In den oberirdischen Räumen der Grundschule in Poppenlauer werden Buben und Mädchen aus der ganzen Umgebung in Rechnen, Schreiben, Lesen und was sie sonst noch für ihre Zukunft brauchen, unterrichtet. In einem großen Kellerraum darunter jedoch ruht die Vergangenheit der Marktgemeinde. Hier sind sowohl die Registratur des Rathauses mit etwas älteren Akten, die noch gelegentlich gebraucht werden als auch das eigentliche Gemeindearchiv mit zum Teil jahrhundertealten Dokumenten untergebracht. Letzteres betreut seit einem Jahr Josef Iff aus Poppenlauer. Die Hauptarbeit des Archivpflegers besteht darin, das Material zu digitalisieren (in sogenannte pdf-Dateien umzuwandeln) und neue Findbücher nach dem EAP (Einheitsaktenplan für bayerische Gemeinde und Landratsämter) anzulegen, getrennt nach den vier Ortsteilen Maßbach, Poppenlauer, Volkershausen und Weichtungen.

Seit wenigen Tagen stehen zehn prall gefüllte Umzugskartons im Archivkeller, die Hinterlassenschaft des 1864 gegründeten Männergesangvereins Liederkranz Maßbach. Der Verein existiert nicht mehr, die letzten Einträge im Protokollbuch stammen aus dem Jahr 2003. Auch die prächtige Vereinsfahne aus dem Jahr 1954 kam ins Archiv. Jede der früher selbstständigen Gemeinden Maßbach, Poppenlauer, Weichtungen und Volkershausen hatte ihr eigenes kleines Archiv. Anfang der 1970er wurden sie zur Marktgemeinde Maßbach zusammengeschlossen. Das zum Teil sehr wertvolle Archivmaterial blieb aber über 30 Jahre lang mehr oder oft weniger gesichert in den alten Rathäusern.

Im Jahr 2004 kam es zunächst ins Maßbacher Rathaus. Als es dort im Keller eng wurde und die Grundschule in Poppenlauer im Jahr 2010 energetisch saniert wurde, konnte im Keller der Schule ein Raum für das komplette Archivgut des Marktes Maßbach geschaffen werden. Gudrun Göbel, Sekretärin im Vorzimmer des Bürgermeisters, kümmerte sich nebenbei auch noch um das Archiv. Sie prüfte das Archivmaterial auf Vollständigkeit und überarbeitete es.

Im April 2020 übernahm Josef Iff aus Poppenlauer ehrenamtlich die Arbeit des Archivpflegers für die Marktgemeinde. Da er das Archiv der katholischen Kirchengemeinde Poppenlauer schon längere Zeit führt, ist diese Arbeit für ihn kein Neuland. "Ich bin nur Archivpfleger, kein Archivar. Dazu braucht man ein Studium", sagt er bescheiden über seine Arbeit. Ohne Bürokratie geht es dabei nicht, denn sein Leitfaden für die Ordnung heißt "Einheitsaktenplan für bayerische Gemeinden und Landratsämter", kurz EAP. Vor allem zwei wichtige Arbeiten stehen auf seinem Programm: Die Akten, Urkunden, alte Fotos usw. werden digitalisiert. Das macht er daheim in seinem Home-Office. Er fotografiert mit einer Digitalkamera besagte Dokumente und speichert sie ab.

Außerdem werden sie nach den Vorschriften des EAP neu geordnet. Damit man sie auch wiederfindet, legt er Findbücher an, also Inhaltsverzeichnisse nach den Richtlinien des EAP. Ein Jahr brauchte er allein für die Bearbeitung der Akten von Weichtungen und die Anlage des Findbuchs. Diesen Ortsteil hat er zuerst ausgewählt, weil der Aktenbestand der kleinste ist. Ab 1933 sind die Aktenbestände in allen Findbüchern etwas mager, in Weichtungen selbst sind sie von 1938 bis 1945 fast vollständig verschwunden. Der Verdacht liegt nahe, dass hier nach dem Zweiten Weltkrieg "gründlich gesäubert" wurde, bedauert der Archivpfleger.

