Bad Kissingen
Konzert

Peggy March: "Ich möchte nicht mehr 17 sein"

"Mit 17 hat man noch Träume" - der Song der Amerikanerin eroberte die deutschen Wohnzimmer, mit "I will follow him" hatte sie einen zweiten Welthit. Jetzt kommt die 74-Jährige nach Bad Kissingen. Darum hat sie keine Lust auf eine zweite Jugend.
Peggy March steht am Sonntag, 4. September, in Bad Kissingen auf der Bühne. Foto: Anne Huneck
Peggy March steht am Sonntag, 4. September, in Bad Kissingen auf der Bühne. Foto: Anne Huneck

Es sind Schlagerwochen in Bad Kissingen. Nach Roland Kaiser treten am Sonntag, 4. September, "Peggy March & Friends" ab 18 Uhr im Rossini-Saal mit Michael Holm und Graham Bonney als Gäste sowie der Otti Bauer Band auf. Peggy March war eins auch das Lieblingskind der Deutschen. Die heute 74-Jährige räumte mit 15 Jahren bereits den Markt mit "I will follow him" ab - und sang sich mit 17 mit dem Song "Mit 17 hat man noch Träume" in deutsche Wohnzimmer.

Frau March, wenn ich bei YouTube "mit" und " 17" eingebe, landet der Name "Peggy March" an erster Stelle. Hätten Sie sich das damals träumen lassen, dass dieses Lied zum Evergreen wird?

Peggy March: Nein, niemals. Dazu kommt, dass ich damals gar nicht wusste, was ich sang! Ich war 17 Jahre alt und verstand kein Deutsch, ich habe einfach nur gesungen. Rudimentär wusste ich, dass es um ein Mädchen geht, aber das war es auch schon. Den Inhalt habe ich erst später verstanden.

Hut ab. Wenn ich mir alte Videos ansehe, bin ich noch immer überzeugt, dass Sie in jedes Wort viel Gefühl gelegt haben.

Das lag an der Musik, sie war melancholisch - da sind Worte nicht so wichtig. Ich habe auch auf Japanisch, Spanisch und Holländisch gesungen und verstand nichts. Jetzt, da ich Deutsch gut beherrsche, werden mir Texte natürlich immer wichtiger.

Sie waren damals selbst erst 17. Wie haben Sie das TV-Geschäft empfunden?

Ich habe in Philadelphia, wo ich geboren bin, schon zwischen meinem 8. und 13. Lebensjahr in Shows mitgemacht, die waren live. Manchmal im TV oder im Radio. Das war nichts Fremdes für mich. Und ich hatte einen großen Spaß dabei und fand es toll.

War Ihre Mutter eine "Eislaufmutter?"

Was bedeutet das?

Eine, die vor allem eins für ihr Kind will: Erfolg.

(Lacht) Oh nein, ganz und gar nicht. Niemand hat mich gezwungen, ich wollte das. Und wenn ich etwas nicht wollte, sagte ich es meiner Mutter und musste es dann auch nicht tun.

Schon zwei Jahre vorher haben Sie mit "I will follow him" einen Mega-Erfolg. Spätestens seit dem Film "Sister Act" mit Whoopi Goldberg kennt den Song jedes Kind, auch heute noch. Bei den 15-Jährigen heutzutage hätte ich angesichts dieses Erfolgs Sorge, dass dieses Mädchen in der Drogenabhängigkeit landet oder wöchentlich einen anderen Mann heiraten will. Warum sind Sie so normal geblieben?

Puh, gute Frage! Ich hatte gute Eltern und ging in eine ganz normale Schule. Das Einzige, was mich von den anderen Mädchen unterschied, war, dass ich einen Nummer-1-Hit in den USA hatte. Ich hatte riesengroßes Glück, dass ich machen durfte, was ich wollte - singen. Und dass ich damit auch Erfolg hatte. Aber natürlich war es surreal: Ich hatte diesen großen Hit, aber wenn ich in den Spiegel schaute, stand da kein Star, sondern ein Schulmädchen, das sich fragte, ob die Lateinvokabeln auch wirklich sitzen. Und dann bin ich mit meinen Freundinnen ganz einfach zur Schule gegangen. Es gab nur einen Unterschied zwischen uns: Ich flog neben der Schule durch die Welt.

Heute wäre das unvorstellbar. Einen erfolgreichen jungen Menschen kennt die ganze Welt.

