Madeleine Beer freut sich aufs Autofahren. Mobil sein, unabhängig von löcherigen Busfahrplänen und berufstätigen Eltern. Die 17-jährige Gymnasiastin aus Nüdlingen fährt täglich mit dem Bus nach Bad Kissingen zur Schule und wieder nach Hause. Das klappt ohne längere Wartezeiten, zumindest an den meisten Tagen. "Außer wenn ich ganz lange Schule habe", erzählt sie. Der Montag ist so ein Tag.
Nach dem Unterricht müsste sie eine gute Stunde auf den nächsten Bus warten. Weil das zu lange dauert, lässt sie sich mit anderen Klassenkameraden von den Eltern abholen. "Wenn schon früher ein Bus fahren würde, würde ich den auch nehmen", sagt sie.


Begleitetes Fahren überwiegt

An ihrem 18. Geburtstag soll mit der mobilen Abhängigkeit Schluss sein. Beer macht gerade den Führerschein für begleitetes Fahren ab 17. Solange ihre Eltern mit im Auto sind, darf sie sich bei bestandener Prüfung schon jetzt hinters Lenkrad setzen. "Ich mache den Führerschein mit 17, weil ich dann noch Zeit habe, zu üben", sagt sie. Außerdem kann sie pünktlich zu ihrem 18. Geburtstag allein fahren. Vater Uwe findet es gut, dass sich die Tochter ein Jahr lang unter Aufsicht an den Straßenverkehr gewöhnen kann. Am Führerschein führt ohnehin kein Weg vorbei. "Auf dem Dorf ist man auf das Auto angewiesen", sagt der Nüdlinger CSU-Gemeinderat. "Das ist einfach so." Das sehen viele Jugendlichen im Landkreis ähnlich. 85 Prozent von rund 1200 Führerscheinen, die das Landratsamt seit März 2015 ausgestellt hat, waren für begleitete Fahrer ab 17.


Gependelt wird im Auto

"Im ländlichen Raum überwiegt der motorisierte Individualverkehr", sagt Matthias Pusch, Referent für Regionalentwicklung bei der IHK-Mainfranken. Das gilt natürlich nicht nur für Schüler, sondern vor allem für Berufstätige. Das tägliche beziehungsweise wöchentliche Pendeln gehört für viele Arbeitnehmer aus dem Landkreis zum Alltag und hat seit Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Nahezu jeder zweite Berufstätige aus Bad Kissingen (Stadt) ist Berufspendler. Das Auto ist für viele im Vergleich zu Bus und Bahn das überwiegend genutzte Verkehrsmittel.

Berufstätige, die in der Großen Kreisstadt wohnen, arbeiten zu einem großen Teil in der näheren Umgebung, etwa in Bad Bocklet, Bad Neustadt und Hammelburg. Am engsten sind die Pendelbeziehungen traditionell nach Schweinfurt, was laut dem aktuellen IHK-Pendleratlas (Stand: 2015) unter anderem an den Arbeitsplätzen in der Industrie, an der räumlichen Nähe und der guten Anbindung liegt. Einige hundert Pendler aus Bad Kissingen legen aber auch längere Wege zum Arbeitsplatz zurück, unter anderem bis Nürnberg und ins Rhein-Main-Gebiet. Ausschlaggebend für die Fernpendler ist die zentrale Lage zwischen den Metropolregionen Frankfurt und Nürnberg.


Hoher Pendelverkehr im Kreis

Auch in die Kurstadt wird viel gependelt. Die Hauptströme konzentrieren sich dabei auf die nähere Umgebung, rund 70 Prozent der Einpendler wohnen im Landkreis. Ausschlaggebend sind insbesondere Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und der Gastronomie, aber auch in Behörden. "Es gibt eine Zunahme der Pendelbewegungen zwischen dem Umland und den jeweiligen Ober- und Mittelzentren", verweist IHK-Experte Sascha Genders auf einen generellen Trend. Vor allem in Metropolenregionen wandern Menschen beispielsweise wegen günstigerer Mieten aus den Zentren ins Umland ab und nehmen dafür das Pendeln in Kauf.

Der Führerschein ab 17 ist für junge Pendler in der Ausbildung nur eingeschränkt von Nutzen, weil sie von Begleitpersonen abhängig sind. Die IHK plädiert nicht zuletzt deshalb für einen flächendeckenden ÖPNV.


Verfügbarkeit ist entscheidend

Das Auto ist für Berufstätige in der Region nach wie vor das wichtigste Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen. Ob ein Berufspendler jedoch ins Auto oder in öffentliche Verkehrsmittel steigt, hängt weniger damit zusammen, wie weit er bis zum Arbeitsplatz fahren muss. "Für die Entscheidung, ob ich ein ÖPNV-Angebot nutze, ist die Verfügbarkeit entscheidend", sagt Sascha Genders, Bereichsleiter für Standortpolitik bei der IHK-Mainfranken. Je besser das Angebot, umso höher die Nachfrage. Fahrgäste erwarten einen dichter Fahrtakt und Haltestellen unweit der Haustüre.

Ländliche Regionen wie der Kreis Bad Kissingen dürften allerdings nicht mit dem Verkehrsnetz in Ballungszentren verglichen werden. "Wir werden hier nicht so einen Speckgürtelverkehr hinbekommen wie in München oder Nürnberg", sagt Claus Schubert, Geschäftsführer beim Kreisomnibusbetrieb. Der ÖPNV in der Region sei gut aufgestellt und besser als sein Ruf.

Die Busverbindungen sind vor allem auf den Schülerverkehr zugeschnitten, werden aber ebenfalls gut von Senioren genutzt. Berufspendler sind laut Schubert im Vergleich zur großen Masse an Autofahrern zwar eher selten in den Bussen zu finden, dennoch wird auch eine nicht unerhebliche Zahl Monatskarten von Berufstätigen in Anspruch genommen. Es falle schwer, die Kunden zu überzeugen, auf den ÖPNV umzusteigen. Autos sind für viele attraktiver. "Die Leute wollen einfach flexibel sein und im Gegensatz zu den Großstädten gibt es hier keine Staus", sagt Schubert.