Das erste Konfrontationstraining am Herd. Zuerst: einkaufen. Und zwar mit meinem Fastenvorsatz für die nächsten Wochen - "nur Regionales". Die Mission: im Süden gezüchtetes Gemüse, wie Zucchini und Paprika, durch heimische Gewächse ersetzen. Korb unter den Arm und ab auf den Wochenmarkt.

An den Orangen in der ersten Reihe der Auslage komme ich gut vorbei. So schnell werde ich nicht schwach. Spargel und Erdbeeren im Winter? Das war noch nie so mein Ding.
Nachdem ich meiner Gemüsehändlerin des Vertrauens von meinem Vorhaben berichtet habe, empfiehlt sie mir das, was sich in den hinteren Regalen ihres Verkaufswagens türmt. Knollen und Kohlköpfe - rot, grün, gelb, spitz, länglich und rund. Hatte ich diese Vielfalt bisher übersehen? Gar ignoriert?


Ein Exot wird zum Trend-Gemüse

Die Dame mit der Schürze füllt meinen Korb mit "Winter-Klassikern" wie Kohlrabi und Pastinaken. In Franken gedeiht - versprochen. Was zuerst auf den Tisch kommen soll, ist trotzdem ein Exot: Grünkohl. Besonders in Norddeutschland ist die Vitaminbombe beliebt. Gerade wird das Gemüse vor allem außerhalb Deutschlands zur Trend-Pflanze. Wie viele andere Kohlsorten wird er erst richtig lecker, wenn er den ersten Frost erlebt hat.

Die Verarbeitung ist einfach: Die krause Staude wird gezupft und gewaschen. Danach kochen, abschrecken, hacken, dünsten und schmoren. Traditionell wird der Grünkohl mit würziger Wurst aufgetischt. Diese regional zu beschaffen wäre kein Problem. Sie zu essen für mich als Vegetarier schon. Deshalb ohne. Und siehe da: Der Grünkohl ist nicht nur essbar, sondern genießbar.

Sogar, oder vor allem, aufgewärmt schmeckt der Kohl richtig lecker. Und macht Lust auf mehr. Für das Debüt habe ich mich an die klassische Zubereitung gehalten. Doch das Netz spuckt so viele Grünkohl-Rezepte aus: als Suppe, auf der Pizza, zu Nudeln, roh im Smoothie oder Salat, als Eintopf, Auflauf oder in Chips-Form. Es ist Kohlzeit! Mahlzeit!