"Die Ernte war miserabel!" Daniel Lambrecht nimmt als Betriebsleiter der Biogasanlage auf Nachfrage dieser Redaktion kein Blatt vor den Mund. Seine Einschätzung untermauert er mit Zahlen, die von der Trockenheit gezeichnet sind. Betrug die Erntemenge laut Lambrecht im "sehr guten Jahr 2021" 18.000 Tonnen, so ist heuer ein Rückgang auf 5100 Tonnen zu verdauen. Auf den Hektar heruntergerechnet bedeutet dies im Schnitt lediglich einen Ertrag von 19 bis 20 Tonnen. Im Vorjahr waren es auf guten Böden bis zu 65 Tonnen. Diesen Rückschlag werde die MR Energie Fuchsstadt GmbH & Co. KG als Betreiber der Anlage mit einem blauen Auge wegstecken können, sagt Betriebsleiter Lambrecht. "Aus dem guten Vorjahr gibt es noch Reserven", verrät er. Deshalb werde die Anlage 2023 voraussichtlich problemlos durchlaufen können. 2017 hatte sie zehnjähriges Bestehen gefeiert. Die Wertschöpfung in der Region ist willkommen. In den vergangenen Jahren verkauften die Landwirte monatlich Biogas im Wert von ungefähr 100.000 Euro an das benachbarte Heizkraftwerk von E.ON.

Gesellschafter ziehen Konsequenzen

Dennoch wollen die 17 Gesellschafter Konsequenzen aus der schlechten Ernte ziehen. Sie planen, ihre Maisanbaufläche 2023 von 240 auf 360 Hektar zu erweitern, um die Ausfälle auszugleichen. Ihrer Philosophie bleiben die Erzeuger mit einer gesamten Ackerfläche von ungefähr 4000 Hektar aber treu. Maximal 15 Prozent dieser Flächen wollen sie für den Energiemais zur Verfügung stellen.

Wegen der geringen Maismenge ging das Häckseln und Abliefern heuer in zweieinhalb Tagen über die Bühne. Am Dienstag war schon Schluss für dieses Jahr. 350 Fuhren Mais zu je etwa zehn bis 15 Tonnen transportierten die Landwirte mit ihren Traktorgespannen aus dem Einzugsgebiet zwischen Eußenheim und Völkersleier auf den Lagerberg.

Zwischen zehn Minuten und einer Dreiviertelstunde waren sie dafür unterwegs. Jetzt ist die Mais-Einlagerung abgeschlossen, aber die nächste Herausforderung ist schon da, um den Betrieb der Anlage rentabel zu gestalten.

"Wir bräuchten eigentlich 50 Prozent mehr", sagt Lambrecht zu laufenden Verhandlungen mit E.ON darüber, wie teuer die GmbH das Gas aus ihren Gärbehältern verkauft. Alles sei teurer geworden, von den Kraftstoffen über Maschinen und Betriebsmittel bis hin zum Dünger. Ein Trost ist, dass die Reststoffe aus der Maisvergärung selbst als Dünger dienen. Der muss nicht zugekauft werden.

Selbst profitieren die Erzeuger von den explodierenden Gaspreisen am Markt bislang noch nicht. Im Gegenteil: "Die Biogasanlage ist in diesem Jahr ein schlechtes Geschäft", so Lambrecht mit Blick auf die bestehenden Lieferverträge. Von der Gasumlage würden nur die Konzerne profitieren, moniert er.

Was bringt die Anlage für Energiewende?

Die Biogasanlage des Maschinenringes liefert mit einem angeschlossenen Blockheizkraftwerk als Ergänzung zu den erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerken von E.ON im Lager Hammelburg zu einem Drittel Strom (700 KW) und zirka zwei Drittel Wärme (1200 KW). Diese Wärme stellt im Sommer die Wärmeversorgung für bis zu 3000 Soldaten komplett sicher, im Winter allerdings nur zu zehn Prozent.

Wie geht es mit der Biogasanlage weiter? Zu etlichen Unwägbarkeiten zählt für die beteiligten Landwirte, welche Zukunft die Biogasanlage nach 2027 hat. Bis dahin kann die Anlage nach dem Energieeinspeisegesetz sicher weiterbetrieben werden. Neu ist aber, dass die Energieerzeugung mittels Maisanbau mehr denn je in Konkurrenz zu der knapper werdenden Weizenproduktion steht, gibt Lambrecht zu bedenken.

Die Biogasanlage sollte 2007 ein Beitrag zur Energiewende sein, als das Thema längst noch nicht in den Köpfen aller angekommen war. Außerdem war es ein weiteres Standbein für die beteiligten Bauern, da der Weizenpreis gleichauf mit dem Preis von Mais bei um die zehn Euro lag. Inzwischen liege der Preis für den Weizen durch die Verknappung auf den Weltmärkten bei 30 Euro. Irgendwann müsse man sich fragen, ob die Anbauflächen für den Mais nicht verschwendet sind, wenn anderswo Menschen hungern, so Lambrecht. Deswegen gebe es Überlegungen, die Anlage so zu modifizieren, dass dort künftig Biomasse von Straßengräben und Böschungen, Stilllegungen oder aus Holzteilen vergärt wird. Für diesen Prozess bräuchte es aber einen Umbau der Anlage und Zusatzstoffe, von denen gerade unklar ist, ob die Industrie bei dem befürchteten Gasmangel überhaupt produzieren könne. "Wir sind für die Zukunft offen", blickt Lambrecht voraus. Neben der schlechten Ernte 2022 sieht Lambrecht jedoch ein gravierenderes Problem: unklare Rahmendaten aus der Politik. So sei jetzt noch unsicher, was im Fruchtfolgeprogramm 2023 gefördert und gewünscht wird. Dabei müsste längst die Aussaat vorbereitet werden. Sorge bereite ihm auch, dass mit der von der Bundesregierung geforderten Umstellung auf biologischen Anbau ein Ertragsrückgang auf 40 Prozent der bisherigen Mengen zu erwarten sein wird.

Den Bau der Biogasanlage bereuen die Landwirte jedenfalls nicht. Zumal das Projekt neben der Energiewende die Kollegialität und den Zusammenhalt der beteiligten Landwirte vorangebracht hat, so Lambrecht. Wolfgang Dünnebier