Wie die Hammelburger Polizei am Wochenende mitteilte, wurden bereits in der Nacht von Christi Himmelfahrt zum Freitag die Maibäume in Oberthulba sowie den Gemeindeteilen Frankenbrunn, Hetzlos, Thulba und Schlimpfhof per Kettensäge gefällt. Tags darauf fielen die Bäume in Heiligkreuz und Völkersleier und auch die Krone der Dorflinde in Schwärzelbach war plötzlich ab (alle Gemeinde Wartmannsroth).

Der frühere Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Werner Beck, kann über all das kein bisschen lachen. Denn er hatte die Winterlinde am Schwärzelbacher Dorfplatz vor rund zehn Jahren eingepflanzt. "Ein Maibaum ist ja etwas ganz anderes, der wird einfach in ein Loch gesteckt. Die Linde war ein gewachsener Baum und ein Ortssymbol", schimpft er. Und überhaupt fälle man einen Maibaum im Rahmen des Brauchs in der Nacht zum 1. Mai oder kurz danach und nicht mitten im Monat. "Das ist ja an den Haaren herbeigezogen."

Wie geriet die Linde überhaupt ins Visier der Sägewütigen? Aufgrund der Corona-Pandemie hatte es in Schwärzelbach keine Maibaum-Aufstellung gegeben. Die Linde war deshalb von den Mädchen und Jungen des Kindergartens festlich geschmückt worden. Handelt es sich vielleicht um eine Verwechslung? Der Brauch, Maibäume in benachbarten Ortschaften umzulegen, ist bei vielen Bürgern vermutlich ohnehin umstritten.

Laut Hammelburger Polizei handelt es sich dabei ganz einfach um Sachbeschädigung. Bedenken muss man zudem, dass die Bäume in Corona-Zeiten während geltender Ausgangsbeschränkungen gefällt wurden. "Das ist schon sehr ärgerlich", sagt Beck. Der Schwärzelbacher vertraut auf die dörfliche Aufmerksamkeit: "Ich hoffe sehr, dass die erwischt werden." In Schwärzelbach war kurz vor 23 Uhr eine Motorsäge gehört worden. "Brauchtum ist das eine, aber insbesondere mit Blick auf die Linde ist das eine ganz klassische Sachbeschädigung", meint auch Wartmannsroths Bürgermeister Florian Atzmüller. Gerade weil Kinder die Linde mit großem Eifer schmückten, sei der Ärger im Ort natürlich groß.

Oberthulbas Bürgermeister Mario Götz hat Verständnis für die Verärgerung in der Nachbargemeinde. "Das ist nochmal etwas ganz anderes als einen Maibaum zu legen", sagt er. Er selbst habe am Freitagmorgen vom ersten Vorfall in seiner Gemeinde gehört und, nachdem die Meldungen sich gehäuft hatten, gehandelt: "Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet und wollen damit den Unmut der Leute zum Ausdruck bringen. Das Ganze ist schon sehr dreist."

Brauchtum an sich sei für Oberthulba wichtig, so der Bürgermeister. "Es kommt bei uns schon immer wieder vor, dass Maibäume vor dem 1. Mai umgelegt werden, wenn die Baumwache nicht aufgepasst hat. Da würde man noch ein Stück weit schmunzeln. Aber das war ja schon organisiert und hat nichts mehr mit einem Streich oder gar Brauchtum zu tun."

Während in der Gemeinde Oberthulba die Bäume weitestgehend wieder stehen und auch die Maibäume in Heiligkreuz und Völkersleier aufgerichtet worden sind, war es für die Schwärzelbacher eine größere Aktion, eine neue Dorflinde zu pflanzen. "Der Bauhof hat direkt reagiert und den Stumpf ausgegraben. Und die Jagdpächter, die Familie Scholz, haben einen neuen Baum gespendet und gleich eingepflanzt. Wir wissen uns schon zu helfen", sagt Bürgermeister Atzmüller.

Ortsbildprägend

An gleicher Stelle hatte früher schonmal eine weit über 100 Jahre alte Linde gestanden. Der Baum habe das Ortsbild stets geprägt und soll das wieder tun. Bis dahin hofft Atzmüller auf einen versöhnlichen Ausgang der Geschichte: "Der oder diejenigen sollten etwas an den Kindergarten spenden und damit ist die Sache durch. Das ist zumindest meine Wunschvorstellung. Ob das eintritt, ist natürlich die andere Frage."

War es nun ein Einzelner oder eine Gruppe? Und was war Motivation für das Ganze? Da kann bisher auch die Polizei nur Vermutungen anstellen und hofft auf Mithilfe aus der Bevölkerung. Hinweise nehmen die Hammelburger Ordnungshüter unter Tel.: 09732/ 90 60 entgegen. Was die gefällte Linde für die Schwärzelbacher bedeutet, macht der Vergleich eines Wartmannsrothers deutlich: "Die Dorflinde ist für die Schwärzelbacher wie der Rathausbalkon für München."Simon Snaschel