Die Fundamente sind gerade erst im Bau, doch bis Mitte November soll das neue Palmenhaus der Kurgärtnerei stehen. "Die Planung ist ambitioniert", wie der Leiter der Kurgärtnerei, Martin Christ sagt. Aber wenn alles nach Plan läuft, können die Großpalmen schon in dieser Saison in ihrem neuen Domizil überwintern.

Die Kurgärtnerei betreut rund 170 dieser Großpalmen. Die größten sind bis zu fünf Meter hoch, "und sie wachsen weiter", erklärt Martin Christ. Doch schon jetzt stoßen die Bäume an der Decke des alten Hauses an, dessen Grundfläche zudem gerade einmal ausreicht, dass die exotischen Gewächse dicht an dicht stehen müssen.
Zwar war der Boden des alten Hauses vor einigen Jahren um einen Meter abgesenkt worden, um dem Wachstum der Palmen wenigstens vorübergehend Paroli bieten zu können, doch die Heizung blieb an bisheriger Stelle. Das bedeutet, dass die exotischen Gewächse im Winter kalte Füße bekamen, während sie ein Stück weiter oben aufgeheizt wurden.


8,5 Meter hoch

Das neue Haus entsteht neben dem bisherigen, wird mit 48 Metern genau so lang, aber mit 8,5 Metern erheblich höher sein. Diese Höhe reicht laut Martin Christ aus, dass die heute rund fünf Meter großen Palmen rund 25 Jahre weiter wachsen können.

Außerdem wird das neue Palmenhaus einen weiteren Vorteil bieten. Während das Glas des bisherigen Gebäudes kein ultraviolettes Licht durchlässt, wird das Glas des neuen Hauses UV-durchlässig sein. So können sich die Palmen bereits während der Zeit im Gewächshaus an das Sonnenlicht gewöhnen. Und: Im neuen Haus werden die Palmen nicht mehr so dicht beieinander stehen, können besser mit Licht und Luft versorgt werden. "Dadurch sind sie nicht so anfällig für Krankheiten", betont der Leiter der Kurgärtnerei.

Und schließlich wird das neue Winterquartier einen ebenerdigen Boden haben. "Da muss man die Palmen nicht mehr mit Hilfe einer Rampe anfahren, was zur Sicherheit der Mitarbeiter beiträgt", fährt Martin Christ fort.


Mehr Platz

Das bisherige Palmenhaus wird durch den Neubau nicht arbeitslos. Neben den kleineren Palmen werden dort auch mediterrane Pflanzen der Kurgärtnerei überwintern. Außerdem bieten die Gewächshäuser künftig im Sommer genügend Platz, um als Werkstatt für die Rakoczy-Festwagen zu dienen, die dann nicht mehr zum Teil unter freiem Himmel aufgearbeitet werden müssen.

Wie wichtig der Palmenschmuck für Bad Kissingen ist, weiß auch Kurdirektor Frank Oette. "Die Palmen sind absolut prägend für unser Stadtbild. Deshalb ist der Neubau, den der Freistaat ermöglicht, notwendig. So können wir für unsere Gäste Qualität, Größe und Anzahl der Palmen auch weiterhin erhalten", sagt der Kurdirektor, der das neue Palmenhaus als "wichtige Investition in die Zukunft" bezeichnet.

Diese Zukunft ist dem Freistaat 500 000 Euro wert. Dieser Kostenvoranschlag wird nach Christs Meinung eingehalten werden.

Inzwischen hat die Kurgärtnerei damit begonnen, die kleineren Palmen von den Kuranlagen in die Gärtnerei einzuholen. Bis Ende Oktober sollen alle - vorerst noch im alten - Winterquartier angekommen sein. Wenn das neue Haus fertig ist, werden die großen Palmen noch einmal umziehen müssen.


Keine Mimosen

Übrigens, die Palmen sind zwar tropische Gewächse, doch nicht ganz so empfindlich, wie der Laie glaubt. "Man muss sich keine Sorgen machen, wenn es mal kalt wird, die Palmen halten bis zu minus 5 Grad aus", betont Martin Christ. Mit der Rohrheizung könnte das neue Palmenhaus auf bis zu zwölf Grad aufgeheizt werden. "Aber 7 bis 8 Grad reichen aus", sagt der Leiter der Kurgärtnerei.