Der Bundestagswahlkreis 248 Bad Kissingen umfasst heute die Landkreise Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Er ist einer von 299 deutschen, 46 bayerischen und 16 fränkischen Wahlkreisen - und hat sich im Lauf der Jahrzehnte von der Zuteilung der Kommunen her mehrfach verändert. Unter anderem zählte der westliche Teil des heutigen Landkreises Bad Kissingen über Jahrzehnte zum Bundestagswahlkreis Karlstadt. Deshalb taucht eine der bekanntesten Politikerinnen der Region, die Hammelburger CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Probst, auch in der offiziellen Historie des Wahlkreises Bad Kissingen nicht auf. Zur Abstimmung aufgerufen sind im Wahlkreis Bad Kissingen am 26. September rund 214 000 Menschen.

Bisher vier Direktkandidaten

Bei allen Bundestagswahlen seit 1949 erhielten die Direktkandidaten der CSU die Mehrheit der Erststimmen. Seit 2009 vertritt Dorothee Bär aus Ebelsbach (Haßberge) den Wahlkreis Bad Kissingen als Direktkandidatin in Berlin. In den Bundestag zog Bär allerdings bereits 2002 über die Landesliste ein. Erster Mandatsträger im damaligen Bonner Parlament war von 1949 bis 1961 mit Gustav Fuchs ein Landwirt aus Kraisdorf (Gemeinde Pfarrweisach; heutiger Kreis Haßberge), der nach dem Zweiten Weltkrieg an der Wiedergründung des Bayerischen Bauernverbands beteiligt war.

Gleichzeitig mit ihm zog Dr. Maria Probst aus Hammelburg in den ersten Bundestag ein. Die gebürtige Münchnerin und Tochter des Diplomaten Wilhelm Mayer war nach dem Tod ihres Mannes im Zweiten Weltkrieg mit ihren zwei Kindern nach Hammelburg gezogen und arbeitete dort als Lehrerin und Redakteurin. 1946 zog sie bereits für die CSU in den Bayerischen Landtag ein, dem Bundestag gehörte sie von 1949 bis zu ihrem Tod 1967 an. Ihr damaliger Wahlkreis Karlstadt umfasste die ehemaligen Landkreise Bad Neustadt/Saale, Bad Brückenau, Gemünden, Hammelburg, Karlstadt, Lohr, Marktheidenfeld und Alzenau. Vom 9. Dezember 1965 bis zu ihrem Tod war Maria Probst die erste Frau im Amt eines Bundestagsvizepräsidenten. Von 1958 bis 1965 war sie zudem Mitglied des Europaparlaments.

Bei Verkehrsunfall gestorben

Den damaligen Wahlkreis Bad Kissingen vertrat ab 1961 Alex Hösl aus Nordheim/Rhön. Er war gelernter Handwerker (Werkzeugdreher), ab 1948 Bürgermeister von Nordheim und ab 1952 stellvertretender Landrat in den Kreisen Mellrichstadt bzw. Rhön-Grabfeld. Er machte sich von 1965 bis 1972 als Delegierter des Bundestages für die beratende Versammlung des Europarates verdient. Hösl starb 1977 bei einem tragischen Verkehrsunfall.

Auf Hösl folgte von 1980 bis 2009 der Rechtsanwalt Eduard Lintner aus Münnerstadt (Kreis Bad Kissingen). Lintner war bereits 1976 in den Bundestag eingezogen, konnte also bei der Suche nach einem CSU-Kandidaten für die Region seine Erfahrungen aus dem Parlament in die Waagschale werfen. Von 1991 bis 1998 war Lintner Parlamentarischer Staatssekretär im Bundes-Innenministerium und von 1992 bis 1998 Drogenbeauftragter der Bundesregierung. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag machte er vor allem als Lobbyist und wegen seiner Verstrickung in die Aserbaidschan-Affäre negative Schlagzeilen.

Die aktuelle Inhaberin des Direktmandats Dorothee Bär ist Diplom-Politologin. Sie zog bereits im Jahr 2002 unter ihrem Mädchennamen Dorothee Mantel über die bayerische Landesliste der CSU erstmals in den Bundestag ein. Dabei profitierte sie vor allem von der Kanzler-Kandidatur Edmund Stoibers: Die CSU legte um elf Mandate zu, neben den 43 Direktkandidaten zogen noch 15 Abgeordnete über die Liste ein. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2017 kam kein einziger CSU-Bewerber über die Landesliste in den Bundestag, weil die CSU so wenige Zweitstimmen hatte, dass die Direktmandate bereits mehr Sitze einnahmen, als der CSU eigentlich zustanden. Deshalb gab es sieben Überhang- und in der Folge acht Ausgleichsmandate für Bayern, was dazu beitrug, dass der aktuelle Bundestag auf 709 Abgeordnete aufgebläht ist.

