Eigentlich sollte nach der geplanten Öffnungsstrategie des Freistaates die Außengastronomie ab 22. März ihre Pforten wieder öffnen dürfen - unter einem Inzidenzwert von 50 ohne vorherige Anmeldung der Gäste, bei einer Inzidenz zwischen 50 bis 100 mit vorheriger Anmeldung, Kontaktdatenerhebung und einem negativen Coronatest. Gestern lag der Inzidenzwert im Landkreis laut Gesundheitsamt bei 91,1, am Freitag waren es 89,1.

Viele Bad Kissinger sahen schon mit Freude dem ersten Kaffee, dem ersten Schoppen oder dem ersten kühlen Bier im Biergarten entgegen. Allerdings wird daraus nichts. Denn: Auf Nachfrage dieser Redaktion heißt es aus dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege zur Entwicklung der Infektionslage: "Aufgrund des landesweiten besorgniserregenden Anstiegs der Infektionen bayernweit" sei nicht mehr von einer stabilen Lage im Sinne des Paragrafen 27 der aktuell geltenden bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung auszugehen.

Beratungen am Montag

"Es ist zu erwarten, dass die 7-Tage-Inzidenz in Bayern in den nächsten Tagen die 100 übersteigt", teilte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag mit. Bis auf Weiteres werde also das Einvernehmen zu Öffnungsschritten nicht erteilt. "Es sind zunächst die Beratungen der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und -chefs der Länder am Montag, 22. März, abzuwarten."

Konkret heißt das: Bevor am heutigen Montag nicht über eventuelle Öffnungsschritte beraten worden ist, passiert erst einmal gar nichts. "Es ist eine Katastrophe", sagt Heinz Stempfle (Bad Kissingen), der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. Einige seiner Gastronomie-Kollegen hatten sich schon auf eine Öffnung vorbereitet.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Für die Hotellerie sieht der Geschäftsführer des Westpark-Hotels bis über Ostern hinaus kein Licht am Ende des Tunnels. "Buchungen hätten wir", beschreibt Stempfle seine Verluste. "Die Leute wollen ja auch mal raus", untermauert er den verbreiteten Wunsch nach Öffnungen.

An den Kuranlagen haben Wirte in freudiger Erwartung auf kommenden Montag schon Sitzgarnituren ins Freie gestellt. "Wir haben zu hundert Prozent mit der Öffnung im Außenbereich gerechnet", berichtet beispielsweise Wirt Vito Parrillio vom Restaurant Da Vito auf Nachfrage dieser Redaktion. Doch langsam keimten auch bei ihm Zweifel auf. Das letzte Fünkchen Hoffnung erlosch am Freitagnachmittag nach Stunden der Unsicherheit.

Dabei hatte eine Fachfirma bereits am Donnerstag im Freien Sitzgarnituren für 80 Gäste unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen aufgestellt. Diese Stühle bleiben nun vorerst unbenutzt.

Was schwerer wiegt: Kurzfristig musste Parrillio dem Personal absagen, das am Wochenende zusätzlich aus Italien anreisen sollte. Zumal es für Neueinstellungen kein Kurzarbeitergeld gibt.

So bleibt der Saisonstart dramatisch hinter gewöhnlichen Jahren zurück. Ohne Pandemie bietet das Da Vito mit 15 Bediensteten 170 Sitzplätze an der frischen Luft.

Wetter auch noch unsicher

Eher bescheiden falle das aktuelle Geschäft mit Speisen zum Mitnehmen aus. Es bringe kaum zehn Prozent des üblichen Umsatzes, rechnet Parrillio vor. Das sei zu wenig, um die laufenden Kosten zu decken, beklagt er. "Langsam sehe ich schwarz", beschreibt er seine Stimmung.

Für andere örtliche Gastronomen wäre die Bewirtung ausschließlich im Freien Ende März sowieso noch keine Option gewesen. Die Witterung sei noch zu unsicher und der Einsatz von Personal und die Materialbestellung zu schwer zu kalkulieren, sagt etwa Christian Hippler von "Schuberts Wein & Wirtschaft" in Bad Kissingen. Deswegen hätte er seinen Innenhof auch bei der sich abzeichnenden Lockerung der Pandemie-Auflagen jetzt nicht geöffnet.

Von den Besprechungen auf politischer Ebene am Montag erhofft sich Jochen Wehner vom Kurgartencafé etwas mehr Klarheit zu den Perspektiven. "Eigentlich wollten wir am 1. April draußen öffnen, um vom Ostergeschäft zu profitieren", beschreibt er seine Strategie. Nun befürchtet er, dass es bis weit in den April hinein bei den aktuellen Beschränkungen bleibt.

Die angepeilte Öffnung könne man ohnehin nur moderat planen. "Es ist möglich, dass uns der Stecker schnell wieder gezogen wird", sagt er mit Blick auf die Entwicklung des Inzidenzwerts. Gerade der Übergang in die neue Saisonunter Berücksichtigung von Corona-Auflagen wäre wichtig für das Kurgartencafé mit seinen 500 Sitzplätzen, davon 120 im Freien.

2020 hatte stark begonnen

Denn im Januar und Februar 2020 habe er für diese Jahreszeit bisher unerreichte Umsatzzahlen erzielt, schwärmt Wehner. Allerdings sei dieser Vorsprung rasch kompensiert worden. Bis zu 45 Beschäftige für das weitläufige Areal umfasst der Mitarbeiterstab des Bad Kissinger Kurgartencafés. Die Weitläufigkeit sei es, die ein To-Go-Angebot verhindere. Wie viele in der Branche baut er nun auf sinkende Inzidenzen und wärmere Tage, um wieder für die Gäste da zu sein.