Ein zusätzlicher Lebensmittel-Vollsortimenter in der Stadt macht durchaus Sinn, argumentierten verschiedene Stadträte bei der Vorstellung des Vorhabens durch Christine Schwind in der Stadtratssitzung am Mittwochabend. Ein Projektentwickler möchte an der Oskar-von-Miller Straße einen Vollsortimenter mit 2000 Quadtratmetern Verkaufsfläche errichten. Dadurch, so die vorherrschende Überzeugung, könnte zu den Stoßzeiten der Andrang an den anderen Märkten entzerrt werden. "Wir sind keine schrumpfende Stadt", sieht Steffen Hörtler (CSU) eine Verschärfung dieses Problems. Mit 19:10 stimmten die Stadträte für die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplanes für das 5000 Quadtratmeter große Areal der ehemaligen Gärtnerei Zaak. Als Betreiber ist Rewe im Gespräch.

Verkehrsgutachten spielt Rolle

Nagelprobe wird allerdings ein Verkehrsgutachten, das klären soll, ob der Zustrom von Autos auf der Oskar-von-Miller-Straße bewältigt werden kann. "Wir haben erwartet, dass das ein Problem ist", sagte Christine Schwind bei der Aussprache im Stadtrat.

Man werde eine Lösung finden, zeigte sie sich zuversichtlich. Denkbar sei eine Ampel oder ein Rechtsabbiege-Gebot an der Einmündung in die Würzburger Straße. So könnten beim Verlassen des Geländes Rückstaus vermieden werden. Sollte das Verkehrsgutachten zu einem anderen Ergebnis kommen, werde man die Planung stoppen.

Denn die Staus gebe es bereits jetzt schon in erheblichem Umfang, wie etwa Wolfgang Lutz (CSU) monierte. Er brachte auch einen Kreisverkehr ins Gespräch. "Nicht alle wollen aus der Oskar-von-Miller-Straße nach rechts abbiegen", wandte Alexander Koller (DBK) ein. Er könne sich keine geeignete Verkehrsanbindung vorstellen.

Durchgang zur Eissporthalle entsteht

Lutz warf auch die Frage auf, ob dieses Gelände, welches aktuell der Stadtwerke GmbH gehört, nicht als Gestaltungsspielraum für eine Landesgartenschau gebraucht werde, um die sich die Stadt bewirbt. Dieses Gelände habe man dafür nicht im Auge, entgegnete Oberbürgermeister Dirk Vogel. Aber eine städtebauliche Aufwertung bringe der geplante Markt allemal. Zumal er einen Durchgang zur Eissporthalle ermögliche, der aktuell fehlt.

"Wir brauchen keine Flächenversiegelung dieser Art mehr", warb Martina Greubel dafür, das Vorhaben weiter voranzubringen. Anderswo würden solche Objekte inzwischen, statt ebenerdig, mehrstöckig in die Höhe gebaut. Wichtiger sei es, die bestehenden Märkte zu erhalten. Außerdem erinnerte sie an die Diskussionen um die Auswirkungen des Gewerbegebietes Garitz auf die Geschäftswelt in der Innenstadt.

"Bis auf Reiterswiesen kann ich keine Versorgungslücken im Stadtgebiet erkennen", stellte Richard Fix (Bündnis 90/Grüne) das zusätzliche Angebot in Frage. Im Vergleich zu anderen Städten wie Bad Neustadt sei Bad Kissingen bei der Ausweisung von Märkten seit über einem Jahrzehnt stehengeblieben, fand Dritter Bürgermeister Anton Schick (DBK). Wie sein Fraktionskollege Klaus Bollwein unterstrich er die Notwendigkeit, eine Verkehrsanbindung unbedingt mit jener des Schlachthofes und der Regelung an der Schlachthofkreuzung abzustimmen. Eine größere Bedeutung komme dem geplanten Markt für den Stadtteil Arnshausen zu, wenn die bisherige Bundesstraße 286 im Zuge des neuen Autobahnzubringers rückgebaut wird.

Sehr anschaulich hatte Christine Schwind vor der Aussprache das Ergebnis einer Verträglichkeitsuntersuchung von geplantem Markt und Standort vorgestellt. Angefertigt hatte sie die Cima Beratung + Management GmbH, die solche Vorhaben bundesweit begleitet. Die GmbH kommt zu dem Schluss, dass es räumliche Versogungslücken im Süden der Kernstadt, Garitz Ost, Reiterswiesen und Winkels Ost gebe.

Weil es im Süden nahe der Würzburger Straße bislang nur Discounter gibt, sei der Vollsortimenter dort ein sinnvolle Ergänzung. Durch einen Einwohnerzuwachs von 7,5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren und enorme Pendlerzuschüsse habe sich das Kaufkraftpotenzial positiv entwickelt.

Die Manager beziffern auch das erwartete Umsatzvolumen - und zwar auf 6,8 Millionen Euro bei den Lebensmitteln und 1,2 Millionen Euro bei Randsortimenten. "Verdrängung an anderen Standorten kann ausgeschlossen werden", schreibt die Cima. Zudem geht sie allenfalls von Umlenkungseffekten von vier bis fünf Prozent aus der Innenstadt aus, weil es sich dort um einen "funktionsfähigen und attraktiven zentralen Versorgungsbereich handle. Auch die Regierung von Unterfranken geht davon aus, dass das Vorhaben mit der Regionalplanung vereinbar sei.