Bei der Bundestagswahl 2005 gelang Dorothee Bär trotz eines als sicher geltenden achten Listenplatzes aufgrund des schlechten Zweitstimmergebnisses der CSU zunächst nicht der Wiedereinzug in den Bundestag. Am 23. November 2005 rückte sie jedoch für den ausgeschiedenen Abgeordneten Günther Beckstein in den Bundestag nach. 2009 wurde Dorothee Bär dann erstmals als Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Bad Kissingen in den Deutschen Bundestag gewählt. 2013 wurde Bär Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, 2018 Digital-Staatsministerin im Bundeskanzleramt. Anfang September hat CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet sie in sein achtköpfiges Wahlkampf-"Zukunftsteam" aufgenommen.

Seit 1949 hat sich der Zuschnitt des Wahlkreises mehrfach verändert. Ursprünglich als Wahlkreis 37 Bad Kissingen geführt, trug Bad Kissingen von 1953 bis 1961 die Nummer 232. Damals umfasste er Stadt und Landkreis Bad Kissingen sowie die einstigen Kreise Ebern, Haßfurt, Hofheim, Königshofen und Mellrichstadt. Als 1965 der Landkreis Bad Neustadt/Saale hinzukam, wurde der Wahlkreis als Nummer 234 geführt; später erhielt er - inzwischen deckungsgleich mit den neuen Groß-Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge - zeitweise die Nummer 249. Die Bezeichnung "Wahlkreis 248 Bad Kissingen" ist seit 2009 amtlich. Heute umfasst der Wahlkreis eine Fläche von mehr als 3114 Quadratkilometern und 89 Städte, Märkte und Gemeinden.

Die elf Direktkandidaten

Folgende Direktkandidaten treten am 26. September im Wahlkreis Bad Kissingen an: Dorothee Bär (MdB, Staatsministerin; CSU) aus Ebelsbach, Sabine Dittmar (MdB, Ärztin; SPD) aus Maßbach, Dr. Manuela Rottmann (MdB, Juristin; Bündnis 90/Die Grünen) aus Hammelburg, Karl Graf von Stauffenberg (Eventmanager; FDP) aus Höchheim, Claus Scheeres (Notfallsanitäter; Die Linke) aus Münnerstadt, Frank Helmerich (Gymnasiallehrer; Freie Wähler) aus Bad Königshofen, Michaela Reinhard (Gymnasiallehrerin; ÖDP) aus Bad Kissingen, Freia Lippold-Eggen (Betriebswirtin i.R.; AfD) aus Bad Kissingen, Sonja Johannes (Ergotherapeutin; Die Partei) aus Münnerstadt, Marco Garnache (Elektrotechniker; Die Basis) aus Maroldsweisach und Michael Kaiser (technischer Assistent für Informatik; Freiheit jetzt!) aus Rauhenebrach. Mit elf Direktkandidaten liegt der Wahlkreis im bundesdeutschen Schnitt. Bundesweit bewerben sich laut Bundeswahlleiter Georg Thiel 3360 (2017: 2558) Personen um eines der 299 Direktmandate, darunter 960 Frauen. Das sind 29 Prozent (2017: 640 beziehungsweise 25 Prozent Frauen).

So ging's 2017 aus

Bei den Wahlen 2017 kam die CSU im Wahlkreis auf 44,6 Prozent der Zweitstimmen, die SPD auf 15,8, die AfD auf 11,6; die FDP landete bei 8,9 und die Grünen bei 6,7 Prozent. Dorothee Bär setzte sich mit 51,1 Prozent der Erststimmen durch vor Sabine Dittmar (SPD) mit 19,1 und Manuela Rottmann (Grüne) mit 7,1 Prozent. Dittmar und Rottmann zogen über die jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien in den Bundestag ein, so dass der Wahlkreis aktuell durch drei Frauen vertreten wird.

Bei Manuela Rottmann, die für die kommende Wahl auf Platz 5 der Grünen-Landesliste steht, ist der Wiedereinzug in den Bundestag so gut wie sicher. Sabine Dittmar dagegen muss auf Platz 14 der bayerischen SPD-Landesliste zittern: Bayern stellt aktuell 108 Bundestagsabgeordnete, abhängig von der Größe des Bundestages bräuchte die SPD also rund 13 Prozent, damit Dittmar im Bundestag bleiben kann. Falls die SPD zusätzlich Direktmandate in Bayern holen sollte, wird es allerdings komplizierter.