Die Gebietsreform vor 50 Jahren verursachte auch Unmut. Denn damals wurden Bürgermeister entmachtet und Landräte entthront. Warum der Lamping-Plan scheiterte.
50 Jahre Gebietsreform werden am 1. Juli sowohl vom Landkreis als auch von der Stadt Bad Kissingen jeweils in einem eigenen Festakt mit geladenen Gästen gefeiert. War der große Zusammenschluss von drei Kreisen zu einem großen Landkreis, beziehungsweise einer kreisfreien Stadt mit acht Stadtteilen zur Großen Kreisstadt also ein Gewinn? Aus heutiger Sicht wohl schon. Doch vor 50 Jahren sahen etliche Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis die "Einverleibung" ihrer Ortschaft zur Stadt Bad Kissingen, beziehungsweise ihres Kreises zum großen Einheitslandkreis mitunter kritisch bis kriegerisch.
Mit der Gebietsreform verbinden viele das Jahr 1972. Die gesamte "Gemeindegebietsreform" vollzog sich jedoch allmählich und war erst um das Jahr 1978 abgeschlossen. Die Kreisreform musste aber schon Anfang der 70er Jahre über die Bühne gebracht werden. Damals wurden überall in Bayern Landräte und Bürgermeister sozusagen entmachtet und auch etliche Bürgerinnen und Bürger hatten Bauchgrollen, weil damals um einzelne Randgebiete hin- und hergeschachert wurde, wie Werner Eberth in seinem Buch zur "Verwaltungsgeschichte des Landkreises Bad Kissingen" (1997) schrieb.
Der langjährige Kreisheimatpfleger war 1972 nämlich Zeitzeuge dieser teils turbulenten Geschehnisse. Aber nicht etwa nur beiläufig, weil er damals im Landratsamt Bad Kissingen als Oberregierungsrat beschäftigt war, sondern weil er im Mai 1972 von der Regierung von Unterfranken per Amtsschreiben ganz offiziell zum Staatsbeauftragten für die Kreisreform ernannt worden war.
Ihm fiel also die schwerwiegende Aufgabe zu, die anstehende Umstrukturierung der Kreise mit den drei Landräten Magnus Herrmann aus Bad Kissingen, Karl Georg Oschmann aus Hammelburg und Richard Hänlein aus Bad Brückenau auszubaldowern. Und nicht zu vergessen: Auch der damalige Oberbürgermeister von Bad Kissingen Hans Weiß war einzubeziehen, denn es war geplant, die bis dato kreisfreie Stadt in den neuen Landkreis als Große Kreisstadt einzugliedern.
Damals gab es den sogenannten Lamping-Plan. Dieser sah vor, den Landkreis Hammelburg auf die neuen Kreise Bad Kissingen und Main-Spessart aufzuteilen, und zwar sollte Euerdorf gerade noch an Bad Kissingen fallen. Der CSU-Kreisverband lief Sturm, erzählte Eberth einst in einem Interview von dem Drama. Man hatte Angst, an der Peripherie beider Kreise nur eine politische Randerscheinung zu bleiben. Die Einwände hatten Erfolg. Mit Wirkung vom 1. Juli 1972 wurden die drei Altlandkreise dann zum neuen Gesamtlandkreis Bad Kissingen zusammengeführt.
Im Vorfeld hatte man sich schon über erste Gemeinsamkeiten beraten. Weil Bad Kissingen schon im 19. Jahrhundert über die Grenzen bekannt war, hatte keiner ernste Einwände dagegen, den Kreissitz in der Kurstadt Bad Kissingen anzusiedeln. Über den Namen wurde zwar eine Zeit lang diskutiert - der Name "Rhön-Saale" war kurzzeitig im Gespräch, sagte Eberth seinerzeit. Dann beließ man es doch beim "Landkreis Bad Kissingen". Dass drei Partner politisch künftig an einem Strang ziehen, schlug sich äußerlich aber immerhin im Kreiswappen nieder, das auf Vorschlag der Bad Brückenauer kreiert wurde und schon damals auf einen Bäderlandkreis hinwies.
Im Wappen finden sich nämlich drei Heilbrunnen, als Hinweise auf die drei Staatsbäder, in den bayerischen Farben Weiß-Blau. Darunter sind links der Henneberg'sche Adler als Symbol für den Altlandkreis Bad Kissingen und rechts das Fuldaer Kreuz angebracht als Zeichen dafür, dass Bad Brückenau und Hammelburg früher zum Kloster Fulda gehörten.