Während die Corona-Neuinfektionen in Deutschland allmählich wieder ansteigen, sinkt die Zahl derer, die sich täglich impfen lassen. Das ist auch im Landkreis Bad Kissingen so. "Dennoch bemühen wir uns weiter, die Leute zu erreichen, damit sie sich impfen lassen", sagt der Ärztliche Leiter des Bad Kissinger Impfzentrums, Ralph Brath, im Gespräch mit dieser Redaktion. So startete man im August einen Impfbus, um auch Menschen aus dem Landkreis zu erreichen, die einen weiten Weg zum Impfzentrum nach Bad Kissingen haben.

Berechnungen nicht möglich

Während lange Zeit sehr gut mitzuverfolgen war, wie viele Personen im Landkreis nun Erst- und Zweitimpfungen erhalten haben und wie hoch die Impfquote im Landkreis ist, lässt sich der Impffortschritt langsam nicht mehr korrekt in Zahlen abbilden. Denn zum Beispiel wie viele Landkreisbürger inzwischen über ihren Betrieb geimpft wurden, weiß kein Mensch ganz genau, sagt Brath. "Wir haben probiert es zu errechnen, aber das kann man nicht mal schätzen." Dass diese Impfzahlen nicht von Anfang an erfasst und ans Impfzentrum weiter geleitet werden mussten, nennt Brath einen "Fehler im System".

Anders ist es bei den Impfungen, die die Hausärzte im Landkreis vornehmen: Die letzte Meldung hierzu aus dem Landratsamt vom 19. August listete 22 609 Erstimpfungen und 23 286 Zweitimpfungen auf. Im Kreisimpfzentrum Tattersall wurden bis zu diesem Tag 37 689 Erstimpfungen und 35 592 Zweitimpfungen verabreicht.

Unterm Strich waren also bis zu diesem Datum 60 298 Bürgerinnen und Bürger zum ersten Mal geimpft und 58 860 haben bereits den zweiten schützenden Piks in den Oberarm erhalten. Was die Impfquote angeht, waren von 103 235 Einwohnern des Landkreises, laut Landratsamt, etwas mehr als 58 Prozent zum ersten Mal und 57 Prozent zum zweiten Mal geimpft.

Da die Ständige Impfkommission (Stiko) vor einer Woche nun auch für Kinder von zwölf bis 16 Jahren eine offizielle Impfempfehlung herausgab, könnten sich die Impfzahlen in der jüngeren Altersgruppe erhöhen. "Ich frage bei den Teams im Impfzentrum immer wieder nach, wie viele Personen unter 16 sich impfen lassen, aber ich bekomme bislang nur Wasserstandsmeldungen."

Wenn Brath in seiner Arztpraxis oder bei anderen Gelegenheiten von Eltern gefragt wird, was er von der Impfung für Kinder ab zwölf Jahren hält, rate er ihnen stets zur Impfung. Denn die Schulen sollen ja nun offenbleiben. Das hält Brath auch für vordringlich, weil Kinder in der Isolation zu Hause leiden. Das soziale Miteinander im Klassenverband sei für die Entwicklung der Kinder wichtig. Überdies will der Freistaat, laut Brath, für Schulen im kommenden Schuljahr eine Impfangebotsverordnung erlassen. Das bedeutet, dass Schulen aktiv dafür sorgen sollen, dass Kindern in den Schulen ein Impfangebot gemacht wird.

Der Impfbus vor Ort

Um künftig noch mehr Menschen fürs Impfen zu gewinnen, setzt der Landkreis seit 6. August einen Impfbus ein, der in Wildflecken startete. Am Rewe-Markt konnten sich Bürgerinnen und Bürger nachmittags spontan impfen lassen, sagt Brath. Das Angebot sei sehr gut angenommen worden, es kamen rund 60 Impfwillige. Denn der Weg zum Impfzentrum ist nicht von überallher leicht zu nehmen und nicht jeder hat in seiner Gemeinde einen Arzt, bei dem er sich impfen lassen kann, so Brath.Auch der Stopp des Buses am E-Center in Hammelburg sei sehr gut frequentiert worden (74 Personen). Am 13. August beim Fußballspiel in Thulba sei dann aber fast niemand am Impfbus aufgetaucht. Eine Woche später war das Impfmobil am Einkaufsmarkt in Bad Brückenau geparkt und stieß dort auch auf gute Resonanz (mehr als 70 Menschen), sagt Brath. Am 27. August kam der Bus ans Kaufland in Bad Kissingen. "Das ist für uns ein interessanter Termin, weil wir das Impfzentrum vor Ort haben und sehen können, ob solche Termine auch in der Nähe genutzt werden." Am 3. September steht der Bus von 15 bis 20 Uhr am Edeka-Markt in Münnerstadt.

Aber auch im Bad Kissinger Impfzentrum kann man inzwischen ohne Termin vorbeischauen, um sich die Schutzimpfung zu holen. Möglich ist das beispielsweise am am Samstag, 28. August, von 12 bis 17 Uhr und am Sonntag, 29. August, von 9 bis 13 Uhr.

Nach Angaben von Katharina Edelmann, der stellvertretenden Verwaltungsleiterin dort, wird im Tattersall nur noch das Biontech-Vakzin verimpft. Impfdosen wegwerfen musste man hier noch nicht, sagt Edelmann, wenngleich gelegentlich abends mal zwei bis drei Dosen übrig sind, weil man sie tagsüber nicht an den Mann oder die Frau bringen konnte. Das Impfzentrum wird bis 30. September in der jetzigen Form geöffnet bleiben, sagt Brath. Danach soll es in kleinerer Besetzung noch bis Ende April 2022 aufrechterhalten werden, denn schließlich ist ja derzeit bereits von sogenannten Drittimpfungen die Rede. Isolde Krapf