Detlev Tolle, derzeit Polizeivizepräsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Bamberg, wird zum 1. August 2021 der neue Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Unterfranken. Das teilt das bayerische Innenministerium auf seiner Homepage mit. Der Ministerrat habe auf Vorschlag von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) entschieden, dass Tolle Nachfolger von Polizeipräsident Gerhard Kallert wird, der Ende Juli in den Ruhestand geht.

Amtseinführung Ende Juli in Würzburg

Laut Herrmann ist Tolle ein "exzellenter Polizeiführer" und sei deshalb für das verantwortungsvolle Amt des unterfränkischen Polizeipräsidenten hervorragend geeignet. "Detlev Tolle ist ein Spitzenpolizist mit langjährigen Erfahrungen auf verschiedensten Stationen der Bayerischen Polizei", wird der Innenminister in der Pressemitteilung zitiert. Als Polizeivizepräsident habe er hervorragende Arbeit geleistet. Tolle selbst will sich auf Nachfrage der Redaktion vorerst nicht zu seiner Beförderung äußern, sondern verweist auf seine Amtseinführung Ende Juli in Würzburg.

Das Innenministerium schreibt, dass dem Hammelburger die Besonderheiten des Polizeipräsidiums Unterfranken bestens vertraut seien. "Tolle wird daher nahtlos an die erfolgreiche Ära seines Vorgängers anknüpfen können", ist sich Innenminister Herrmann sicher. "Neben Tolles Fachexpertise schätze ich vor allem seine großen menschlichen Qualitäten. Selbst in schwierigsten Situationen ist auf ihn immer Verlass." Laut Innenministerium hat das Polizeipräsidium Unterfranken aktuell knapp 3000 Mitarbeiter, die für die Sicherheit von mehr als 1,3 Millionen Bürgern auf einer Fläche von rund 8500 Quadratkilometern zuständig seien.

"Dass in Hammelburg der höchste Vorgesetzte der Polizei Unterfranken wohnt, ehrt uns", kommentiert der Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg, Christian Pörtner, die Personalie. Er habe selbst bereits mit Tolle auf einer Schicht zusammen gearbeitet. In Bad Kissingen sei Tolle in den 1990er Jahren Dienstgruppenleiter gewesen. Mit Blick auf Tolle und den früheren Polizeibeamten und jetzigen Landrat Thomas Bold sagt Pörtner scherzhaft: "Was Stuttgart für die Automobilindustrie ist, ist der Dienstbereich Hammelburg für die unterfränkische Polizei."

Detlev Tolle ist gebürtiger Hammelburger, 58 Jahre alt, lebt mit seiner Frau Barbara in der Saalestadt, hat drei Kinder und pendelt aktuell noch nach Bamberg ins Präsidium der bayerischen Bereitschaftspolizei. Laut dem Lebenslauf aus dem Innenministerium begann er nach der Mittleren Reife am 1. Oktober 1980 seine Ausbildung bei der Polizei. In den 1980er Jahren war er in Schweinfurt eingesetzt, von 1989 bis 1991 studierte er an der Beamtenfachhochschule und wechselte zum Polizeipräsidium Unterfranken. Ende der 1990er Jahre stieg Tolle in den höheren Polizeivollzugsdienst auf, ab dem Jahr 2000 war er für die Aus- und Fortbildung im Präsidium der bayerischen Bereitschaftspolizei zuständig, ab 2008 leitete der die Verkehrspolizeiinspektion Würzburg-Biebelried, ab 2011 die Polizeiinspektion Schweinfurt. 2017 wurde er zum Vizepräsidenten des Präsidiums der Bayerischen Bereitschaftspolizei ernannt.

Vor zwei Jahren berichtete Detlev Tolle auf Einladung der Freunde des Frobenius-Gymnasiums unter dem Titel "Vom VW Käfer bis zur Cyberkriminalität" über sein Leben. Er erzählte von Einsätzen 1982 bei Demonstrationen gegen die Startbahn West in Frankfurt, von Fahrten nach Wackersdorf sowie Internet- und Enkeltrickbetrügern.

Tochter ebenfalls bei der Polizei

Er selbst fühle sich in Hammelburg sehr sicher, sagte Tolle beim Vortrag im Hammelburger Gymnasium und verwies darauf, dass die Straftaten in den vergangenen 30 Jahren rückläufig seien. Tolle selbst fühlt sich in Hammelburg sehr sicher. Seine Schulzeit am Frobenius-Gymnasium war nur kurz, in der 7. Klasse sei er an die Realschule gewechselt. Trotzdem habe er es mit Einsatz und Engagement bis an die Spitze geschafft. Den Vortrag nutzte Tolle auch, um bei den Schülern für den Dienst in der Polizei zu werben. Bei seiner jüngsten Tochter war er bereits erfolgreich: Sie startete eine Ausbildung bei der Polizei.