Die Rhön ist als strukturschwache Region auf den Tourismus angewiesen - aber nicht in der jetzigen Situation und in diesem Ausmaß. Autokolonnen säumten Parkplätze, Landstraßen und Feld- und Flurwege. Die Kennzeichen stammen zu großen Teilen nicht aus der Rhön, sondern aus ganz Deutschland.

Und das in einer Zeit, in der wir alle dazu aufgerufen sind, zuhause zu bleiben - aus gutem Grund, das zeigt die Corona-Fallzahl-Karte des Robert-Koch Instituts. Deutschland ist tiefrot gefärbt. Auf den Rhöner Hängen bildeten sich dennoch fröhlich Gruppen - ganz so, als gebe es kein Corona mehr.

Touri-Flut: Schlag ins Gesicht

Masken und Abstand? Fehlanzeige. Für diejenigen, die den Lockdown ernst nehmen ein Schlag ins Gesicht - auch wenn sich in der Infektionsverordnung lesen lässt, dass die Wohnung aus triftigen Gründen verlassen werden darf. Zwar ist der Spaziergang erlaubt, jedoch kann eine Anfahrt von über 100 Kilometern zum Schneegenuss nicht als triftiger Grund oder als normaler Spaziergang angesehen werden. Es gibt nun mal kein Menschenrecht auf Schnee.

Nur kümmert das die Vergnügungssüchtigen wenig. Egoistisch reisen sie alle in das Land der Offenen Fernen. Der Eindruck der sich aufdrängt: Ein Parkplatz wird sich ja schon finden. Zuhause bleiben? Das sollen die anderen. Außerdem: Die Kinder sollen ja rodeln dürfen. Asoziale Wohlstandsverwahrlosung am Pistenende.

Halte- oder Parkverbote gelten für die Touristen nicht. Rettungswege? Zugestellt. Ans Wegegebot halten sich nur wenige. Das zeigen die Überbleibsel auf dem Winter-Schlachtfeld Rhön.

Natur leidet unter dem Ansturm

Für die sensible Flora und Fauna waren jüngsten Tage ein Albtraum. Immer wieder Fährten von aufgescheuchtem Wild im Schnee. Und das, obwohl die Tiere ihre Energie im Winter für andere Dinge brauchen, als dafür, vor einer Touristenhorde zu flüchten. Die verbrauchte Energie wieder anzufressen fällt dem Wild schwer - die Äsungsangebote sind bei der geschlossenen Schneedecke begrenzt.

Andernorts - wie im nordrhein-westfälischen Winterberg - reagierten die Behörden schneller als in der Rhön. Sie sperrten die Zufahrten zu Skigebieten und Rodelhängen. Wo die verhinderten Schneetouristen landen, ist absehbar. In der Rhön rollte die Blechlawine bereits am Montagmorgen munter weiter.

Die Lage ist bedenklich. Ein jeder wünscht sich die Zeit vor der Pandemie zurück. Aber der Weg der Tagestouristen führt nicht zur Normalität - sondern zur direkten Verlängerung des Lockdowns.

J.Schlereth@infranken.de