"In den vergangenen sechs Jahren hat der Spirit etwas gefehlt", sagt Rainer Morper rückblickend zur Ramsthaler Kommunalpolitik. Deswegen tritt der 53-Jährige für den Bürgerblock als einer von drei Kandidaten um das Bürgermeisteramt an. Erfahrung hat er bereits. Vor seinem Rückzug aus dem Gemeinderat 2014 war er sechs Jahre Stellvertreter des damaligen Bürgermeisters Franz Büttner.

Jetzt gebe es eine gewisse Unzufriedenheit im Dorf, dass sich zu wenig getan habe. "Ich trete an, um es besser zu machen", sagt Morper. Mit klaren Schuldzuweisungen hält er sich zurück. "Ob es nur mit dem Bürgermeister zusammenhängt, kann ich nicht behaupten", gibt sich Morper diplomatisch. Nicht gelegen habe es an der Konstellation, dass sein Bürgerblock in der laufenden Amtsperiode zehn der Gemeinderäte stellte und die CSU von Amtsinhaber Alfred Gündling nur zwei.

Jedenfalls habe der Bürgerblock in zentralen Fragen nicht gegen den Bürgermeister gestimmt, sagt Morper. Vieles sei einvernehmlich beschlossen worden. Auch zum Thema Kindergarten seien die Entscheidungen mehrheitlich gefallen. Es habe über die Jahre alles in allem eine gedeihliche Zusammenarbeit geben. Aber Morper misst Gündling an dessen Amtsvorgänger Franz Büttner (Bürgerblock). "Er war bekannt dafür, dass er Sachen gemacht hat, die nicht unbedingt sein mussten." Die hätten dann für mehr Atmosphäre im Dorf gesorgt.

Als Beispiel nennt Morper den terroir-f-Punkt im Weinberg oder den Wohnmobilstellplatz. "Ich will weiter auch solche Akzente setzen", sagt Morper. Dafür prädestiniert fühlt er sich auch durch seine Rolle in der Entwicklungsabteilung bei perma-tec. Dort begleitet er Projekte von der Entwicklung bis zur Umsetzung.

Die Herausforderungen der kommenden Jahre seien groß. "Die Altersstruktur ändert sich und mehr Leute wollen bleiben, wo sie groß geworden sind", findet Morper. Darauf müsse die Gemeinde reagieren und mehr Angebote für ein attraktives Umfeld schaffen. Diesen Wandel möchte er begleiten. Für das Arbeiten daheim brauche es die passende Infrastruktur mit schnellem Internet. Und weil Ehepaare zu zweit arbeiten müssen, benötige es die passenden Betreuungsangebote. Zu schlecht sei Ramsthal über das öffentliche Verkehrsnetz mit der Region vernetzt. Zu selten halte ein Bus in Ramsthal. Nach Oerlenbach müsse man über Bad Kissingen fahren. Da gelte es, den Bedarf zu erkunden. Vielleicht lasse sich das Problem über einen Bürgerbus auf Ebene der Verwaltungsgemeinschaft lösen. Wolfgang Dünnebier

Drei Fragen an Rainer Morper

Statt auf einer Einheitsliste wie 2014 treten dieses Mal Kandidaten gleich auf drei Listen an. Was heißt das für die kommende Zeit in Ramsthal?

Rainer Morper: Der Wahlkampf ist natürlich spannend, weil die Gruppen sehr unterschiedlich sind. Der Bürgerblock hat schon viele der Kandidaten im Gemeinderat. Die CSU hat dort zwei plus den Bürgermeister und die Ramsthaler Liste hat Kandidaten noch ohne Gemeinderatserfahrung. Die Bürger können auswählen, und da wird jeder die zwölf finden, die seinen Interessen entsprechen. Und dann muss der neue Bürgermeister daraus ein gutes Team machen .

Wie soll es mit dem Kindergarten weitergehen?

Das ist ein großes Problem, weil es keinen Vorlauf für die Planung mehr gibt. Deswegen muss gerade von Jahr zu Jahr reagiert werden. Dieses Jahr ist es zu dem Thema etwas unglücklich gelaufen, dass man sich nicht früher mit den Eltern zusammengesetzt hat. Aktuell sieht es so aus, dass es gar nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Hätte man früher mehr geredet und den Bedarf erkundet, hätte man den Unmut vielleicht etwas vermeiden können. Ich denke, es ist eine Aufgabe der Zukunft, regelmäßig in den Austausch zu gehen, auch bei anderen Themen. Man wird beim Kindergarten früher oder später neu bauen müssen, dieses Jahr wird man so vermutlich über die Runden kommen.

Was sehen Sie als größte Projekte für die kommende Amtsperiode?

Ein paar große Projekte sind ja schon angestoßen. Das Baugebiet mit 18 Bauplätzen ist ein großes Projekt, das machen wir nicht jedes Jahr. Das Regenrückhaltebecken, bei Ortsstraßen gibt es extremen Sanierungsbedarf. Dann gilt es, auch etwas für die Senioren zu machen und zu sehen, wo man für die Mobilität Verbesserungen schaffen kann. Da muss man sehen, was es für Ideen gibt. Ein gutes Beispiel ist Rannungen, die sind in einem landesweiten Projekt untergekommen, da werden Bedarfe ermittelt und Ideen gesammelt. So ein Projekt reicht über mehrere Amtsperioden. Außerdem geht es um regenerative Energien. Es gibt ja einen Investor, der eine Fotovoltaikanlage errichten möchte. Das muss man so lösen, dass der ganze Ort was davon hat.

Zur Person

Rainer Morper

Der gelernte Maschinenbautechniker ist in Ramsthal geboren. Dem Gemeinderat gehörte er von 2002 bis 2014 schon einmal an und war Zweiter Bürgermeister sowie sechs Jahre Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses. 30 Jahre spielte er im SV Fußball, war elf Jahre Jugendtrainer und Abteilungsleiter Jugend.

Seit 35 Jahren ist er in der Feuerwehr aktiv und gründete den Verein Erlebenskunst mit. Zwölf Jahre war er Vorsitzender der Reservistenkameradschaft. Seit 1994 arbeitet er bei der Firma perma-tec in Euerdorf, wo er stellvertretender Leiter der Entwicklungsabteilung ist.