kollegen und Patienten als Diagnostiker und Therapeut geschätzt, Ende des Monats hört er auf. "Eine qualifizierte hausärztliche Tätigkeit ist mit viel Arbeit, Zeitaufwand, Engagement und Fortbildungen verbunden", sagt Bedenk. Ein fordernder Beruf zwar, mit vielen Überstunden, aber eben auch ein erfüllender.
"Ich habe es immer gerne gemacht", meint er. Seinen letzten Arbeitstag hatte der Mediziner vergangenen Freitag, aktuell ist die Praxis in Urlaub.


Umzug im Sommer

Zum ersten April übernimmt Elena Ruch, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Bedenks kassenärztlichen Sitz. Der Praxisbetrieb läuft zunächst in der Veit-Stroß-Straße weiter, im Juli zieht Ruch in die Prinzregentenstraße nahe des Kurhausbades. Sie plant, mit ihrem Mann Dr. Matthias Ruch in einer Berufsausübungsgemeinschaft (ähnlich einem medizinischen Versorgungszentrum) zu praktizieren. Die Allgemeinmedizinerin und der Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin wollen "zwei Fachgebiete sinnvoll zusammenführen." Langfristig sei vorstellbar, weitere Kollegen in die Praxis zu holen.

Körperlich hätte Bedenk seine Praxis zwar noch ein paar Jahre betreiben können, jetzt sei aber die Gelegenheit Aufzuhören günstig gewesen, weil er nach langer Suche eine Nachfolgerin gefunden hatte. "Die Nachfolgeregelung ist grundsätzlich schwer", sagt er. Es gebe immer weniger Ärzte, die sich für eine Hausarztpraxis in einer ländlichen Region interessieren.


Landkreis gilt als überversorgt

Jedes Jahr werden in Unterfranken rund 15 Praxen ohne Nachfolger geschlossen, berichtet Dr. Christian Pfeifer von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). "Viele Ärzte suchen sehr lange, ohne jemanden zu finden", sagt er. Im Landkreis Bad Kissingen sei die Versorgung statistisch noch gut. Pfeifer: "Der Planungsbereich ist mit 120,4 Prozent überversorgt. Rein rechnerisch sind es sogar 3,4 Hausärzte zu viel." Die Zahlen sind allerdings nicht unproblematisch, weil nur geschaut wird, wie viele Hausärzte es gibt. Es wird dagegen nicht erfasst, wie groß eine Praxis ist, ob ein Mediziner halbtags arbeitet und viele Patienten pro Arzt versorgt werden. Laut Pfeifer komme es immer wieder vor, dass ein Gebiet statistisch zwar als gut versorgt gilt, die Praxen aber trotzdem überlastet sind.


Suche nach neuen Hausärzten

Das führt bei der aktuellen Nachfolge in Bad Kissingen zu Schwierigkeiten. Bedenk hat nicht nur in der Praxissprechstunde einen breiten Patientenstamm versorgt, sondern hat auch Tag für Tag Patienten in Pflegeheimen betreut. Für diese Hausbesuche hat er sich aufgerieben, war jeden Morgen schon ab sechs Uhr unterwegs. "Für mich ist die Versorgung in Alten- und Pflegeheimen ein Teil der hausärztlichen Aufgabe", erklärt der Mediziner. Menschen, die aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit nicht ins Wartezimmer kommen können, dürften nicht vernachlässigt werden. Seine Nachfolgerin kann die Betreuung nicht so intensiv aufrecht erhalten. Kurz vor der Übernahme hat sie die Heime schriftlich informiert, die Bewohner aus Kapazitätsgründen nicht betreuen zu können.

Ruch hat bisher in der Praxis ihres Mannes behandelt. Sie betont, dass sie nicht die Praxis, sondern den Kassensitz übernimmt und bereits eigene Patienten mitbringt. "Wir müssen zuerst ausprobieren, wie es läuft. Wie viele Menschen wir schaffen und was für eine Belastung auf uns zu kommt, können wir erst hinterher sehen", rechtfertigt sie sich. Es sei nicht ihr Ziel, vorher zu versprechen, was sie hinterher nicht halten könne. Sie müsse für die Patienten, die sie behandelt, eine qualitativ gute Versorgung gewährleisten. Die 43-Jährige ist der Ansicht, dass die Versorgung der Bewohner in den Altenheimen nicht gefährdet ist. Bad Kissingen sei gut mit Hausärzten aufgestellt. Sie ist zuversichtlich, dass die Patienten, die sie nicht übernimmt, einen anderen Hausarzt finden. "Normalerweise besteht keine Gefahr", sagt sie.

Lilo Renninger aus Hausen sieht das anders. Sie macht sich Sorgen, was die Versorgung ihrer 95-jährigen Schwiegermutter angeht, die im Caritas Altenheim St. Gertrudis lebt. "Als es hieß, dass Frau Ruch die Praxis übernimmt, war das für uns in Ordnung", berichtet die Angehörige. Dass ihre Schwiegermutter doch abgelehnt wurde, habe sie geschockt. "Ich finde das nicht richtig. Die alten Leute sind auf die Hausbesuche angewiesen", sagt sie. Renninger bekam von der KVB und ihrer Krankenkasse den Rat, bei anderen Praxen anzufragen. Trotz mehrerer Versuche hat sie bislang keinen neuen Hausarzt für die 95-Jährige gefunden.


Lösung für Haus St. Elisabeth

"Die Einrichtungen unterstützen die Bewohner und die Angehörigen bei der Suche", meint Ralf Grosch, der drei Caritas Einrichtungen in Bad Kissingen leitet. Als Ruch ihre Entscheidung mitgeteilt hatte, standen im St. Gertrudis und im St. Elisabeth Altenheim 20 Personen kurzfristig ohne Hausarzt da. In der Kürze der Zeit eine Lösung für alle zu finden, sei schwierig. "Die Ärzte müssen generell viele Patienten versorgen. Es ist schwierig", sagt Grosch. Immerhin wurden die Bewohner des Hauses St. Elisabeth zwischenzeitlich von einem anderen Arzt angenommen.

Günter Bedenk selbst sieht keinen Anlass, die Altenheimpatienten zu beunruhigen und gibt sich zuversichtlich. "Ich bin hoffnungsvoll, dass sich willige Kollegen finden werden, die sie übernehmen", sagt er.


Ärztlicher Kassensitz

Zulassung Der Kassensitz bezeichnet in Deutschland die Berechtigung eines Arztes, seine Leistungen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen abzurechnen. Ohne Kassensitz können nur Privatpatienten abgerechnet werden.

Behandlung Ärzte sind verpflichtet, gesetzlich Versicherte zu behandeln, können Patienten aber in Ausnahmen ablehnen, etwa wenn das Vertrauensverhältnis gestört ist oder sie so überlastet sind, dass sie eine gute Versorgung nicht garantieren können.