Auf der einen Seite sind da "Die Dorfrocker": Die Brüder Markus, Tobias und Philipp Thomann, Echo-nominierte Partyrocker mit Fans in ganz Deutschland. Die jungen Burschen singen derzeit mit der "Der King" ein Loblied auf die Bauern und stürmten damit vor kurzem an die Spitze der Schlagercharts. Auf der anderen Seite ist da die Maßbacher Bäuerin Brigitte Benckiser, 64 Jahre alt. Sie hat es geschafft, dass die Schlagerstars auf ihrem Hof in Maßbach spielten. Ziemlich heimlich sogar, möchte man behaupten, denn es waren nur jeweils 250 Konzertbesucher zugelassen, Werbung gab es keine. Wie ihr das gelang? Mit Mut, Witz und der Unterstützung vieler Maßbacher.

Hommage an die Bauern

Zunächst zu den prominenten Menschen in dieser Geschichte: Die Dorfrocker, das sind drei Brüder aus Kirchaich, 80 Kilometer nordwestlich von Nürnberg. Seit geraumer Zeit sind sie und ihre Songs Garantie für ausgelassene Bierzeltgaudi. Auch die drei haben unter Corona sehr gelitten, sie versuchten, mit "Traktor-Konzerten" die Krise zu stemmen: Auf freier Wiese standen sie auf der Bühne, die Gäste reisten mit Traktoren an, so wurde der Abstand untereinander gewahrt.

Trotz des Erfolgs, mit dem das Trio seit Jahren beschenkt wird, haben die drei nicht vergessen, woher sie kommen: "Wir sind Landwirts-Enkel", sagt Markus Thomann. Und dem Landwirt haben sie mit "Der King" eine Hommage geschrieben. "Wenn ich auf dem Bulldog sitz, bin i der King", singen sie, und auch von der Tradition auf dem Land, von den "schönen Fleckln in der Heimat" und dass der Traktorsitz so etwas ist wie ein Thron. Von zuhause wissen sie, dass der Landwirt immer wieder und immer öfter in der Kritik steht. "Die Anerkennung vor diesem Beruf nimmt immer mehr ab. Aber die Landwirte sind es, die dafür sorgen, dass wir alle Milch im Supermarkt, Brot beim Bäcker oder Wurst beim Metzger kaufen können."

"Wir können so etwas stemmen"

Jetzt kommt die Maßbacher Landwirtin Brigitte Benckiser ins Spiel. Sie hat in der Zeitung von den Traktor-Konzerten der Dorfrocker erfahren. Und zu dieser Zeit waren bereits Veranstaltungen mit mehreren Menschen unter bestimmten Corona-Auflagen erlaubt. "Ich dachte mir: Toll. Da tut sich wieder was. Und die jungen Leute vermissen es, sich zu treffen und Partys zu feiern." Sie hat selbst eine Tochter (31) und Sohn Christoph (28), "der wird glücklicherweise mal den Hof übernehmen".

Der Hof, das ist das Schlossgut in Maßbach. Eine große Anlage mit malerischem Weiher, Enten, Rasenmäher-Schafen, Stallungen und Gebäuden, in denen die Fahrzeuge für die Felder stehen, auf denen das Futter für 1500 Mastschweinen wächst. Und auf dem, so dachte Brigitte Benckiser intensiver nach, hätten wir ja eigentlich Platz - für ein Konzert der Dorfrocker. "Und mein Hintergedanke war, dass wir als Landwirte so ein Konzert ja stemmen könnten - gerade in Zeiten, in denen auf die Landwirte eingehackt wird."

"Wer hält denn das Dorfleben am Laufen?"

Zu oft seien sie als Tierquäler und Umweltvergifter verunglimpft worden, das ärgere sie, sagt Brigitte Benckiser. "Aber wer ist es denn, der auch das Dorfleben am Laufen hält? Wer ist denn in den vielen Vereinen oder bei der Feuerwehr? Das sind viele Landwirte!" Die pfiffige Frau hält sich nicht lange mit Bedenken auf: Sie recherchiert die Nummer der Dorfrocker und ruft an. Aufgeregt war sie nicht. Sie erzählte Markus Thomann vom großen Hof und dem Angebot, hier ein Konzert zu veranstalten. Thomann signalisierte Interesse - "dann plötzlich war er in einem Funkloch verschwunden", sagt Brigitte Benckiser.

