Pfarrer Alfons Wiesler ist am Sonntag, 11. Juli 2022, im Alter von 92 Jahren in Bad Kissingen gestorben. Das Requiem findet am Freitag, 15. Juli, um 14 Uhr in seinem Heimatort in der Sankt Jakobus Kirche in Machtilshausen statt. Anschließend wird er im Priestergrab im Machtilshauser Friedhof beigesetzt. Der 92-jährige Geistliche verbrachte seinen Lebensabend in Bad Kissingen.

Wiesler, der am 1, Oktober 1929 in Machtilshausen das Licht der Welt erblickte, wurde nach dem Theologiestudium am 22. Juli 1956 von Bischof Julius Döpfner in Würzburg zum Priester geweiht. Er wirkte als Kaplan in Ochsenfurt, Kirchlauter und Schweinfurt. 1963 wurde er zum Kuratus in Würzburg-Heiliggeist ernannt. 1967 fungierte er als Domvikar und wirkte bis 1972 als Diözesan-Jugendseelsorger. Priester zu sein war für ihn nicht nur ein leidenschaftlicher Beruf, sondern Berufung.

Wiesler kam 1972 als Religionslehrer an die Berufsschule Bad Kissingen, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 als Studiendirektor tätig war. Gleichzeitig war er mit der Seelsorge der Nüdlinger Filialgemeinde Haard betraut, die er offiziell bis 2005, also insgesamt 33 Jahre, betreute. Danach half er immer wieder bereitwillig aus, um in Haard die Messe zu feiern und den Nüdlinger Pfarrer zu entlasten, bis die Beschwerden des Alters ihren Tribut forderten.

Der geschätzte Geistliche war seit dieser Zeit mit den Haardern eng verbunden, die er auf ihren Lebenswegen begleitete. In den Jahren seines Wirkens in Haard hat Studiendirektor Alfons Wiesler fünf Nüdlinger Pfarrer wechseln sehen. In seiner Bescheidenheit lehnte Wiesler jeden Aufwand um seine Person ab, verzichtete konsequent auf materielle Geschenke und war Träger der Bürgermedaille der Gemeinde Nüdlingen.

Seine Predigten, die er stets in freier Rede hielt, waren anspruchsvoll. Hier kam der Bibelkenner und hochgebildete Theologe mit Leib und Seele zum Vorschein. So lockte er Sonntag für Sonntag nicht nur die Haarder, sondern auch Gläubige aus den umliegenden Dörfern zu den Sonntags-Gottesdiensten nach Haard.

Bewundernswert war seine Geduld mit den Kindern, die er beim Gottesdienst um den Altar versammelte und in die Eucharistiefeier mit einbezog. Sein Mut, Gottesdienste nicht nach Schema "F" ablaufen zu lassen sondern individuell zu gestalten, war sein Markenzeichen. Wiesler wendete sich gegen jeden Automatismus, vorgekaute vorformulierte Gebete, eingefahrene Floskeln und Gedankenlosigkeit in der Liturgie.

Sein fundiertes Wissen vermittelte Pfarrer Wiesler nicht hartnäckig, sondern beharrlich. Er gehörte zu jenen Geistlichen, die gegenüber der Amtskirche kritisch seine Meinung sagten, diese begründete und davon nicht abwich. Er hat gerne eingefahrene Wege verlassen, zeigte andere Wege auf und gab Impulse.

"Wenn beim Gottesdienst das traditionelle Ritual gedankenlos herunter gespult wird, braucht man sich nicht wundern, wenn die Kirchen immer leerer werden", stellte Wiesler einmal fest.