Seit 14 Jahren gibt es "Weihnachten im Schloss", organisiert von der Weihnachtsmarktgruppe des Altstadtvereins. Seit sieben Jahren ist der Markt mit 40 Ausstellern am ersten Adventswochenende um eine Attraktion reicher, die Kindern glänzende Augen verleiht: Das Himmelspostamt im Turm. Dort wartet das Mürschter Engelchen - in diesem Jahr Emmelie Schmitt - als Helfer des Christkinds und nimmt die Wunschzettel der Kleinen entgegen, lässt sich ihre Träume erzählen.


Antwort kommt per Post

Selbstverständlich versanden die Wünsche nicht einfach, darauf legt Christine Schikora, deren Idee das Himmelspostamt war, großen Wert: "Wir treffen uns immer nach dem Weihnachtsmarkt als Helferinnen und Helfer des Christkinds und schreiben den Kindern eine Postkarte und auch den Eltern einen Brief", so Schikora. 73 Wunschzettel gab es für das Helferteam mit Magda Michel, Carmen Schlott, Christine Schikora sowie Franziska und Petra Wilz in diesem Jahr zu beantworten, da gehen schnell drei Stunden am Abend ins Land. Und es ist detektivischer Spürsinn gefragt: Der Weihnachtsmarkt zieht jedes Jahr rund 4000 Besucher an, viele davon aus der weiteren Umgebung.

So war auch eine Familie aus Langenleiten mit ihren beiden Kindern da, allerdings schrieben die beiden auf ihre Wunschzettel nur die Adresse, vergaßen aber den eigenen Namen. Also nachschauen im Telefonbuch, ob man jemanden in der gleichen Straße nur ein paar Häuser entfernt findet.

Anruf am Abend, zum Glück ist der Unbekannte amüsiert ob der ungewöhnlichen Anfrage, als Helfer des Christkinds zu fungieren. Und er löst das Problem prompt, nur eine Viertel Stunde später der Rückruf aus Langenleiten, Vor- und Nachname, die Himmelspost ist gerettet.


Immer höflich

Die Kinderwünsche sorgen bei den Helferinnen jedes Mal für Schmunzeln. Vor Jahren schrieb ein Knirps auf ein DIN-A4-Blatt, er wünsche sich eine Schildkröte, darunter eine kleine Zeichnung. Es war sein einziger Wunsch, erst in der zweiten Hälfte des Papieres noch ein Zusatz: Bitte! Höflicher Respekt vor dem Christkind ist die Regel, viele umgarnen das Engelchen im Himmelspostamt regelrecht.

Da werden aufwändige Zeichnungen gemacht, gerollt und mit brauner Schleife versehen, Herzchen aufgemalt und es gibt die Versicherung, "ich liebe das Engelchen." Ebenso herzerwärmend der Brief des kleinen Darian: "Liebes Christkind, ich heiße Darian und bin 2,9 Jahre alt und glaube ganz fest an dich."
Ein anderer Knirps bedankte sich ganz herzlich, dass das Christkind ihm immer so viele Geschenke bringe - unterstützt von einer tatsächlich 36 (!) Wünsche umfassenden Liste, in der er vom Golden Retriever bis zum "Mustang Hengst, schwarz steigend" einen ganzen Zoo auflistet. Man darf wohl davon ausgehen, dass es sich um Spielzeugfiguren handelt.

Schön auch der selbst gemalte Hubschrauber, der aussieht wie das FlieWaTüt aus der Puppenkiste und eine sieben Wünsche umfassende Liste von der Cinderella-Barbie bis zum Hoverboard, die so endet: "Das waren meine Wünsche, ich hoffe, sie haben dir gefallen." Ein sehr mädchenhaftes Weihnachten könnte es in einem anderen Münnerstädter Haushalt geben, denn Veronika möchte "einen großen rosa Drachen und ein Himmelbett."

Wie ernst die Kinder das Himmelspostamt nehmen, merkt man an den Briefen, in denen sie ihr Herz ausschütten. "Da fällt es schon schwer, zu antworten und die richtigen Worte zu finden", sagt Petra Wilz.
"Ich wünsche mir ganz viel Harmonie, und dass es der Oma wieder besser geht", lautete einer der Wünsche, ein anderer, ebenso nachdenklich stimmender, dass der Papa wieder einziehen möge. Altruismus gibt es aber auch schon in jungen Jahren: "Ein Knochen für Gretel und Rapunzel, unsere Hunde, und ein Auto für meinen kleinen Bruder." Oliver Schikora