Auch für die anderen Ortsteile gibt es Findbücher, die früher von Gudrun Göbel angelegt wurden. Alle sind über die Internet-Seite der Marktgemeinde Maßbach (http://www.massbach.de) einsehbar. Im Maßbacher Findbuch zum Beispiel ist als ältestes Dokument die Dorfordnung von 1700 verzeichnet. Im Findbuch für Volkershausen ist die Rede davon, dass hier Urkunden, Bände, Rechnungen und Akten ab 1479 zu finden sind. Der älteste Eintrag im Findbuch von Poppenlauer stammt aus dem Jahr 1807 zum Thema "Verlängerung der Einkaufszeit für die Zeit der Manöver".

Zeitplan für fünf Jahre

Josef Iff rechnet damit, dass er für die Erstellung des Findbuchs von Volkershausen und die Digitalisierung der Unterlagen ebenfalls ein Jahr braucht. Für Maßbach und Poppenlauer veranschlagt er jeweils zwei Jahre. In fünf Jahren also will er fertig sein und hofft, bis dahin auch einen anderen, für die Öffentlichkeit leichter zugänglichen Archivraum zu bekommen. Er denkt an das Obergeschoss des Alten Rathauses in Poppenlauer.

Zehn Kartons voll Unterlagen

Dorfgeschichte wird nicht nur auf dem Rathaus oder in sonstigen Behörden geschrieben. Dazu zählen zum Beispiel auch die Vereine. Deshalb freut es Josef Iff umso mehr, dass er kürzlich zehn prall gefüllte Umzugskartons mit Unterlagen über den um das Jahr 2003 aufgelösten Männergesangverein 1864 Maßbach bekommen konnte. Die Witwe des letzten Vorsitzenden hat sie ihm zur Verfügung gestellt. Der Archivpfleger hat die Kartons noch nicht gründlich durchforstet. "Viel davon kommt natürlich in die Tonne, aber zwei Umzugskartons werden wohl übrig bleiben", glaubt er. Das Protokollbuch des Vereins von 1870 und ein Foto aus dem Dreikaiserjahr 1888 werden ganz sicher erhalten und die Zelterplakette sicher auch. Im Maßbacher Vereinsheim hatte der Männergesangverein bis jetzt einen Schrank, den Iff ausräumen konnte. Ganz besonders freut es ihn, dass er die Vereinsfahne aus dem Jahr 1954 für das Archiv retten konnte. Sie wurde seit ihrer Anschaffung bis zur Auflösung des Vereins von Werner Koch aus Maßbach getragen.

Wer Unterlagen im Archiv einsehen will, muss einen schriftlichen Antrag bei der Gemeinde stellen und den Grund dafür angeben (private Zwecke, Familienforschung, heimatkundlich, rechtliche Zwecke, publizistisch). Der Antrag kann im Internet geladen werden. Eine Gebührenordnung gibt es auch. Für nachweisbar wissenschaftliche, heimatkundliche oder schulische Zwecke ist die Benutzung allerdings frei.

Zur Person

Josef Iff (69) stammt ursprünglich aus Rottershausen. Er lernte Werkzeugmacher bei Kugelfischer in Schweinfurt und arbeitete dort im Konstruktionsbüro. Er wechselte zum Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) und wurde dort Waffentechniker. 1980 wurde er nach Lübeck versetzt und Fachlehrer an der Polizeiakademie. Dort baute er nebenbei ein kleines Waffenmuseum auf. "Das hat auch ein wenig mit Archivarbeit zu tun", sagt er dazu. Nach seiner Pensionierung zog es ihn zurück ins Lauertal, nach Poppenlauer. Hier war er unter anderem Pfarrgemeinderat. Er betreut dort das katholische Pfarrarchiv. Im April vorigen Jahres begann er seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Archivpfleger für die Marktgemeinde Maßbach. Bürgermeister Matthias Klement ist voll des Lobes über seine Arbeit.