Vorbilder für Frauen, die ihr Leben selbstbestimmt führen und in ihrem Beruf anerkannt sind, gab es im vergangenen Jahrhundert nur wenige. Eine von ihnen wurde am 1. Juli 100 Jahre alt: Hertha Fuchs. Als engagierte Musiklehrerin am vormaligen Schönborn-Gymnasium in Würzburg war sie über mehrere Jahrzehnte Vorbild für Tausende junge Frauen. Und dann war sie auch schon mal Quellenkönigin beim Rakoczyfest in Bad Kissingen.

Geboren in Ludwigshafen am Rhein nahm Fuchs zunächst Gesangsunterricht bei der bekannten Konzert- und Oratorien-Sängerin Henriette Klink-Schneider. Schneider war eine der ersten Professorinnen am Bayerischen Staatskonservatorium der Hochschule für Musik.

Lehrerin an der Schönbornschule

Nach ihrer Gesangsausbildung studierte Hertha Fuchs Musik auf Lehramt. Kurz darauf bot ihr die Gründungsdirektorin der Würzburger Schönbornschule, Dr. Ida Wallner, eine Stelle an: "Nach einem kurzen Gespräch stand fest: 'Wir sind uns sympathisch' und Stadtschulrat Dr. Franz Holzheimer stellte mich zum September 1957 ein", so die Jubilarin.

Zu den Aufgaben der jungen Lehrerin gehörte bald auch die Leitung des Schulchores. "Ich hatte das alljährliche Vergnügen, gemeinsam mit dem seinerzeitigen Direktor Heinz Verholen ein Theaterstück einzustudieren und an der Abiturfeier aufzuführen", erinnert sich die leidenschaftliche Pädagogin. Auch die ehemalige Würzburger Oberbürgermeisterin Pia Beckmann gehörte zu den Schülerinnen von Hertha Fuchs.

Sie trägt das Herz auf der Zunge

Schülerinnen und Schüler, die Hertha Fuchs bis zu ihrem Ausscheiden 1985 im Musikunterricht hatten, erinnern sich vor allem an ihr fröhliches Wesen, an ihre glockenhelle Stimme, an ihr resolutes Auftreten und ihre Schauspielkünste.

Geprägt war Hertha Fuchs sicher auch durch den Vater Karl Fuchs (1881-1972) und den Großvater Theobald Ritter von Fuchs (1852-1943), die beide Bürgermeister von Bad Kissingen waren. Beim Rakoczyfest 1951 wurde Hertha Fuchs dann überraschend zur Quellenkönigin erwählt. Damals lebte sie in Mannheim und war Schauspielerin am dortigen Theater. War damals, im Alter von 30 Jahren, eine solche Rolle überhaupt reizvoll? Sie selbst vermutete, wie sie einmal in eine Interview sagte, dass man sie wohl deshalb wegen dieser Rolle gefragt habe, weil ihr Vater der erste Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg in Bad Kissingen war.

Zudem hatten die Bad Kissinger wohl auch in Erinnerung, dass ihr Großvater zu Bismarcks Zeiten und später insgesamt 35 Jahre lang Bürgermeister der Kurstadt war. Da war Hertha Fuchs sozusagen auch eine berühmte Tochter und Enkelin. Schließlich ließ sich die Künstlerin damals überzeugen, dass sie die ideale Besetzung für die Quellenkönigin ist, wie sie später erzählte.

Hertha Fuchs erinnerte sich seinerzeit, wie sie damals bis spät in die Nacht auf dem Ball des Fürsten Rákóczi tanzte - und dass sie jede Menge Heiratsanträge bekam. Hertha Fuchs blieb Bad Kissingen treu: 2009 traf die Quellenkönigin von 1951 nämlich beim Rakoczyfest die damals aktuelle Quellenkönigin Sabrina Müller bei der Autogrammstunde. Und was macht eine einst beruflich stark engagierte Frau, die seit über 35 Jahren im Ruhestand ist, heute? Sie nutzt die Zeit, um "Freundschaften auszubauen und Reisen zu unternehmen. Daneben alte Herrschaften besuchen und sie aufzuheitern sowie mit Fleiß Sprachen aufzupolieren und Neues mir einzuverleiben". dink