Alles ehrenamtlich

Sollte das das jähe Ende ihres Plans sein? Nein. Denn zufälligerweise überschnitten sich zwei Pläne: Nämlich der der Dorfrocker, die zeitgleich Bauernhof-Konzerte planten, und Brigitte Benckisers Angebot, das in Maßbach umzusetzen. So wurde das Schlossgut in Maßbach am Sonntag, 13. Juni, zur ersten Bühnen einer 21-tägigen Bauernhof-Tour der Dorfrocker. Die Rocker und die Bäuerin wurden sich einig. Übrigens: Sie machte alles ehrenamtlich.

250 Karten gab es zu kaufen, die gingen an nur einem Tag weg wie frische Butterbrote. Ob des riesigen Interesses hängten die Dorfrocker gleich noch ein zweites Konzert am nächsten Tag, vergangenen Montag an.

Vereine und Feuerwehr packten an

Muffe hat Brigitte Benckiser nicht bekommen. "Ich hab erst mal den Bürgermeister Matthias Klement angerufen", sagt sie. Der war begeistert. Und dann hat sie mit der Feuerwehr telefoniert. Könnt ihr die Absperrungen machen? Und vielleicht auch Steaks und Bratwürste? Klar - die Wehr fand die Idee super war dabei. Nächster Anruf: der Musikverein Maßbach. Könntet ihr für die Getränke sorgen? Natürlich, auch diese Truppe war an Bord. Die Familie war noch skeptisch - würden sie diese Arbeit während ihres anstrengenden Bauernhofalltags stemmen können? "Natürlich hatten wir Zweifel. Die Arbeit, Corona, das Wetter, würde alles hinhauen?"

"Gemeinsamkeit statt Egoismus"

Es lief wie am Schnürchen. Das Wetter brillant, das Klohäusl aufgestellt, die Wege markiert, das Corona-Konzept umgesetzt, die Würste und Steaks auf dem Grill, die Bühne stand, die Technik war angeschlossen. "Es war gigantisch", Brigitte Benckiser ist auch Tage später noch erfüllt von dem Erlebnis. "Das hat nur geklappt, weil wirklich alle mitgeholfen haben. Ich habe erlebt: Wenn man um Hilfe bittet, bekommt man sie. Es war so ein schönes Gegenbeispiel, wie unsere Gesellschaft auch funktionieren kann: Nämlich Gemeinsamkeit statt Egoismus. Und diese Gemeinschaft war einfach hinreißend."

Dorfrocker: "Zwei super Abende!"

Die Gäste, die Sonntag und Montag auf den Hof unterhalb von Schloss Theater Maßbach strömten, waren vornehmlich jung, ausgelassen, fröhlich, erleichtert, dass wieder Party machen möglich war. "Und sie waren alle miteinander so diszipliniert", freute sich die Landwirtin. Und auch die Dorfrocker waren hin und weg. "Es war ein Wahnsinn, was Familie Benckiser und alle Helferinnen und Helfer da auf die Beine gestellt haben", sagt Markus Thormann. "Es waren zwei super Abende für uns. Und endlich konnten wir wieder unseren Fans ins Gesicht blicken."

Brigitte Benckiser bereut keine Minute Arbeit, die sie in das Projekt gesteckt hat. Ob sie es noch einmal machen würde? Wohl eher nicht. Es darf nicht vergessen werden: Landwirtschaft ist ein 24-Stunden-Job. Der Ausflug ins Musikmanagement sei "klasse" gewesen, sagt sie. Aber da sind eben die 1500 Schweine und der Hof, beides muss versorgt werden, "und das Büro nicht zu vergessen, das immer mehr Zeit verschlingt." Aber dennoch: Tauschen möchte sie nicht. "Ich bin und bleibe Landwirtin mit Leib und Seele."