Gabriele Jilg gibt ihren Logenplatz auf. Seit 35 Jahren wohnt sie schräg gegenüber dem Heimatspielhaus am Münnerstädter Anger. Von ihrem Küchenfenster aus kann sie den Aufführungen der "Schutzfrau von Münnerstadt" zusehen. "Das habe ich gelegentlich auch getan", sagt sie. Heuer nicht. "Ich will die Heimatspielgemeinde unterstützen und habe eine Karte gekauft."

Vorsitzende Claudia Kind hat einen dringenden Appell an die Mürschter gerichtet: "Mit jeder verkauften Karte helfen Sie mit, unsere schöne Tradition auch in Zukunft fortführen zu können." Das gilt natürlich auch für Nicht-Münnerstädter. Das 1927 uraufgeführte Heimatspiel soll weiter leben. An den Darstellern liegt es nicht: Sie wollen spielen. Aber das alles kostet Geld.

Im letzten Jahr war die Heimatspielsaison wegen der Pandemie komplett ausgefallen. "In diesem Jahr wollen wir es wagen", sagt Claudia Kind. Das ist mit großen Auflagen verbunden, denn viele Corona-Regeln gelten noch immer, unter anderem die Abstandsregeln bei den Zuschauern, weshalb um Anmeldung gebeten wird. Und hinzu kommt das finanzielle Risko. 5000 Euro Fixkosten hat der Verein ohne Werbung und ohne Spiel, zählt der stellvertretende Vorsitzende, Andreas Trägner auf. Allein 3500 Euro gehen für Versicherungen drauf. Bei drei Aufführungen kommen noch einmal 4000 Euro hinzu.

Wird gespielt, gibt es natürlich Einnahmen durch den Kartenverkauf. Rund 100 Karten sind inzwischen für die erste Aufführung am Sonntag, 29. August, vorbestellt worden. Für die folgenden Spieltage sind es weniger. Und ein Problem schwebt immer über dem Heimatspiel: Gibt es Regen, fällt das Spiel aus. "Ein Ersatzprogramm mit Hans-Sachs-Spielen, Schnittertänzen und den Stadtknechten können wir heuer nicht anbieten", sagt Andreas Trägner. Um das Risiko zu minimieren, baten die beiden Vorsitzenden die Mitglieder um interne Spenden.

Nichts ist, wie es war

Heuer ist nichts, wie es war. Normalerweise hat zum Schutzengelfest der Kleintierzuchtverein die Bewirtung im Schloss übernommen. Das geht heuer nicht. Deshalb hat Claudia Kind den Mitgliedern am 17. August mitgeteilt, dass die Heimatspieler an allen drei Spieltagen ein kleines "Gelage am Schloss" ausrichten. Das wäre eine "geschlossene kulturelle Veranstaltung" gewesen. Am 22. August folgte das Dementi: "Nach wirklich sorgfältiger Abwägung von Aufwand, Nutzen, Gefährdungspotenzial für uns und unsere Gäste, sind wir zu dem Schluss gekommen, dieses Risiko nicht einzugehen." Getränke wird es nun lediglich für Zuschauer und Spieler am Anger geben.

Und wenn es einmal dicke kommt, dann kommt es meist richtig dick: Die Althäuser Gruppe hat ein neues Pferdegespann für den Wagen. Wegen des Klapperns auf dem holprigen Pflaster und den lauten Kanonenschüssen der Schweden, können sie noch nicht mitspielen. Das sei einfach zu gefährlich. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung", sagt Andreas Trägner. Notfalls wird ein kleinerer Wagen genommen, den die Althäuser selbst ziehen.

Leider musste ein Pferd des Erntewagen-Gespanns eingeschläfert werden. Immerhin ist da ein Kaltblut gefunden worden, der den Erntewagen nun alleine zieht.

Trotzdem haben die beiden Vorsitzenden und die rund 200 Darsteller nicht den Mut verloren. Denn es gibt auch die kleinen Dinge am Rande, die Zuversicht ausstrahlen. Denn es liegen auch schon Vorbestellungen aus Bremen und aus Thüringen vor. Und aus Schweinfurt hat es eine Anfrage gegeben: Die Enkelin einer Oma möchte unbedingt das Heimatspiel sehen. "Das ist dann eine Oma-Enkelin-Ausflug", hat die Großmutter geschrieben.

"Ein Jahr kann es mal ausfallen", aber bei zwei Jahren wird es bröckeln", hört man die Heimatspieler bei der Probe sagen. Sie wollen unbedingt spielen, manche Kindergruppen sind so groß wie seit vielen Jahren nicht. "Die Schutzfrau lässt uns sicher nicht im Stich", hat Claudia Kind geschrieben. Die Zuschauer können ein Übriges tun.