Der Verkehr in und um Bad Kissingen hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Die Art und Weise, wie die Stadt mit dem Verkehr auf ihren Straßen umgeht, aber kaum. Ein neues und umfassendes Konzept soll helfen, die aufgelaufenen Defizite auszugleichen und eine Brücke für den innerstädtischen Verkehr der Zukunft zu bauen.

Der Stadtrat hat jetzt einstimmig beschlossen, ein neues Verkehrsentwicklungskonzept in Auftrag zu geben. Die Aufgabenstellung ist anspruchsvoll. Das Büro, das den Auftrag erhält, soll eine "Gesamtstrategie für sinnvolle, stadtverträgliche Ordnung des innerörtlichen Verkehrs" erarbeiten. Berücksichtigen soll es dabei die Belange "aller Verkehrsteilnehmerarten".

Die Ausgangssituation beschrieb Stadtplanerin Christine Schwind so: Bad Kissingen brauche als bedeutender Kurort mit einem neuen Profil als Gesundheits- und Kulturstandort ein "stimmiges Erschließungs- und Verkehrskonzept". Bis dato fehle es an einem Konzept, das alle Verkehrsarten angemessen integriert. Auch die demografische Entwicklung müsse berücksichtigt werden.

Zu der Überzeugung gekommen, dass neue Gedanken über den Verkehr in der Stadt notwendig sind, sind Verwaltung und Stadträte unter anderem durch die Neuorientierung, die der Kurbetrieb bereits erfahren hat und noch weiter erfahren wird. Das Gesundheitswesen habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert, der Kurbetrieb stelle sich darauf ein. Die Angebote seien deshalb breiter gefächert als früher. Die Zielgruppe beim Bemühen um Gäste sei jünger. Gleichzeitig sei der Wunsch nach Ruhe und lärmabgeschirmten Zonen weiterhin sehr ausgeprägt. Gäste der Stadt erwarteten vielfach auch Entschleunigung.

Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Verkehrs in Kissingen hat die Bewerbung der Stadt um den Eintrag in die Unesco-Welterbeliste als eines der Great Spas of Europe. Wenn die Bewerbung Erfolg haben sollte, geht es nach den Worten der Stadtplanerin nicht nur um die Frage, wo das geplante Welterbezentrum eingerichtet wird. Durch die Aufnahme auf die Liste sei auch mit einem erhöhten touristischen Interesse an der Stadt zu rechnen. Daraus ergebe sich "stark vermehrter Besucher- und Busverkehr".

Vor diesem Hintergrund seien Überlegungen notwendig, wie man das innerstädtische Unesco-Schutzgebiet für den Welterbetourismus erschließt. Gleichzeitig müsse die Stadt sensible und lärmempfindliche Bereiche des Kurbetriebs schützen. Auch die Bedürfnisse der Bewohner der Stadt und von Besuchern jenseits des Welterbetourismus müssten Berücksichtigung finden.

Ergebnisse liefern soll die geplante Untersuchung auch für Stichworte wie Barrierefreiheit, Radwege und Wanderwegenetz. Grundsätzlich gehe es darum, die "sanften Fortbewegungsmittel Fußgänger- und Fahrradverkehr" zu stärken, erklärte Christine Schwind. Das heißt, dass die Entwicklungen bei Elektrofahrrädern berücksichtigt und das Rad- sowie das Wanderwegenetz überprüft werden. Anbindung an das Radwegenetz des Landkreises und an überregionale Radwanderwege müsse gewährleistet sein.

Durch die "Zunahme des mobilisierten Individualverkehrs", so die Stadtplanerin, steige der Parkdruck. Das Konzept solle daher Möglichkeiten der "stärkeren Verdichtung der Stellplatzflächen" prüfen. Weitere Stichworte sind: Bad Kissingen als Wohnstandort und Gewerbeentwicklung. Weil Kissingen sich als hochwertiger Wohnstandort sehe, wolle es auch in verkehrstechnischer Hinsicht für junge Familien, Singles und Senioren attraktiv sein. Da aber zum Teil der Durchgangsverkehr in Wohngebieten stark zugenommen habe, seien "Beruhigungsmaßnahmen" ein Thema. In Bezug auf neue Gewerbeflächen gehe es vor allem um deren sinnvolle Erschließung.

Berliner Platz

Als Grundlage für so eine umfassende Planung seien Verkehrserhebungen notwendig. Die vorhandenen Zahlen nannte die Stadtplanerin "absolut nicht mehr repräsentativ". Die letzte Zählung liege knapp zehn Jahre zurück. Eine wichtige Aufgabe für die Macher des Konzepts ist auch die "Überprüfung der Lage des zentralen Omnibusparkplatzes". Darüber ist, nicht zuletzt wegen des Investorenwettbewerbs für den Berliner Platz, zuletzt heftig diskutiert worden. Vor diesem Hintergrund ist auch ein Wunsch zu sehen, der von CSU und SPD angesprochen wurde. Die Christsozialen hätten gehört, sagte deren Fraktionssprecher Steffen Hörtler, dass es drei Jahre dauern werde, bis die Ergebnisse des umfassenden Konzepts vorliegen. Vor diesem Hintergrund bat er, dafür zu sorgen, dass Antworten zu Schwerpunktfragen, wie etwa dem Berliner Platz, schneller kämen. Die städtische Bauverwaltung stellte das in Aussicht. Die Grundlagen müssten erarbeitet werden, danach könne man schon priorisieren.