Richtig Wallung herrschte in den Saalewiesen am Bleichrasen. Marcus Beran und seine Helfer werkelten am Stadtstrand. Bewirtet wird dort seit Donnerstag zunächst nur zur Mitnahme. Wenn es nach einer eventuellen Lockerung der Hygieneregeln dann richtig losgeht, sollen auf dem Gelände bis zu 600 Plätze zu Verfügung stehen. Das Projekt wächst im Vergleich zum Vorjahr. Statt 40 Tonnen werden in diesem Jahr 80 Tonnen Sand aufgefahren. Von 50 auf 100 soll die Zahl der Liegestühle aufgestockt werden.

Außerdem baute Beran mit seinem Team zwölf massive Tische auf, an denen bis zu 100 Menschen Platz finden. Zur Sandfläche stehen nun 200 Quadratmeter auf einer Holzterrasse zur Verfügung. "Wir wollen alle Alterschichten ansprechen". Auch Senioren oder Rollstuhlfahrer, die mit dem Sand nicht so viel anfangen anfangen können, sollen sich wohlfühlen. Deswegen wird es Bierbänke mit Rückenlehnen geben.

Insgesamt teilt sich das gut 1000 Quadratmeter große Gelände in zwei Zonen auf: in einen öffentlichen Bereich und einen Abschnitt, der für Veranstaltungen gemietet werden kann. Dabei hat Beran Firmenveranstaltungen und andere Events im Blick, die in geschlossenen Räumen corona-bedingt nicht möglich wären. "Das wollen wir auch überregional bewerben", so der Gastronom. Um die Bewirtung logistisch zu bewältigen, montierte er mit seinem Team und planerischer Unterstützung eines Holzhandels fünf Hütten in modulbauweise, die auch für andere Vorhaben eingesetzt werden können.

Doch bis der Betrieb richtig hochfahren kann, wird es noch eine Weile dauern. Erst bei einer Entspannung der Corona-Lage wird es das volle Programm geben. Der 29-jährige Wirt plant an den Wochenenden in diesem Jahr Konzerte mit Alleinunterhaltern sowie kleinen Gruppen.

"Alle eher leise, um dem Charme des Strandes gerecht zu werden", erklärt er. Auch Kochkurse unter freiem Himmel werden angepeilt, Public Viewing bei der Fußball-EM im Sommer sowie Weinproben und vielleicht sogar eine Weinmesse. Die bisher getroffenen Vorleistungen seien angesichts der unklaren Entwicklung der Pandemie nicht ganz ohne Risiko. Beran dazu: "Wir wollen ein Zeichen der Hoffnung setzen". Man nehme die Lage ernst und leugne nichts.

Achten werde man auf die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes: Demnach sei Grüppchenbildung zu vermeiden und bei Bedarf aufzulösen. Mit der Polizeiinspektion, beinahe in Sichtweite im Roten Schloss, sei diesbezüglich gesprochen worden. Beran ist überzeugt: Bei der gebotenen Freifläche am Saaleufer würden Menschen unter Einhaltung der Abstände ein Plätzchen im Grünen finden.

Gedacht ist zunächst in den Osterferien an die Ausgabe von Speisen und Getränken von 10 bis 20 Uhr. "Wir machen keine Billiggastronomie", erklärt Beran. Nach Möglichkeit würden die Speisen mit regionalen Zutaten zubereitet. Deswegen will Beran zunächst auf den Ausschank von härteren Alkoholika verzichten. Seinen Elan bringt er aus 2020 mit, als sein Stadtstrand in der durch Corona verkürzten Saison Premiere feierte. Das Projekt wuchs Zug um Zug. In der Nachbarschaft zum Wohnmobilstellplatz profitierte es wohl auch davon, dass Auslandsreisen nur eingeschränkt möglich waren. Auf 50:50 schätzt er denn auch die Auslastung durch Einheimische und Touristen.

Vom Wohnmobilstellplatz profitiert er auch in anderer Hinsicht. Seine Gäste können die dortigen Toiletten benutzen. Sie präsentieren sich jetzt innen aufgefrischt. So gut das alles für das touristische Hammelburg klingt: Das Projekt 2021 habe an einem seidenen Faden gehängt, beschreibt Beran seine Anspannung in den vergangenen Wochen. Da sei zunächst das überraschende Ausschreibungsverfahren der Stadt für das Gelände im Herbst 2020 gewesen, obwohl er vorher ja schon in Vorleistung gegangen sei. Von "explodierenden Kosten" spricht er mit dem dann geforderten Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt. Damit sei seit Januar ein Mitarbeiter beschäftigt. Gefragt seien tapetengroße Baupläne mit zentimetergenauen Schnittzeichnungen seiner Hütten und einem Immissionsschutzgutachten. "Das hätte das Vorhaben fast ins Straucheln gebracht", so der Gastronom.

Neben dem Stadtstadtstand startet Beran am 1. April ein zweites Projekt: Die Bewirtung des Biergartens am Café Salinenblick in Bad Kissingen. Auch dort will er ein ähnliches Angebot hochfahren. Wolfgang Dünnebier