Zum dritten Mal in der jüngsten Geschichte wehren sich die Langendorfer gegen eine Ansiedlung an der Bundesstraße 287. Ging es Mitte und Ende der 1990er Jahre um einen Autohof und ein "Fränkisches Dorf", entzündet sich die Kritik heute an einem geplanten Lebensmittelmarkt mit Tankstelle. Und erneut mobilisiert der Protest die Langendorfer.

In zahlreichen Leserbriefen schreiben sie gegen das Projekt an.
Gleich nachdem die Pläne zum ersten Mal öffentlich vorgestellt worden waren, organisierte eine Gruppe von etwa 20 bis 30 Bürgern eine Unterschriftensammlung. Innerhalb einer Woche unterstützten 490 Personen aus dem Ort und der Umgebung die Aufforderung an den Gemeinderat, auf das Projekt zu verzichten. In der Bürgerversammlung am Mittwoch übergab Stefan Rehberger die Listen an Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD/ FWG).

Das Vereinsheim war überfüllt. Gut 100 Teilnehmer erwarteten von der Versammlung konkrete Details zu der Ansiedlung. "Wer finanziert die Erschließung? Wie sieht es mit Strom und Abwasser aus? Was hat die Gemeinde davon? Geht die Gewerbesteuer in die Gemeinde?", fragte Valentin Fell.

Chronologie des Projekts

Die Erschließung werde wahrscheinlich auf den Investor umgelegt, die Gewerbesteuer sollte in der Gemeinde bleiben, erklärte Kickuth. Doch wurde er nicht konkret. Er verwies stattdessen auf den formellen Gang: Die Anfragen aus der Bürgerversammlung würden in der vorgegebenen Frist im Gemeinderat behandelt.

Zumindest erläuterte der Bürgermeister die Chronologie der Ereignisse: Demnach hatte der Investor sich am 24. September des vergangenen Jahres zum ersten Mal bei der Gemeinde gemeldet. Am 29. September informierte der Bürgermeister den Gemeinderat. Kickuth verlas auch den mit 12:0 Stimmen gefassten Beschluss, wonach der Gemeinderat das Vorhaben befürworte und Grundstücksverhandlungen geführt werden sollen. Er habe den Stand dann immer wieder mit dem Gemeinderat besprochen, sagte Kickuth.

Dies alles geschah zunächst nicht-öffentlich - auch wenn es offenbar im Gemeinderat Anträge gab, das Projekt offen zu diskutieren, die sich allerdings nicht durchsetzen konnten. Die Geheimhaltung bis Montag der vergangenen Woche ist einer der Kritikpunkte der Langendorfer. Kickuth verteidigte das Vorgehen: "Gewisse Vorgespräche bedürfen der Geheimhaltung."

Auch wenn in der Bürgerversammlung viele Fragen unbeantwortet blieben, machten die Langendorfer ihre Ablehnung des Projekts umso vehementer deutlich. "Ich sehe keinen Bedarf für eine Tankstelle und einen Lebensmittelmarkt", sagte Günther Vierheilig. Er zählte die Märkte und Tankmöglichkeiten in der Umgebung auf, insbesondere in Hammelburg und Euerdorf. Vierheilig meinte: "Ich sehe das Projekt letztlich nur als Türöffner für Lkw."

Zwar hat der Gemeinderat einen Autohof sowie Lkw-Stellplätze ausgeschlossen, doch viele Langendorfer befürchten, dass sich das Gewerbegebiet dennoch in dies Richtung entwickelt. "Es ist optimal, um Leute von der Autobahn herunterzuholen. Das gibt eine wundervolle Rastanlage", meinte Ralf Karner.

Angst vor noch mehr Lärm

Schon jetzt fühlen sich einige Bewohner des Ortes durch Lärm geplagt - zum Beispiel Silvia Brimer, die am Ortseingang wohnt und den Verkehr Richtung Westheim mitbekommt. Sie berichtete außerdem von wild parkenden Lkw vor dem Haus. Der Markt und die Tankstelle würden Lastwagenfahrer noch mehr dazu verleiten, von der Autobahn abzubiegen und an beliebigen Stellen Halt einzulegen.

Befürworter der Ansiedlung meldeten sich keine zu Wort. Lediglich Altbürgermeister Otmar Pfister warnte davor, "von vornherein alles kaputt zu machen". Er empfahl den Verlauf des formellen Verfahrens abzuwarten.
Auf den weiteren Gang des Verfahrens verwies auch Kickuth immer wieder: "Nach den Bürgerversammlungen werden wir uns im Gemeinderat Gedanken machen, wie es weiter geht." Trotz Aufforderungen aus der Runde bezog der Bürgermeister keine ausdrückliche Position für das Projekt.

Von den Gemeinderäten äußerte sich nur Bernhard Büttner (CSU). Er forderte auf, die Polemik zurückzustellen. Die weiteren Beratungen würden zeigen, ob man das Projekt machen könne. Ansonsten versuchte Büttner die Diskussion auf ein neues Thema zu lenken: die teure Sanierung der Schule in Langendorf.