Es war ein großer Tag . So viele Gläubige waren in "Unseres Herrn Gotteshäuslerin im Thal" gekommen, dass das kleine Kirchlein sie gar nicht alle aufnehmen konnte. 29 Jahre nachdem sie abgebaut worden waren bekam die Talkirche ihre zweite Glocke zurück.

Freundeskreis gewürdigt

"Mit der feierlichen Glockenweihe ist vorerst ein Schlussstein in einer Entwicklungsphase gesetzt, die man in der Geschichte dieser traditionsreichen Wallfahrtsstrecke, einmal auch die Zeit der Wiederinstandsetzung und Restaurierung finden wird", war vor 50 Jahren in der Zeitung zu lesen. "Das der Verwitterung und dem Verfall in den Nachkriegsjahren nahe ,gotteshäuslein im thal' prangt jetzt wieder in voller Pracht." Grundlegende und wichtige Instandsetzungsarbeiten seien in den vergangenen Jahren durchgeführt worden und was von dem Freundeskreis der Talkirche getan und gespendet wurde, verdiene eine eigene Würdigung.

Unwürdige Kriegsgeschichte

Unwürdig hingegen ist die Geschichte, wie die Glocken der Talkirche abhanden gekommen sind. Im Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland ein Mangel an Rohstoffen. Deshalb organisierten die Nationalsozialisten im Frühjahr 1940 eine "Metallspende des Deutschen Volkes zum Geburtstag des Führers" am 20. April. Wer freiwillig Metallgegenstände aus seinem Haushalt spendete bekam eine Urkunde dafür - mit dem Namen des Führers. Die Aktion übertraf alle Erwartungen, so ließen die Behörden erst einmal die Finger von den Kirchenglocken. Aber nicht lange. Allein in Münnerstadt wurden 1942 14 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 4400 Kilogramm abgehängt, darunter waren auch die beiden Glocken der Talkirche.

Ortsmuseum "rettet" erste Glocke

Doch bald nach dem Krieg bekam die Talkirche eine erste Glocke zurück. Die 65 Kilogramm schwere Glocke aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts war im Ortsmuseum verwahrt worden und fiel so nicht der Metallgier der Nationalsozialisten zum Opfer. Es dauerte aber bis zum Frühjahr 1971, bis eine zweite Glocke in die Talkirche kam. 45 Kilogramm ist sie schwer, sie besteht zu 78 Prozent aus Kupfer und zu 22 Prozent aus bleifreiem Zinn. Finanziert wurde die Glocke durch Spenden der zahlreichen Freunde des Gotteshauses. Sie wurde auf die vorhandene Glocke abgestimmt.

Weihegebete und Dankesworte

"P. Dr. Thomas Beckmann, seit Jahren unermüdlich um die Talkirche bemüht und Initiator der verschiedenen Maßnahmen, amtierte beim Gottesdienst als Konsekrator", hieß es damals in dem Zeitungsbericht über die Glockenweihe. "Er sprach die Weihegebete und gab der mit einem Marienbild verzierten Glocke die Weihe. Sein Dank galt den Betreuern der Talkirche, Kathi Schmitt, deren bereits verstorbenen Bruder sowie jetzt den Eheleuten Schubert, ferner dem großen und treuen Kreis der Freunde der Talkirche."

Stadtpfarrer Pater Hugolin Landvogt, der eigentliche Hausherr, fand ebenfalls Worte des Dankes und der Anerkennung, besonders für P. Thomas Beckmann. "Für die vielen Gläubigen, die gar nicht alle in der Kirche Platz finden konnten, war die Glockenweihe ein besonderes Erlebnis", hieß es in der Zeitung.