Der Fall ist ebenso spektakulär wie grausig: Bauarbeiter haben bei Abrissarbeiten vor rund einer Woche in einer Scheune in Bad Kissingen ein menschliches Skelett freigelegt. Die Kriminalpolizei Schweinfurt ermittelt seitdem mit Hochdruck, um genauere Erkenntnisse zu erlangen und hat eine Ermittlungskommission eingerichtet, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Polizeipräsidium Unterfranken. Was bisher zu dem Fall bekannt ist und wann es neue Erkenntnisse geben könnte.

1. Was die Polizei bisher öffentlich gemacht hat: Am Freitag, 1. Juli, veröffentlichte das Polizeipräsidium Unterfranken die Pressemeldung, dass wenige Tage zuvor, am 28. Juni, Bauarbeiten in einer Scheune in Bad Kissingen ein menschliches Skelett zum Vorschein gebracht haben. "Die Identität und die Umstände, die zum Tod der Person geführt haben, sind derzeit noch völlig unklar", hieß es in der Mitteilung. Der Körper sei dem Institut für Rechtsmedizin überstellt worden, um möglichst rasch die Identität der Person festzustellen und die Todesumstände zu klären. Der Todeszeitpunkt könne bereits einige Jahrzehnte zurückliegen.

2. Wovon die Ermittlerinnen und Ermittler der Kriminalpolizei ausgehen: In der Pressemitteilung heißt es, dass ein gewaltsamer Tod nicht ausgeschlossen werden könne. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und in alle Richtungen", sagt Polizeisprecher Björn Schmitt auf Nachfrage dieser Redaktion. Wie diese Ermittlungen laufen, gebe man aus taktischen Gründen grundsätzlich nicht heraus. Dass ein Gewaltverbrechen nicht ausgeschlossen werden könne, bedeute nicht, dass dieses auch zweifelsfrei vorliege, so Schmitt. "An jeglichen Gerüchten beteiligen wir uns nicht, sondern warten die Ergebnisse aus der Rechtsmedizin ab." Alles andere sei Spekulation.

3. Was zur verstorbenen Person bislang bekannt ist und was mit dem Körper jetzt geschieht: Die Knochen wurden dem Institut für Rechtsmedizin überstellt. "Wir erhoffen uns im Laufe der Woche erste Erkenntnisse zum Geschlecht der Person, vielleicht auch schon zur Identität", so Polizeisprecher Schmitt. Grundsätzlich gebe es verschiedene Möglichkeiten, eine Person zu identifizieren, beispielsweise anhand von DNA oder über den Zahnstatus. "Nach aktuellem Stand ist es gut möglich, dass die Person mehrere Jahrzehnte dort lag. Es scheint zumindest kein Todesfall aus den letzten Jahren zu sein. Wenn wir wissen, wer die Person ist, kann man wohl auch mehr zum Todeszeitpunkt sagen", so Schmitt.

4. Wie der Eigentümer und die Arbeiter den grausigen Fund erlebt haben: "Wir hatten dort schon vorher einige Überraschungen gehabt", erzählt der Eigentümer des Anwesens, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er meint die Handgranaten aus den beiden Weltkriegen, die schon vorher in der Scheune gefunden wurden und die drei Polizeieinsätze ausgelöst haben. Den Skelettfund hab er dann mit einer eigentümlichen Ruhe aufgenommen. Die Arbeiter, die die Knochen im Boden gefunden haben, dachten zunächst, es würde sich um Tiergebeine handeln - eine naheliegende Vermutung, denn früher wurde ein Teil der Scheune als Viehstall genutzt. "Es war schnell eindeutig, dass es menschliche Knochen sind", sagt der Eigentümer. Er hat daraufhin umgehend die Polizei verständigt.

5. Was es mit der betroffenen Scheune auf sich hat: Der Eigentümer hat das Anwesen vor wenigen Monaten erworben. Laut Makler-Expose wurde das Wohngebäude 1875 errichtet, ist nicht denkmalgeschützt und stark renovierungsbedürftig. Zur Scheune gehört ein Viehstall sowie eine Tenne, also ein Platz, an dem Getreide gedroschen wurde.

6. Was am Fundort zuvor entdeckt wurde: Laut Polizei hat es seit April drei Einsätze auf dem Anwesen gegeben, weil Handgranaten aus dem Ersten, vor allem aus dem Zeiten Weltkrieg gefunden wurden. Der Eigentümer berichtet von Hand- und Panzergranaten, die unter Stroh versteckt in der Scheune lagerten. Hier sei der Schrecken für die Arbeiter und ihn größer gewesen: "Wir sind drei Tage darüber gelaufen und haben die Granaten nicht erkannt", sagt er. Die Waffen stellten sich im Nachhinein jedoch als nicht mehr funktionsbereit heraus und wurden zwischenzeitlich von Fachleuten beseitigt.

von Benedikt Borst und Simon Snaschel