Ja, stimmt. Ich war damals ja nicht dauernd im Fernsehen oder im Internet - wir hatten das nicht. Ich war eine Wochenend-Berühmtheit. Wir hatten kein Facebook, wo der Erfolg täglich x-fach widergespiegelt wird. Es war eine andere Zeit. Nicht schlechter, nicht besser, nur anders.

Vielleicht können Sie mir helfen: I will follow him, ich werde ihm folgen - ist damit der liebe Gott gemeint oder ein Kerl?

Das ist witzig, dass Sie das fragen! Ich bin davon überzeugt, dass es ein Mann gewesen ist, schließlich war der Songschreiber ja selbst einer und der hat sicher nicht an Gott gedacht. Es war toll, was in "Sister Act" aus dem Song gemacht wurde, auch, dass er kirchlich interpretiert wurde. Wobei ich persönlich glaube, dass Gott eine Frau ist. Und nebenbei: I will follow him wird nächstes Jahr satte 60 Jahre alt!

Glückwunsch!

Danke! Das empfinde ich als Rekord. Und einen halte ich ja noch nach wie vor ...

Welchen?

Die jüngste Sängerin mit einem Nummer-1-Hit in den USA.

Dann noch einmal: Glückwunsch! 1968 erhielten Sie den "Otto" der Jugendzeitschrift "Bravo", waren ein Jahr später beim Grand Prix im Finale - wie auch 1969 mit einem Lied von Ralph Siegel und trugen die kürzesten Miniröcke auf der Bühne. Heute räumt Superstar Beyoncé die Preise ab und kämpft als Sexsymbol für die Frauenrechte. Wären Sie heute gerne noch mal 17?

Nein, ich möchte nicht mehr 17 sein. Um Gottes Willen! Die Kinder von heute haben es schon schwer. Ich habe meine Zeit durchgelebt, meinem Enkelsohn steht sie bevor. Er wächst in einer Welt auf, in der er jede Katastrophe in Echtzeit sehen kann, er kann sie streamen, er kann sich alle Bilder ansehen. Ich habe damals lange gebraucht, bis ich etwas zur Kuba-Krise gehört habe - ich wuchs viel behüteter auf. Wir waren geschützt vor der Welt, damals als Kinder. Und heutzutage kommt noch die Klimakrise dazu, in die mein Enkelkind hineinwächst. Nein, ich möchte nicht mehr 17 sein.

Mit "Get happy" haben Sie 2007 ein Album mit Big-Band-Schmiss und American Standards auf den Markt gebracht. Mackie Messer aus der Dreigeroschen-Oper singen Sie auf Deutsch. Welche Rolle spielt Deutschland noch für Sie?

Eine sehr große. Ich lebte mit meinem verstorbenen Mann und meiner Tochter zwölf Jahre in München, Sandy ist dort geboren und antwortet auch heute noch auf die Frage nach ihrem Geburtsort mit "Ich bin eine Bayerin". Deutschland ist meine zweite Heimat, ich komme gerne hier her und liebe es, auf Deutsch zu singen. Vielleicht war ich in einem früheren Leben schon mal hier?! Ich mag das Essen und die Menschen - ich weiß, dass ich hier hingehöre.

Ich habe gehört, dass Sie vor 50 Jahren schon einmal in Bad Kissingen aufgetreten sind.

Ehrlich? Das kann sein - aber die Erinnerung kann ich jetzt nicht abrufen. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich erinnern werde, wenn ich da bin.

Sie sind jetzt 74 Jahre alt. Ein Alter, in dem manche froh ist, ohne Rollator im Kurpark spazieren gehen zu können. Woher nehmen Sie die Kraft, weiterhin auf Bühnen zu stehen?

Weil ich meinen Job wahnsinnig gerne mag. Ich möchte nicht aufhören, nur weil ich älter werde. Wenn ich es irgendwann nicht mehr kann, dann muss ich aufhören. Aber momentan geht es mir gut. Solange es mir Spaß macht, mache ich weiter.

Wie ist es, im Rampenlicht zu altern?

Ich werde älter, das heißt nicht, dass ich alt werde. Aber mein Gott, es gibt keine Alternative! Es ist wie es ist, und man muss das Beste daraus machen. Ich stehe auch nicht jeden Tag im Fitnessstudio, das ist nicht so meine Lieblingsbeschäftigung. Ich glaube, man kann noch vieles machen in meinem Alter - und das versuche ich, solange ich kann.