Eigentlich stand der Kreis-Etat 2021 in der Bürgermeister-Dienstbesprechung zur Diskussion. Doch dann drehte sich alles um Corona. Denn nicht nur die Landkreisbürger versuchen derzeit täglich neu, all die Infos zu wechselnden Inzidenzwerten, Schnelltests und laufendem Impfprozess einzuordnen. Auch die Bürgermeister und Geschäftsleiter haben, wie sich in der Online-Konferenz zeigte, drängende Fragen, zum Beispiel zum Präsenzunterricht in Schulen, zu künftigen Öffnungsszenarien der Außengastronomie und zu kulturellen Veranstaltungen.

Beispiel Oberleichtersbach: Dort wurden die Klassenzimmer der Grundschule nun zwar mit Plexiglas-Trennwänden und Luftfilteranlagen ausgestattet, sagte der Bad Brückenauer VG-Geschäftsleiter Alois Dorn. Jetzt dürfe man aber trotzdem noch keinen Präsenzunterricht halten. Bei Inzidenzwerten zwischen 50 und 100 müsse man sich nun mal an die Vorgaben des Freistaats halten, antwortete Landrat Thomas Bold.

Noch keine Schnelltests da

Schnelltests könnten in Schulen bald Abhilfe schaffen, so Bold weiter. Sie stünden jedoch noch nicht zur Verfügung und man wisse noch nicht, wie es mit den Testungen in Schulen ablaufen wird. Deshalb sei es wichtig, überall die Voraussetzungen für Distanzunterricht zu schaffen. Bold: "Und wir müssen impfen, impfen, impfen."

Oberbürgermeister Dirk Vogel (Bad Kissingen) treibt derzeit um, ob und wie es in diesem Jahr zum einen mit dem Rakoczyfest, zum anderen mit dem Kissinger Sommer weitergeht. "Das sind für mich die großen Fragen." Auch die Betreiber von Hotels und Gaststätten wollten nun wissen, was kommt. Denn schließlich handle es sich um große Events, für die ein gewisser Planungsvorlauf notwendig ist, so der OB weiter. "Wir brauchen einen rechtlich definierten Zeitpunkt, sonst können wir diese Veranstaltungen nicht durchführen."

Hätte man solche amtlichen Vorgaben, könnte man im Vorfeld der beiden städtischen Highlights rechtzeitig bestimmte Zugangsregelungen für die Gäste ausarbeiten, sagte Vogel und brachte die angekündigten Schnelltests ins Gespräch, die man vor den Großereignissen durchführen könnte. Die Frage war für ihn dabei offenbar, ob man das bei großem Besucherandrang personell stemmen könnte, denn er wollte wissen, ob die Stadt diesbezüglich mit Unterstützung vom Landratsamt und vom Freistaat rechnen könne. Auch die Luca-App sei für ihn eine Option, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. "Das muss aber das Gesundheitsamt bestimmen."

Nach den Vorgaben des Freistaats dürfen ab 22. März, bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 die Außengastronomie sowie Theater, Kinos und Konzertsäle öffnen, sofern die Besucher tagesaktuelle Schnell-/Selbsttests vorweisen können. Bold empfahl Veranstaltern, ein System zu entwickeln, wo Gäste vor den Events getestet werden.

Das Schlosstheater Maßbach will die Besucher vor den Freilichtaufführungen selbst testen, führte Bold als Beispiel an. Ähnlich könnten auch Städte und Kurverwaltungen verfahren, regte der Landrat an.

Dabei sind für Bold ungelösten Fragen: Wer macht die Schnelltests und bestätigt sie schriftlich? Und wie verfährt man, wenn tausende von Menschen zu einer Veranstaltung kommen? Selbst wenn es ein zentrales Testzentrum gäbe, wäre dies an einem sonnigen Sonntagmorgen, wenn alle in die Biergärten und Freiluftrestaurants strömen, mit dem Andrang von Menschen völlig überfordert, sagte Bold.

Ohne die Beteiligung der Gastronomie an den Testungen sei so ein Sonntag nicht zu bewältigen. Er könne sich auch vorstellen, dass beispielsweise die Staatsbad Bad Kissingen GmbH zu Veranstaltungen im Foyer des Regentenbaus eine Teststelle anbietet. Auch den Einsatz der Luca-App hält Bold für sinnvoll, sobald entsprechende Schnittstellen da sind. "Wir müssen alles tun, damit Kultur wieder stattfindet."

Was Veranstaltungen in Hammelburg angeht, habe man überlegt, dass die Stadt bei den Testungen mit in die Koordination geht, sagte Bürgermeister Armin Warmuth, denn die Apotheken könnten dies alleine nicht leisten, wenn die Veranstaltungssaison losgeht. Nach Bolds Ansicht ergibt es durchaus Sinn, sich vor Ort Gedanken zu machen, wie und wo die Schnelltests stattfinden können. Zudem kündigte der Landrat an, dass der Landkreis voraussichtlich ab dieser Woche auch ein Schnelltest-Zentrum anbieten will. Isolde Krapf