Anfang des Jahres gab es eine große Umfrage zum Radverkehr in Bad Kissingen, im Frühjahr wurden die Ergebnisse im Stadtrat vorgestellt und es wurde eine Arbeitsgruppe Mobilität ins Leben gerufen. Inzwischen liegen die ersten konkreten Ideen auf dem Tisch, wie Fahrradfahrer künftig sicher und schnell in der Stadt unterwegs sein sollen. Die Vorschläge lösten in der jüngsten Bauausschusssitzung eine kontroverse und lange Diskussion aus. "Es geht grundsätzlich um die Frage, wie es beim Radverkehr weitergeht", kommentierte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) das Thema. Er sehe mittelfristig die Chance für Bad Kissingen, sich in eine fahrradfreundliche Kommune zu wandeln.

Streit um Verlauf der Hauptradstrecke

Die Diskussion konzentrierte sich vor allem auf das geplante Routennetz im Bereich der Kernstadt. Es sind zwei Hauptrouten vorgesehen, die von Norden nach Süden beziehungsweise von Westen nach Osten durch die Stadt führen. Abseits davon erschließen Nebenrouten das Stadtgebiet in der Breite. Strittig und problembehaftet ist vor allem die Verbindung zwischen dem Stadtteil Garitz und dem Sinnberg.

Als Hauptroute ist von Garitz aus der bestehende Marbach-Radweg vorgesehen, ab der Saale geht es über Max- und Erhardstraße hoch zum Sinnberg. "Der Marbach-Radweg ist für mich keine Hauptroute, weil er zu viele Schwachstellen hat. Eine Hauptroute sollte sicher, zügig und ohne große Hindernisse sein. Das ist hier nicht der Fall", kritisierte Richard Fix (Grüne), Stadtratsbeauftragter für Mobilität und Mitglied in der Arbeitsgruppe. Er schlug als Alternative die Schönbornstraße vor, schränkte aber ein, dass in dem Fall Autoparkplätze wegfallen und eventuell an anderer Stelle ersetzt werden müssten. Dies müsse diskutiert werden. Zudem sprach sich Fix dafür aus, die Hauptroute auf der Maxstraße verlaufen zu lassen, um die Schulen besser anzubinden. Die Erhardstraße soll als Nebenroute eingestuft werden.

Widerspruch kam von 3. Bürgermeister Thomas Leiner (CSU). Er wies darauf hin, dass der Radweg entlang der B 286 nach Poppenroth an den Marbach-Radweg anschließt. "Er ist verbesserungsbedürftig, aber gut zu handeln. Für mich kann es nur diesen als Hauptroute geben", argumentierte er.

"Die Ost-West-Verbindung ist nicht zufriedenstellend. Dafür kriegen wir immer wieder Kritik", sagte Bauamtsleiterin Christine Schwind. Das Wegenetz diene als Grundlage für spätere Planungen. Laut Mängelkataster für den Radwegverkehr gibt es am Marbach-Radweg einige Schwachstellen, die beseitigt werden müssen, unabhängig davon, ob er zur Haupt- oder Nebenroute wird.

Die Arbeitsgruppe Mobilität hat eine Priorisierung getroffen, was am wichtigsten umzusetzen ist. An oberster Stelle stehen unter anderem die Ost-West-Verbindung und das Abarbeiten des Mängelkatasters, an zweiter Stelle stehen die Radwege in die Ortsteile und der Ausbau von Radinfrastruktur wie Wegbeschilderung und Abstellanlagen. Zur dritten Priorisierungsstufe gehört es, die Radwege in Nachbarorte zu verbessern und Serviceangebote für Touristen auszubauen, etwa E-Bike-Ladestationen und Angebote für Leihfahrräder.

Drei Vorschläge der Arbeitsgruppe will die Stadt kurzfristig umsetzen, unter anderen den Übergang vom Marbach-Radweg in die Schützenstraße radfahrersicher umzubauen. Auf mittlere Sicht soll es für den Marbach-Radweg eine komplette Planung geben. Zudem soll das Bauamt eine Lösung erarbeiten, wie der Radverkehr sicher von der Erhardstraße über den Nordring geführt wird. Der Bauausschuss gab sowohl zum Routennetz als auch zur Priorisierungsliste seine Zustimmung. Bei der Ost-West-Route soll die Arbeitsgruppe allerdings noch einmal diskutieren, wo die Haupt- und wo die Nebenstrecke verlaufen soll.

Hintergrund Die Stadt lässt aktuell einen neuen Verkehrsentwicklungsplan erarbeiten. Ein großer Einzelpunkt darin ist der Radverkehr. Bei der Umfrage Anfang des Jahres zum Radfahren haben mehr als 500 Bürger teilgenommen. Sie wünschen sich beispielsweise mehr und breitere Radwege sowie eine bessere Trennung vom Autoverkehr. Erste konkrete Vorschläge der Arbeitsgruppe Mobilität waren jetzt Thema im Bauausschuss. lbo