Es war das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen. Nach 24 Jahren als Bürgermeister leitete Ferdinand Betzer Ende April 1996 seine letze Stadtratssitzung. Und die hatte es noch einmal in sich. Zu Beginn besichtigte das Gremium die Standorte der Lauertalbrücke und der WC-Parkplätze an der damals künftigen Autobahn. Danach ging es um die Stellungnahme der Stadt zur geplanten Trasse A71. "Die Trasse und die Unterlagen bieten Ansatz zum Widerspruch", sagte Ferdinand Betzer damals. Zwei Tage später übernahm Eugen Albert das Ruder. Später klagte die Stadt gegen den Trassenverlauf, nahm diese Klage aber kurz vor der Verhandlung zurück.

Münnerstadt: Rechtlicher Beistand gesucht

Bei dieser Sitzung beriet das Gremium die Stellungnahme vor, die endgültige Entscheidung sollte der neue Stadtrat fällen. Mit Rechtsanwalt Ralf Krüger hatte sich die Stadt rechtlichen Beistand geholt. Damals war eine Klage noch kein Thema. Darüber werde man erst dann diskutieren, wenn der Planfeststellungsbeschluss auf dem Tisch liegt, sagte der Anwalt bei der Sitzung. Denn daraus könne man ersehen, in welchen Bereichen Angriffspunkte vorliegen, wo es Aussicht auf Erfolg für eine Klage gibt und wo die Planer die Einwendungen der Stadt Rechnung getragen haben. Die Münnerstädter sorgten sich vor allem um ihr Wasser.

In diesem Planungsabschnitt ging es darum, entweder die Osttrasse komplett zu verhindern, oder die Ausführung nach den eigenen Vorstellungen zu verbessern. Damals wurde geraden die Gutachten zum Thema Wasserschutz ausgewertet. Wesentlicher Inhalt war dabei unter anderem die Bestimmungen der Schutzzone II, die so genannte 50-Tage-Linie, also die Grenze, die das unterirdische Wasser in 50 Tagen durchfließt.

Allerdings hatte es da ein kleines Missverständnis gegeben. Als nämlich die von der Autobahndirektion Nord beauftragte Firma die Fließgeschwindigkeit durch Farbstoffe feststellen ließ, führte die Marktgemeinde Maßbach in Poppenlauer einen Pumpversuch an einem neuen Brunnen durch. Dadurch wurde das Ergebnis möglicherweise verfälscht.

Trinkwasserschutz im Fokus

Zwar war die Sicherung der Trinkwassergewinnung das Hauptziel der Einwendungen der Stadt, es gab aber auch noch weitere, unter anderem die damals in Münnerstadt geplante Autobahnmeisterei und die Parkplatzanlagen nahe der Lauertalbrücke. 17 Hektar würden dafür einschließlich der Zufahrtsstraßen verbraucht, hieß es damals. Man befürchtete, dass ein aktiver Lärmschutz für Münnerstadt und Althausen nicht mehr möglich sei.

Überhaupt war der Lärmschutz ein wichtiges Thema, den vermisste man vor allem bei der Lauertalbrücke. Berechnungen zufolge würden die Grenzwerte nicht erreicht, hieß es. Diese Berechnungen wollte die Stadt noch einmal genau hinterfragen.

Die Lauertalbrücke hat keinen Lärmschutz bekommen, dafür durfte der Stadtrat einige Jahre später die Farbe des Geländern auf der Brücke bestimmen. Was die Autobahnmeisterei angeht: Die wurde in Rödelmaier geplant. Später wurde das noch einmal ein Thema. Als die Stadt Münnerstadt ihre Klage gegen den Trassenverlauf zurückzog, machte die Autobahndirektion Zugeständnisse. Jetzt wollte Münnerstadt gerne die Straßenmeisterei und sogar die Raststätte, die weiter nördlich geplant war. Die Autobahndirektion wollte das wohlwollend prüfen. Aber es blieb dabei: Die Straßenmeisterei kam nach Rödelmaier, die Raststätte nach Mellrichstadt.

So ganz leer ist Münnerstadt aber nicht ausgegangen. Immerhin die Parkplätze mit den Toiletten sind südlich der Lauertalbrücke gebaut worden. Sie sorgen für regelmäßige Einnahmen bei Wasser und Abwasser. Und weil das Baugebiet "Malbe" in Althausen direkt an der Abwasserleitung liegt, konnte es leichter erschlossen werden.

Damit die Trinkwassergewinnung der umliegenden Städte und Gemeinden sicher ist, wurde die Autobahn im Trinkwasserschutzgebiet in einer Art Wanne gebaut. Außerdem erhielten die Stadtwerke Bad Kissingen im Tal eine Trinkwasseraufbereitungsanlage. Von dort kann im Notfall die Stadt Münnerstadt mit versorgt werden.