So viel Innovation und Globalität in der fränkisch-bayerischen Provinz haben den japanischen Botschafter Yanagi Hidenao überrascht und erfreut. Bei einem Besuch der Firma Nipro Pharma Packaging Germany GmbH in Münnerstadt zeigte er sich beeindruckt, davon, dass in einer Kleinstadt ein solches weltweit tätiges Unternehmen heranwachsen konnte. "Sehr modern", betonte er dieser Zeitung gegenüber nach der gut einstündigen Führung durch das Werk II im Industriegebiet Roth am Schindberg. Das hier sei state of the art (neuester Stand einer Entwicklung), sein Statement zum Unternehmen. Der Besuch des japanischen Botschafters und des Botschaftssekretärs Yusaku Ishizaki kam nicht von ungefähr. Denn seit bald zehn Jahren ist die Münnerstädter Firma eine Tochter des japanischen Nipro-Konzerns mit Hauptsitz in Osaka.

Seit 160 Jahren gibt es deutsch-japanische Beziehungen. Im Januar 1861 unterzeichnete Japan mit Preußen einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag, der heute als Beginn der deutsch-japanischen diplomatischen Beziehungen gilt. Staatsministerin Dorothee Bär hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, den japanischen Botschafter in Berlin in den Landkreis Bad Kissingen einzuladen. Sie wolle damit ein Augenmerk auf die Bedeutung dieser politischen und wirtschaftlichen Partnerschaft lenken, so Dorothee Bär. Denn Japan sei für Deutschland im asiatischen Raum der zweitgrößte Handelspartner. "Wir müssen diese Beziehung stärken", befand Botschafter Yanagi Hidenao. Es sei wichtig, dass in unsicheren Zeiten Länder mit demokratischer Ordnung ihre Beziehungen weiter ausbauen.

Markus Maßmann, Managing Director bei Nipro in Münnerstadt, führte die Delegation durch das Haus und machte deutlich, unter welchen hohen Standards in den zwei Münnerstädter Werksstandorten Fläschchen, Kartuschen und Glasspritzen für die pharmazeutische Industrie produziert werden. Bei Nipro sei man an der Adresse, was Qualität, Flexibilität und Lieferzuverlässigkeit angeht, unterstrich Markus Maßmann die hohen Fertigungs- und Sicherheitsstandards in der Produktion.

Diese Standards erklären, weshalb Führungen im Haus selten sind. Auch der Botschafter musste in Spezialschuhe schlüpfen. Die Fertigung in den Reinräumen konnte der hohe Gast nur von einem Besuchergang aus und durch Glasscheiben getrennt bestaunen.

Millionenfach wurden bei Nipro zwischenzeitlich die Glasfläschchen produziert, in die alle derzeit gängigen Corona-Impfstoffe abgefüllt werden. Wer geimpft wurde, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Impfstoff aus einem Nipro-Glas erhalten, so Maßmann. Man habe die Nachfrage durch die Organisation des Schichtdienstes gut bedienen können, beantwortete er die Frage des Botschafters. Es habe keine Engpässe gegeben. Der Nipro-Manager erläuterte, dass es zwischenzeitlich die Nachfrage gebe, Corona-Spritzen als Einzeldosis zu produzieren. Man sei jetzt schon darauf vorbereitet.

In der Spritzenproduktion sieht Nipro einen Wachstumsmarkt und investiert deshalb in diese Sparte weiter. Im Werk II am Münnerstädter Roth steht ausreichend Raum zur Verfügung. Geplant sei annähernd eine Verdoppelung der Kapazitäten in den nächsten zehn Jahren, erklärte Markus Maßmann. Aktuell werde die Ausweitung der Kapazitäten umgesetzt. "Wir sind auf großem Wachstumskurs", so Markus Maßmann.

Bei der Produktion von medizinischem Glas sei Energie ein großes Thema, bestätigte der Nipro-Manager auf Nachfrage. Um in Zukunft möglichst klimaneutral zu arbeiten, gebe es bereits Tests, wie durch die Nutzung von Wasserstoff der Erdgasverbrauch gesenkt werden kann. Der im Unternehmen benötigte Strom sei bereits zu 55 Prozent grün erzeugt.

Markus Maßmann mahnte allerdings an, dass einerseits Energie zu international wettbewerbsfähigen Preisen und andererseits auch zuverlässig zur Verfügung stehen muss. Schon kleinste Netzschwankungen, die ein Privatmann kaum registriere, führen in einem Industrieunternehmen zu erheblichen Produktionssaufällen, ergänzte Produktionsleiter Uwe Kaufmann.

Beim Botschafterbesuch betonte Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl, dass Nipro mit seinen rund 500 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber für die Stadt sei. "Wir haben hier ein tolles Innovationszentrum bekommen", so Kastl. Deshalb sei die Stadt darauf bedacht "zu helfen, wo wir können".

Mit den Eindrücken aus Münnerstadt ging die Fahrt für den japanischen Botschafter noch nach Bad Kissingen. Auch dort informierte er sich im weitesten Sinne über Glas. In der Bad Kissinger Niederlassung von Frankenbrunnen erhielt er eine Führung. Um weitere Eindrücke aus der Rhön zu erhalten, fehlte dann leider die Zeit. Der Botschafter musste zurück nach Berlin.