Das kulturelle Leben ist, jetzt in der Corona-Pandemie, auch im Landkreis Bad Kissingen nahezu zum Erliegen gekommen. Da tut sich jemand wie Felix Gantner schwer. Eigentlich trat er am 1. Januar 2019 seinen Dienst beim Regionalmanagement des Landkreises an, um Kunst- und Kulturschaffende zu unterstützen und zu vernetzen.

Das durch zwei Lockdowns verursachte Stop-and-Go des gesellschaftlichen Lebens bringt aber jetzt nicht nur Künstler in Lebenskrisen und Kulturschaffende an den Rand der Verzweiflung, sondern macht es auch einem Projektmanager wie Gantner schwer, das kulturelle Leben im Landkreis sichtbar zu machen. Seine neueste Idee: Online-Treffen.

Vielleicht ist Gantners Arbeit gerade jetzt in der Krise besonders wichtig, weil es sich auf dem flachen Land beim Thema Kultur zwar zum einen um große Ereignisse dreht, die nun nicht stattfinden können, wie beispielsweise den Kissinger Sommer.

Andererseits geht es aber auch um einzelne Künstler, die derzeit von der Öffentlichkeit abgeschnitten sind. Und es geht auch um all die Akteure von Vereinen, Gruppen und Verbänden, die das ganze Jahr über - oft ehrenamtlich - mit an der Kulturszene stricken. Der ganze Unterbau des gesellschaftlichen Lebens ist betroffen.

Austausch mit anderen wichtig

Beispiel Laientheater: Wie viele solcher spielbegeisterter Schauspielgruppen gibt es eigentlich, die in ihren Städten, Märkten und Gemeinden Jahr für Jahr ihre Fangemeinden anlocken? Und wie erging es ihnen mit Corona-Regeln, die schon im Vorfeld zu den Auftritten regelmäßige Treffen und intensive Proben unmöglich machten? Beim Online-Treffpunkt #netzwerkstattkultur des Regionalmanagements am 24. November hatten die Theatermacher die Möglichkeit, sich unter dem Motto "Theater ohne Publikum?" auszutauschen.

Bereits im November 2019, also vor der Pandemie, hatte Gantner ein reales Treffen aller Amateur-Theatergruppen - und natürlich auch der Profi-Bühne Schloss Maßbach - organisiert.

"Es ist grundsätzlich schwer, alle Akteure von Ramsthal, über Bad Brückenau, bis nach Thundorf an einem Ort zusammen einzuladen", sagt Gantner. Dennoch sei das Angebot rege genutzt worden.

Auch das virtuelle Treffen jetzt verbucht Gantner als Erfolg. "Man hat gesehen, dass da ein Bedarf da ist. Wir werden das, während der Pandemie, öfter machen." Diesmal waren vier Theatergruppen dabei. Andere waren verhindert, ein paar hatten die technischen Hürden an ihren Computern nicht rechtzeitig überwinden können. Für den Projektmanager hat sich erwiesen: "Es ist auf jeden Fall eine Plattform für die Zukunft."

Zurzeit fehlt das Ziel

Wann können wir wohl wieder auftreten? Wie kann ich die Schauspieltruppe zusammenhalten? Und wenn es kein fixes Aufführungsdatum als Ziel gibt, sollen alle dann weiterproben?

Alles Fragen, um die es ging. "Während des Lockdowns geht natürlich gar nichts", sagt Gantner. Aber es sei wichtig, miteinander in Kontakt zu bleiben, vielleicht auch nur per WhatsApp und Facebook.

Dass die Zukunft bislang ungewiss ist und man nichts planen kann, mache den Hobby-Schauspielern am meisten zu schaffen. "Man muss ein Ziel haben, auf das man hinarbeiten kann", sagt beispielsweise auch Gerd Nicolai von der KAB-Theatergruppe Nüdlingen im Gespräch mit dieser Redaktion. "Wir suchen im April das neue Stück aus und fangen im Mai mit den Proben an, die Aufführungen sind dann Ende Oktober."

Schon jetzt stelle sich für ihn und seine zwölf Mitstreiter in der Theatergruppe die Frage, ob man 2021 wird proben können und wie es dann mit den Aufführungen im Herbst aussieht. Und was ist eigentlich, wenn auch in einer zweiten Saison kein Theater gespielt wird? Nicolai befürchtet, dass die Gruppe dann vielleicht auseinanderfällt.

"Wir werden ja auch nicht jünger", sagt der 70-jährige Vollblut-Bühnendarsteller, der jetzt 13 Jahre lang Theater macht und schon zuvor beim Nüdlinger Carneval Club (NCC) ewig lang als Star gefeiert wurde. Technisch habe es zwar nicht geklappt, sich am jüngsten Online-Netzwerk-Treffen zu beteiligen. Grundsätzlich findet Nicolai es aber gut, sich mit anderen auszutauschen, wie sich auch beim Treffen im Herbst 2019 für ihn herausstellte.

"Es war heuer ziemlich still", charakterisiert Claudia Kind die Sommerstimmung bei der Münnerstädter Heimatspielgemeinde. "Geduld und Flexibilität sind gefragt." Die rund 220 Akteure auf und hinter der Bühne seien aber nach wie vor begeistert dabei. Schon heuer waren sie der Ansicht: "Entweder spielen wir gescheit oder gar nicht." Eine abgespeckte Form der Schutzfrau von Münnerstadt sei für alle nicht in Frage gekommen.

Impulse für die Zukunft

"Total toll" findet Kind, dass man sich neuerdings online mit anderen Theatergruppen kurzschließen kann. Gerade weil nicht so viele Akteure anwesend waren, habe man Nähe zu den Teilnehmern herstellen können. "So etwas gibt kleine Impulse und bestärkt einen, an der eigenen Sache dran zu bleiben."

Projektmanager Gantner will solche virtuellen Zusammenkünfte in Sachen Kultur jedenfalls beibehalten. Jetzt hat er unter dem Motto #netzwerkstattkultur eine ganze Folge von virtuellen Treffen im Kopf, bei denen verschiedene Kultur-Sparten angesprochen werden.

Virtuelle Treffen

Drei Termine: 15. Dezember,m 19 Uhr: "Ausstellung plus x?", für die Leiter von Museen, Galerien und Ausstellungsräumen.

19. Januar, 19 Uhr, für Akteure aller kulturellen Branchen im Landkreis, Motto "Fahrt auf Sicht?"

"Kultur im Netz" am 9. Februar, 19 Uhr, beim Online-Workshop mit Dr. Christian Gries und Dipl.-Ing. Harald Link von den Kulturkonsorten (München), einem Netzwerk für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Kommunikation im digitalen Raum.Isolde Krapf