Die wochenlange Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag für die Staatsbad Philharmonie in Bad Kissingen hat am Freitagmittag eine plötzliche Wende genommen. Acht Orchestermitglieder - "die absolute Mehrheit" - erklärten den ausgerufenen Streik bei Konzerten in einer Mitteilung völlig überraschend für beendet.

In einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung bitten diese Musikerinnen und Musiker die Geschäftsführerin der Staatsbad Philharmonie, Kurdirektorin Sylvie Thormann, um Entschuldigung für die entstandenen "Unannehmlichkeiten". Besonders "schäme" man sich für die Missachtung der Etikette durch Orchesterleiter Burghard Tölke beim Festakt nach der Welterbe-Verleihung, heißt es.

"Auf Anweisung des Dirigenten"

Die Mitglieder des Orchesters hätten nach Anweisung ihres Dirigenten gehandelt. Bei dem Festakt war Tölke mit Streikweste aufgetreten. Bei kleineren Protestaktionen, also "kreativen Spielpausen", während der folgenden Konzerte sah man in den vergangenen Wochen dann auch einzelne Musikerinnen und Musiker in Streikwesten.

Geht es nach den Instrumentalisten der Staatsbad Philharmonie, herrscht jetzt wieder eitel Sonnenschein. Oberbürgermeister Dirk Vogel und Kurdirektorin Sylvie Thormann hätten kompetent und anschaulich ein Angebotspaket gemacht, "mit dem die Staatsbad Philharmonie wunderbar arbeiten und leben kann", heißt es in der öffentlichen Erklärung.

Als Begründung für ihr Einlenken geben die Musiker auch an, dass die während der seit Ende Juli schwelenden Auseinandersetzung entlassene Querflötistin Hazar Birkan und Klarinettist Federico Kurtz de Grinó wieder eingestellt würden.

Die Staatsbad GmbH und die Stadt Bad Kissingen als Arbeitgeber wollten am Freitag zunächst zum Schreiben der Musiker keine Stellungnahme abgeben. Pressesprecher Thomas Hack ließ nur wissen, dass die Veröffentlichung mit der Stadt abgestimmt sei. Voraussichtlich kommende Woche soll es mehr Informationen zur Zukunft der Philharmonie geben.

Fast unkommentiert ließ Hack am Freitag den offensichtlichen Vertrauensentzug der Musiker gegenüber ihrem Dirigenten. Nur so viel wollte er sagen: "Aus der Erklärung lässt sich einiges lesen."

Gewerkschaft DOV außen vor

Bedauern äußerte auf Nachfrage die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) über die Entwicklung. Sie war bei den jüngsten Weichenstellungen offenbar außen vor. Die Gewerkschaft hatte sich demonstrativ hinter die ursprünglichen Forderungen nach einem Tarifvertrag gestellt. Dazu hatte sie vor drei Wochen einen Solidaritätsauftritt mit renommierten Orchestermusikern aus ganz Deutschland auf dem Bad Kissinger Rathausplatz auf die Beine gestellt. Außerdem gab es viele Solidaritätsschreiben, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Vor Ort hätten aber Kräfte gewirkt, die die gemeinsame Strategie und Zielsetzung nicht zur Verwirklichung brachte, bilanzierte die Arbeitnehmervertretung am Freitag: "Eine Gewerkschaft ist immer nur so stark wie ihre Basis", sagte DOV-Pressesprecherin Uli Müller aus Berlin. Dirigent Burghard Tölke war am Nachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Wolfgang Dünnebier