Wenn das Handy von Tobias Fritz klingelt, könnte ein Freund der Anrufer sein. Oder seine Mutter. Oder auch das Büro von Michael Piazolo.

Andere Menschen würden beim Namen des bayerischen Kultusministers auf ihrem Smartphone-Display vermutlich kurz zusammenzucken. Für Tobias Fritz, der die 13. Klasse der Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) Bad Neustadt besucht, sind derartige Telefonate dagegen Alltag. Denn der 22-Jährige ist nicht nur Schülersprecher seiner Schule und unterfränkischer Bezirksschülersprecher der FOS/BOS, sondern auch der Landesschülersprecher aller Fach- und Berufsoberschulen in ganz Bayern. Damit fungiert er als Sprachrohr der rund 61.000 bayerischen FOS/BOS'ler und vertritt ihre Interessen auch gegenüber dem bayerischen Landtag und dem Kultusministerium.

Tobias Fritz steht in direktem Kontakt mit Kultusminister Piazolo

"Wir Schüler sind die Basis und der größte Teil der Idee Schule. Deswegen finde ich es wichtig, mich für unsere Rechte einzusetzen und meinen Mitschülern zu helfen", sagt Tobias Fritz. Zugleich betont er aber, dass Schülermitverantwortung (SMV) nur im Team funktionieren und fruchten könne. Denn "im Landesschülerrat, der höchsten und wichtigsten Schülervertretung in Bayern, die viele leider gar nicht kennen, sind wir zu zwölft. Dort sind jeweils ein Sprecher der sechs bayerischen Schularten und ein Stellvertreter Mitglied". Zusätzlich zu seiner Position als Landesschülersprecher hat Tobias Fritz außerdem noch die Position des Pressesprechers des Landeschülerrats inne. Das bringt mit sich, dass er nicht nur Anliegen von Schülern bearbeitet, sondern auch Presseanfragen regionaler und überregionaler Medien, wie etwa des Münchner Merkur oder auch der Süddeutschen Zeitung.

Das klingt nach viel Arbeit, was Fritz, der in Schönderling bei Bad Brückenau lebt, auch bestätigt. "Ja, das kostet schon viel Zeit. Oft sitze ich abends von 22 bis 23 Uhr noch da und beantworte Mails oder bereite mich auf Besprechungen vor. Ich schätze, dass der Zeitaufwand insgesamt bei etwa acht bis zehn Stunden pro Woche liegt".

Regelmäßige Konferenzen stehen auch auf Tobias Fritz' Programm, derzeit vor allem digital. So etwa ein monatliches Meeting mit Staatssekretärin Anna Stolz. Auch mit Kultusminister Piazolo und dem restlichen Landtag um Ministerpräsident Markus Söder steht er bei Besprechungen im direkten Kontakt.

Beim Schulgipfel mit Markus Söder an einem Tisch

"Der Landesschülerrats-Koordinator und ich als Pressesprecher saßen beispielsweise beim Schulgipfel mit Ministerpräsident Markus Söder im vergangenen Februar mit am Tisch. Wir werden dort gehört und dürfen unsere Meinung äußern. Diese vertreten wir gegenüber dem Kultusministerium, der Staatssekretärin und dem Ministerpräsidenten mit Nachdruck. Und ungefiltert", sagt Tobias Fritz selbstbewusst.

Oft werde diese dann auch einbezogen. Der Landesschülerrat konnte so etwa eine Übergangsfrist für einige Schularten erreichen, sodass in der ersten Zeit nach dem Wechsel vom Distanz- in den Präsenzunterricht zunächst keine Leistungsnachweise gefordert wurden. "Manchmal würden wir uns aber auch wünschen, dass unsere Meinung noch mehr berücksichtigt wird. So sehen wir zum Beispiel den in einer Hau-Ruck-Aktion beschlossenen Wechselunterricht sehr kritisch und haben uns vehement dagegen ausgesprochen."

Tobias Fritz, der in seiner doch knapp bemessenen Freizeit gerne mit dem Mountainbike unterwegs ist, macht seine Tätigkeit Spaß, das spürt man, wenn er davon erzählt. Er beschreibt sie als "ziemlich cool, spannend, weitreichend und extrem schön". Man investiere dabei viel und habe viel Verantwortung, bekomme aber auch viel zurück. Gerne möchte er andere Schüler motivieren, sich ebenfalls in der Schülermitverantwortung zu engagieren. Notenmäßig müsse man schon gut stehen, um das Ganze nebenbei machen zu können - seine Fehltage in der Schule seit Beginn der Tätigkeit als Landesschülersprecher beziffert er auf bisher etwa 20 bis 25 - und sich gut selbst organisieren können, gibt er zu. Seine Lehrer und die Schulleitung seien hier außerdem sehr verständnisvoll und stellen Tobias Fritz bei Bedarf für seine Tätigkeit vom Unterricht frei.

Keine Notenjagd und faire Chancen für alle

Als allgemeines Ziel seines Gremiums nennt er die Chance auf einen fairen Abschluss für alle Schüler, trotz Krise, in die sie unverschuldet geraten sind. Eines ist Tobias Fritz dabei wichtig zu betonen. "Wir möchten nichts geschenkt, sondern nur, dass die Schüler geschützt werden und eine Notenjagd ausbleibt. Sie sollen keinen Nachteil haben, auch nicht durch einen auf dem Land vielleicht mancherorts langsamen Internetanschluss, der das Homeschooling erschwert."

Sich für seine Mitschüler zu engagieren ist Tobias Fritz nicht fremd. Bereits in der Realschule war er im erweiterten SMW-Team aktiv, organisierte ein Schulübergreifendes Sportevent mit.

Nach der Mittleren Reife ließ er sich zum IT-Systemkaufmann ausbilden. Nun strebt er nach seinem Fachabitur an der FOS/BOS noch sein allgemeines Abitur an. Der Schulabschluss steht für ihn momentan im Fokus, nach den Pfingstferien soll es nach momentanem Stand losgehen mit den Prüfungen.

Danach soll es beruflich in den Bereich der Medien oder auch der Informatik gehen, genau steht das aber noch nicht fest. "Eins nach dem anderen und strukturiert Prioritäten setzen, das ist wichtig", sagt Tobias Fritz. Dann ist man auch vorbereitet, wenn wieder mal das Büro von Michael Piazolo anruft.

Von Kristina Kunzmann