Die Idee zu dieser winterlichen Freiluft-Aktion hatten die eingefleischten "Ouwerdöller" eigentlich mitten im Sommer 2016. "Wir saßen beim Fest der Feuerwehr zusammen, wo unsere Ortsbeauftragte Margot Schottdorf darüber klagte, dass 2017 viel weniger Kinder bei den Sternsingern mitmachen würden", erinnert sich Günter Hüttl.

Schon als Knirpse aktiv

Er und seine drei Kumpels waren ja schon als Knirpse etliche Jahre in königlicher Mission unterwegs gewesen. Also warum nicht aushilfsweise wieder einsteigen? Und dann kam beim Sommerfest gleich die Nagelprobe: Mit dem Lied "Nun sehet den Stern, den wir bringen" legten sie spontan los - und es hörte sich an wie seinerzeit, als sie mit neun Jahren in heiliger Mission unterwegs waren. "Die Margot war platt", lacht der 62-Jährige.

Zur Bedingung machten die vier Freizeit-Heiligen allerdings, dass sie nur von Maria Neder höchstpersönlich eingekleidet werden. Denn schon als Kinder-Könige waren sie damals von ihr betreut worden. Seinerzeit leitete Neder nämlich den örtlichen Kindergarten und erklärte sich ab 1964 bereit, die kleinen Majestäten des Dorfes, die damals freilich ihrer beruflichen Obhut schon entwachsen waren, für den 6. Januar auszustaffieren.

Neder muss lachen, wenn sie daran denkt, dass ihrer Nähmaschine im Lauf der 25 Jahre, in denen sie Sternsinger einkleidete, so mancher bunte Vorhang aus dem Kindergarten zum Opfer fiel. "Manchmal haben wir die Kinder auch nur mit Stoff umwickelt, den wir dann mit Sicherheitsnadeln festgezurrt haben." An den Kronen und dem Turban für den Mohren musste sie dann gelegentlich auch mal länger basteln, sagt sie. Denn schließlich waren die Kinderköpfe von Jahr zu Jahr unterschiedlich groß.

Danach einen heißen Kakao

Wer bei Neder im Kindergarten war, sagte früher "Tante Maria" zu ihr, erzählt Hüttl. "Und so heißt sie bei uns noch heute." Damals hätten sich die Sternsinger immer auf Dreikönig gefreut, sagt der alteingesessene Ortsbewohner und gesteht, dass die Freude auch deswegen so groß war, weil die Königsbuben nach ihrer Tour durch den Ort bei den Neders noch einen heißen Kakao und selbst gebackene Heinerle bekamen. "Wir als Bauernkinder kannten ja keine Oblaten-Lebkuchen."

Aber auch Maria Neder scheint eine besonders lebhafte Erinnerung an die damaligen vier Knaben zu haben. "Ich habe sie später, als sie ungefähr neun Jahre alt waren, als Sternsinger ausgesucht, weil sie so gut gesungen haben." Damals wurde viel gesungen und es gab auch Theaterspiele. "Beim Krippenspiel hat der Günter mal den Herodes gespielt, das war gut", sagt die 79-Jährige und lacht, als sie daran denkt. "Ich bin der König Herodes, wer mir nicht folgt, ist des Todes", zitiert Hüttl plötzlich wie aus der Pistole geschossen. In seinem heutigen Sternsingerleben stellt er den Kaspar dar.

"Das Singen haben wir bis heute beibehalten", sagt Reinhold Röder, der den Mohr Melchior verkörpert. Vor allem, wenn die vier wandern gehen, singen sie dabei nach Herzenslust. "Es handelt sich da teilweise um altes Liedgut, das heute kaum noch einer kennt und das nirgendwo geschrieben steht", sagt Hüttl. "Unser 1956er Jahrgang ist halt sehr rege", bekräftigt Albrecht Schmitt (Sternenträger) seine Freunde und zählt auf, was da alles gemacht wird: Es finden regelmäßige Klassentreffen statt, die Männer richten alte Flurdenkmale wieder her oder bauen gemeinsam ein großes Insektenhotel.

Manche staunen auch

Was ihre Sternsinger-Aktivitäten angeht, so werden die von den Ortsbewohnern übrigens sehr gut angenommen, sagt Robert Herrlein in seiner Eigenschaft als König Balthasar.

Viele seien erstaunt, wenn sie ihnen am Dreikönigstag die Türe öffnen, vor allem, wenn es sich um zugezogene Bürger handelt. So klingelten die vier vergangenes Jahr bei einer Chinesin, die in den Ort gezogen war. Als sie öffnete, telefonierte sie gerade mit ihrer Familie in China - und hielt sofort das Handy auf die Heiligen Drei Könige, so dass die vier im Reich der Mitte sozusagen im kleineren Kreis berühmt wurden.

Brot und Wurst

Normalerweise bekommen die Sternsingerkinder ja von den Leuten, neben Geld für ihre Sammelbüchse, meist Süßigkeiten mit auf den Weg. Einmal hatten sich drei Nachbarn zusammengerottet, erzählt Hüttl, und ihnen verschiedene "milde Gaben" mit auf den Weg gegeben: Der eine schenkte Brot ("Da haben wir uns noch gewundert."). Der Nachbar gab den Majestäten zwei Dosen Wurst mit. Und der Dritte im verschworenen Bunde zauberte plötzlich ein Glas Gurken aus der Speisekammer. Spätestens dann war den Sternsingern klar, dass sie am Abend mit all dem gescheit Brotzeit machen sollten.

Fünf bis sieben Stunden sind die drei dann an einem Dreikönigstag unterwegs. Aber auch die Mädchen und Buben in den anderen Sternsinger-Gruppen tragen natürlich ihr Scherflein zum Gelingen der Aktion bei. Zunächst gab es nur eine Königsschar, die durchs Dorf lief. Dann waren es drei bis vier Gruppen.

Sieben Bezirke

Heute sind die Heiligen Drei Könige in sieben Bezirken unterwegs. Für Hüttl ist deshalb klar: "Wir müssen noch ein paar Jahre mitmachen, um überall mal rumzukommen. Zur Not laufen wir dann halt mit Rollator." ikr