Das alte US-Baseball-Spielfeld auf dem einstigen Kasernengelände ist ziemlich abgenutzt. Es wird von Gymnasium und Realschule als Ausweichfläche für Fußballspiele oder auch fürs Training mit dem Mountainbike genutzt. In absehbarer Zeit soll dort nun eine 400-Meter-Rundlaufbahn und ein gepflegtes Rasenspielfeld entstehen, auf denen sich Schülerinnen und Schüler der benachbarten Kreisschulen im regulären Sportunterricht tummeln können.

Zunächst vom Landkreis nur angemietet

Der Baseballplatz ist bereits seit 15 Jahren im Besitz des Landkreises. Das Areal am Nordring liegt in nahezu direkter Nachbarschaft zur "größten Mittelschule, zum größten Gymnasium und zur größten Realschule des Kreises", sagte Landrat Thomas Bold in der Sitzung des Kulturausschusses. Daher biete es sich an, diese Fläche für den Schulsport herzurichten.

Das Projekt wird offenbar hinter den Kulissen bereits seit drei Jahren verhandelt. Immer wieder habe es Gespräche der Kreisverwaltung mit der Regierung von Unterfranken über den Bedarf, die Planung des Sportplatzes und über mögliche Zuschüsse gegeben, sagte Bold. Auch mit der Stadt Bad Kissingen habe man sich über das Vorhaben ausgetauscht.

Recht günstiges Kauf-Angebot

Nach dem Abzug der Amerikaner, Anfang der 1990er Jahre, hatte der Landkreis diesen Sportplatz von der Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben (BIMA) zunächst nur angemietet. 2007 machte die BIMA dem Kreis, nachdem ein Wertgutachten erstellt worden war, schließlich ein recht günstiges Angebot. 203.000 Euro wurden 2007 für den Kauf des Areals in den Kreisetat eingepreist.

Das 2,1 Hektar große Spielfeld war jedoch schon damals nicht mehr als ein besserer Acker und hatte, wie man es seinerzeit im Kreistag formulierte, "für den Schulsport keine Qualität". Bereits 2007 war in diesem Gremium darüber gesprochen worden, das Gelände vielleicht irgendwann mal für den Schulsport herzurichten, damit die Schülerinnen und Schüler nicht, wie bislang üblich, zu ihren Sportstunden in den Hans-Weiß-Sportpark pendeln müssten.

15 Jahre später pendeln die Klassen aber noch immer. Und das kostet Zeit und Geld. Pro Schulstunde dort werden Mietkosten in Höhe von 131 Euro fällig, hieß es im Ausschuss. Für den Transport mit dem Bus müsse man 20 Minuten Fahrt rechnen, so dass von einer Doppelstunde Sport im Hans-Weiß-Sportpark nur noch 50 Minuten übrigbleiben, wurde die ungünstige Situation beschrieben. Kostenpunkt für eine Hin- und Rückfahrt: 55 Euro.

Während die Sportklassen offenbar früher viel öfter per Bus zum Unterricht in die Oskar-von-Miller-Straße pendelten, finden derzeit fast ausschließlich noch Bundesjugendspiele dort statt, hieß es im Ausschuss. Ab Ende April 2022 will die Realschule den Sportplatz im Hans-Weiß-Sportpark jedoch dauerhaft dienstags (vor- und nachmittags) und mittwochs (vormittags) mieten.

Rundlaufbahn und Rasenspielfeld

Neben diesem Sportpark stehen für den Unterricht von Realschule und Gymnasium bislang auch noch begrenzte Freiflächen unter anderem an der Bibrahalle und an der Realschule zur Verfügung, wurde im Ausschuss dargelegt.

Sollten die neuen Pläne des Kreises aufgehen, werden Schülerinnen und Schüler in absehbarer Zeit eine Rundlaufbahn (viermal 1,22 mal 400 Meter ist als Norm vorgeschrieben) und ein ausgedehntes Rasenspielfeld (60 mal 90 Meter) zur Verfügung haben. Geplant sind auch Betriebsräume (Umkleiden), nach tatsächlicher Nutzung der Sportklassen.

2,75 Millionen Euro Gesamtkosten

Was die Kosten angeht, hatte die Hochbauabteilung sozusagen eine erste grobe Schätzung parat: Man rechnet mit 2,75 Millionen Euro Gesamtkosten, wobei die Sport- und Außenanlagen mit 1,75 Millionen Euro angesetzt sind. Förderfähig sind Laufbahn und Sportfeld mit 733.300 Euro, hieß es. Die Betriebsräume seien laut Regierung mit 3000 Euro pro Quadratmeter zuschussfähig.

Dennoch ging es im Ausschuss nicht darum, eine fixe Planung samt Kosten abzusegnen. Laut Bold handelte es sich vielmehr um den groben Rahmen, der im Kulturausschuss zunächst vorgestellt werden sollte.

"Denn wir müssen wissen, in welche Richtung die Verwaltung nun bei dem Projekt gehen soll." Weil gut Ding Weile hat, ist die Sanierung des Baseball-Felds auch erst im Kreisetat 2023/24 eingeplant, und dann laut Kämmerer Stefan Lang zunächst mit 1,7 Millionen Euro für die Sport- und Außenanlagen.

Hinterfragt werden müsse auch noch, welche Bausteine des Projekts eventuell in eine Förderung mit hineingenommen werden könnten, sagte Bold und nannte in diesem Zusammenhang das Anlegen eines Kunstrasens. "Der ist belastbarer und wird auch gefördert." Gegen Kunstrasen sprachen sich aber gleich Waldemar Bug (ÖDP) und Elisabeth Assmann (B‘90/Die Grünen) aus. 2,75 Millionen Euro Gesamtkosten seien für das Projekt ein stolzer Preis, sagte Bug und forderte, bei der künftigen Planung nach Sparpotenzial Ausschau zu halten. Assmann wunderte sich über den von Bold genannten geringen staatlichen Förderbetrag.

Diskussion über Belegung

Ihr Parteikollege Christian Fenn zweifelte an, dass zwei Schulklassen gleichzeitig auf diesem Areal Sport treiben können, ohne sich zu behindern und fragte, ob man die 400-Meter-Bahn nicht woandershin bauen könnte. Sachgebietsleiter Andreas Fuchs (Hochbau) warf jedoch ein, dass auf dem neuen Platz dann sogar drei bis vier Klassen unbehelligt nebeneinander sporteln können. Martin Wende (CSU) hatte sich den Bad Kissinger Stadtplan angesehen und festgestellt: "Es ist die einzige mögliche Fläche, wo man so etwas umsetzen kann." Dass Schülerinnen und Schüler heutzutage noch mit dem Bus zum Sportplatz fahren müssen, "passt nicht mehr ins Jahrhundert". Seiner Ansicht nach habe es das Projekt verdient, in die Planung zu gehen.

Alle stimmen für Planungen

Immer wenn Schulen erweitert werden müssen, würden dabei teilweise Sportflächen überbaut und seien in der Folge kleiner, lautete das Argument von stellvertretendem Landrat Gotthard Schlereth für den Ausbau des US-Spielfelds und für zusätzliche Flächen für den Sportunterricht. Auch PWG-Fraktionssprecher Roland Limpert plädierte für das Projekt. Seiner Ansicht nach sei wichtig, dass das "zersplitterte" Sportangebot für die weiterführenden Schulen bald ein Ende hat. Letztendlich stimmten dann aber alle dafür, die Planungen für den Ausbau des Sportfeldes voranzutreiben.Isolde Krapf