Pünktlich zum verkaufsoffenen Sonntag in Bad Kissingen fallen am 3. April auch in Bayern die meisten Corona-Einschränkungen weg, darunter die Maskenpflicht. Obwohl der Wunsch nach Normalität bei vielen zu spüren ist, wird dieser Schritt aufgrund der hohen Infektionsraten in der Bevölkerung jedoch auch durchaus kritisch gesehen.

Ralf Ludewig führt in Bad Kissingen seit 1994 und in dritter Generation zwei Modehäuser und ist unterfränkischer Bezirksvorsitzender des Handelsverbands Bayern und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Stadtmarketing Pro Bad Kissingen. "Generell begrüßen wir jede Erleichterung", erklärt der 55-Jährige gegenüber der Redaktion. Dennoch tut er sich schwer mit den Lockerungen. "Bei einer Inzidenz von 35 mussten wir schließen und alles kontrollieren und jetzt haben wir das Dreißigfache und lassen alle Maßnahmen fallen", übt er Kritik. Ein großes Problem sieht Ludewig vor allem beim Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Man weiß ja nicht, wer ohne Maske kommt und was derjenige hat", sagt er. Wenn die Mitarbeitenden angesteckt werden und in Quarantäne müssen, wird dies dann zudem noch ein Problem für den Einzelhandel, warnt er: "Im Handel kann man ja kein Homeoffice machen." Schließlich hätten schon andere Branchen in der Pandemie die Erfahrung gemacht, wegen Personalaufalls schließen zu müssen.

Ludewig hat sich auch mit seinen Kolleginnen und Kollegen im unterfränkischen Handelsverband ausgetauscht. "Quer durch alle Branchen wollen fast alle ihre Mitarbeiter dazu anhalten, weiterhin Masken zum Schutz zu tragen", so der 55-Jährige. Zudem wollen viele die Kunden weiterhin auf ein freiwilliges Tragen der Masken hinweisen. "Man kann sie höflich bitten. So lange die Inzidenzwerte so hoch sind, geht es hier um den eigenen Schutz und die Gesundheit von allen." Zwar können Händler auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eine Maskenpflicht für ihren Laden einführen, Ludewig ist jedoch niemand aus der Branche bekannt, der dies vorhat: "Man setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der Kunden." Er ist auf die Entwicklung der Inzidenzwerte in den nächsten 14 Tagen gespannt. "Bisher war der Handel kein Infektionstreiber", sagt er. "Und es ist schön, dass es in Richtung Normalität geht und dazu gehört auch, dass die Masken verschwinden, aber ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, wage ich zu bezweifeln."

Auch im Lebensmittelhandel entfällt ab Montag die Maskenpflicht - wie beim Kupsch in der Kissinger Innenstadt. "Wir werden nicht von unserem Hausrecht Gebrauch machen und etwas vorschreiben", erklärt Gabriele Hartmann, Vertretung der Marktleitung. "Den Kunden bleibt es selbst überlassen, ob sie eine Maske tragen oder nicht."

Stattdessen werde auch im Kupsch auf Freiwilligkeit gesetzt. "Die meisten von unseren Mitarbeitenden werden weiterhin eine Maske tragen", erzählt sie. "Und auch die meisten Kundinnen und Kunden, mit denen ich gesprochen haben, wollen weiterhin die Maske aufsetzen."

Auch in den Schulen

Nicht nur im Einzelhandel, sondern auch an den Schulen entfällt ab Montag die Maskenpflicht. Der Rektor der Anton-Kliegl-Mittelschule in Bad Kissingen, Hans-Jürgen Hanna, hätte sich diese jedoch noch etwas länger gewünscht. "Mir wäre es lieber gewesen, die Maskenpflicht im Unterricht noch bis zu den Osterferien beizubehalten", erklärt er. "Danach hätte die Sonne geschienen, es wäre wärmer gewesen und damit dann auch wieder sicherer."

In der Anton-Kliegl-Mittelschule war die Corona-Lage Mitte der Woche gut, so Hanna: "Bei uns sind 15 Schüler in Quarantäne, wobei nicht alle davon auch infiziert sind. Und bei 450 Schülern ist das ein geringer Anteil." Dies liege, laut dem Rektor, sicherlich aber auch daran, dass sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler Masken tragen. Die Kinder seien laut Hanna bislang sehr gut mit der Maskenpflicht klargekommen, und auch viele Lehrkräfte hätten schon erklärt, dass sie bis zu den Osterferien weiterhin eine Maske tragen würden.

In einem Elternbrief hat der Rektor nun darauf hingewiesen, dass aufgrund der momentan hohen Inzidenzwerte die Schüler und Schülerinnen die Masken weiterhin freiwillig tragen könnten. "Man möchte ja auch nicht in den Osterferien in Quarantäne sein", sagt Hanna.

Und der Schulleiter ist nicht der Einzige, der das freiwillige Tragen der Masken empfiehlt. Auch das bayerische Kultusministerium spricht sich dafür aus, wie es in einem Schreiben vom 30. März an die Schulen heißt: "Bitte beachten Sie, dass wir das Tragen einer Maske in Innenräumen weiterhin allgemein empfehlen. Auch im Unterricht kann somit selbstverständlich freiwillig weiterhin eine Maske getragen werden. Ausdrücklich empfehlen wir das Tragen einer Maske vor allem auf den Begegnungsflächen der Schule (zum Beispiel Gänge, Treppenhäuser, Pausenhalle) sowie nach einem bestätigten Infektionsfall in der Klasse für fünf Schultage auch im Unterricht." Eine Pflicht, beispielsweise nach einem positiven Fall, gibt es nun aber nicht mehr.

Gastronom erfreut

Vor allem die Gastronomie-Branche haben die vergangenen zwei Pandemie-Jahre hart getroffen. Daher überrascht die Reaktion von Matthias Kalcyk, dem Inhaber des Tanzlokals Bierscheune in der Bad Kissinger Schönbornstraße, wenig: "Ich bin glücklich ohne Ende", sagt er. "Endlich gibt es auch keine Einlassbeschränkungen mehr und ich kann wieder ganz normal arbeiten", kommentiert er das Ende der Maßnahmen. Gerade die Lockdowns hätten der Branche sehr geschadet. "Dabei wäre es sinnvoller gewesen, die Gastronomie offen zu halten, wo die Leute registriert wurden. So trafen sich alle im Privaten und die Zahlen stiegen weiter." Auch an die Hilfen zu kommen, sei für ihn schwer gewesen, zeigt er sich im Gespräch mit der Redaktion enttäuscht von der Politik. Nun hofft er, dass sich das Leben so schnell wie möglich wieder normalisiert. "Die Gäste kommen hoffentlich wieder", so Kalcyk. "Ich glaube aber, dass das noch etwas dauert." Er hoffe, dass die Menschen es sich im Privaten nicht zu sehr eingerichtet haben. "Sie müssen sich erst wieder umgewöhnen", ist er überzeugt. Eines hat er jedoch schon festgestellt: "Es geht schon wieder langsam los, aber die Klientel hat sich verändert. Es sind nun mehr Jugendliche, die kommen. Sie haben ja auch viel verpasst und wollen jetzt endlich mal raus!"

Julia Back