Am Samstag und Sonntag haben Wintersportfreunde noch einmal die Möglichkeit, die Skier in der Rhön anzuschnallen. Danach werden auch auf der Wasserkuppe die Lifte den Betrieb einstellen, und die Skisaison 2021/22 zwischen Kreuzberg und Wasserkuppe ist beendet.

Das bedauert Florian Heitmann etwas. Denn, wie der Betriebsleiter der Ski- und Rodelarena auf der Wasserkuppe feststellt, herrschen dort dank Nachtfrost und Sonnenschein am Tag gerade die wohl besten Bedingungen des Jahres. Aber die Leute seien jetzt auf Frühling eingestellt, das Interesse am Skifahren habe wie üblich im März merklich nachgelassen.

Eine gute Saison

Dennoch zeigt sich Heitmann mit dem Verlauf der Saison hochzufrieden. "Es war eine gute bis sehr gute Saison", so seine Bilanz für die Wasserkuppe nach zwei verkorksten Jahren. Der Winter 2019/20 war viel zu mild. Im folgenden Jahr kam dann endlich wieder einmal eine schneereiche und kalte Saison, aber die Lifte konnten wegen Corona nicht in Betrieb gehen.

In dieser Saison durften die Rhöner Anlagen mit einigen Corona-Auflagen dann wieder öffnen. Und tatsächlich hat es auch geschneit. An Wasserkuppe, Zuckerfeld, Arnsberg, Kreuzberg und sogar am Simmelsberg konnten Skifahrer ihrem Hobby nachgehen. Allerdings waren die Schneemengen eher übersichtlich. Damit war die Zahl der Öffnungstage an den einzelnen Anlagen davon abhängig, ob die Pisten künstlich beschneit werden.

Schon kurz vor Weihnachten, am 10. Dezember, so Heitmann, sei die Skisaison am höchsten Berg der Rhön gestartet. In der Folge sei der Skibetrieb fast durchgängig möglich gewesen. Lediglich pünktlich zum Jahreswechsel musste man bei Regen und zehn Grad plus eine Pause einlegen, da der Schnee völlig weggetaut war. Außerdem durften die Lifte im Februar einen Tag wegen eines schweren Sturms aus Sicherheitsgründen nicht laufen.

Ansonsten waren sie tagtäglich in Betrieb und die Skifahrer kamen in großer Zahl, obwohl das Wetter oft neblig und diesig gewesen wäre, so der Betriebsleiter. Besonders an Weihnachten und an den Wochenenden sei der Ansturm enorm gewesen. Die Leute hätten sich einfach gefreut, endlich auch wieder in der Rhön ihrem Sport nachgehen zu können. Wenn am Sonntag die Saison beendet wird, kommt man auf Hessens höchstem Berg auf 94 Betriebstage. Und das seien einige mehr als der Saison-Durchschnitt von 70 Tagen, bilanziert Heitmann zufrieden.

Für diesen Erfolg ist die Beschneiung der entscheidende Faktor, stellt der Betriebsleiter klar. Ohne die entsprechenden Anlagen wäre der Betrieb auf der Wasserkuppe nicht rentabel. Bei milden Temperaturen und Regen sei der Naturschnee schnell weg. Kunstschnee halte höhere Temperaturen und durchaus auch einmal Regen aus. Entsprechend werde an der Wasserkuppe seit 40 Jahren beschneit, weiß er. Mit zwei Anlagen sei man seinerzeit gestartet, im Lauf der Jahre seien es dann 16 geworden. Diesen Kurs, in kleinen Schritten zu investieren, wolle man weitergehen und heuer wohl noch weitere Schneemaschinen anschaffen.

Allerdings war die Schneeproduktion heuer nicht so einfach, so Heitmann. Denn dafür ist eigentlich knackiger Frost von drei Grad minus und möglichst darunter erforderlich. Dieser Winter sei dafür oft etwas zu mild gewesen. Die Arbeit sei dann grenzwertig gewesen, aber "wir haben uns durchgekämpft".

Viele aus der bayerischen Rhön in Hessen

Was Heitmann als Besonderheit für diese Saison hervorhebt, ist die gute Stimmung: "Die Leute waren happy und wir waren happy! Das war der Wahnsinn!" Ähnliche Beobachtungen hat auch Harald Jörges am nahen Zuckerfeldlift gemacht. Die Leute seien froh und dankbar gewesen, in der heimischen Rhön Skifahren zu können. "Hört ja nicht auf, das Angebot ist einfach klasse!", solche Äußerungen seien öfter zu hören gewesen. Man habe sich selten so wertgeschätzt gefühlt wie in dieser Saison, so der Betreiber der Anlage bei Obernhausen.

Dieser Winter habe dem Familienbetrieb richtig gutgetan, so die wirtschaftliche Bilanz von Jörges über die Saison. Nicht zuletzt dank der Beschneiungsanlagen waren am Zuckerfeldlift in diesem Jahr 47 Skitage zu verzeichnen. Und die Pisten seien richtig voll gewesen. Dabei hat der Betreiber in diesem Jahr viele Besucher aus den bayerischen Rhön-Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld registriert.

Einführung von Halbtages- und Tageskarten

Er bestätigt auch zwei Erfahrungen seines Kollegen auf der Wasserkuppe. Ohne die "Schneemaschinen", wie sie offiziell heißen, von Kanonen will Jörges in diesen Zeiten nicht reden, wäre die Zahl der Skitage natürlich nicht machbar und der wirtschaftliche Erfolg nicht möglich gewesen. Und auch am Zuckerfeld sei die Schneeproduktion wegen der milden Temperaturen "grenzwertig" gewesen. Was sich für ihn bewährt hat und wohl auch beibehalten wird, ist die Einführung von Halbtages- und Tageskarten, statt der bisherigen Punktekarten.

Jörges wie Heitmann sehen optimistisch in die Zukunft des Wintersports in der Rhön. Den Wintersport hier müsse man noch lange nicht abschreiben, auch wenn man wegen des Klimawandels immer wieder mit sehr milden Wintern rechnen müsse, so Heitmann. Das sieht Jörges ebenso und erklärt, dass man am Zuckerfeld in jedem Fall weitermachen werde.

Arnsberglifte: Nicht unzufrieden

Ungünstiger sehen die Zahlen in der bayerischen Rhön aus, da hier keine Beschneiungsanlagen im Einsatz sind. Dennoch zeigt sich Madeleine Adrian von den Arnsbergliften nicht unzufrieden mit dieser Saison. Endlich sei die Anlage überhaupt wieder einmal gelaufen, freut sie sich und spricht von 16 Skitagen in dieser Saison. Auch die Besucher hätten sich nach den vergangenen beiden Jahren gefreut, am Arnsberg wieder einmal Skifahren zu können. Die Stimmung an der Piste sei gut gewesen. Die Unkosten der vergangenen Jahre habe man allerdings nicht herausgeholt. Klar sei, dass nicht jeder Winter gleich gut werden könne, aber "wir bräuchten wieder mal einen richtigen Winter, um einen Puffer aufbauen zu können".

80 Schneetage im Loipenzentrum

Kurz angebunden reagiert Thomas Fuß von den Kreuzbergliften auf die Frage nach einer Bilanz über die Skisaison. Er habe noch keine Bilanz gezogen und die Zahl der Skitage könne er nicht nennen. Aber er sei unzufrieden, so Fuß.

Übrigens: Nicht nur für Abfahrtsskifahrer, auch die Langläufer hatten in dieser Saison gute Bedingungen. Das Loipenzentrum gab die Zahl der Schneetage bislang mit 80 an.

Thomas Pfeuffer