Die Kolpingsfamilie kann die Schließung des Jugendhauses verschmerzen, denn die Alte Aula eignet sich durchaus auch für die traditionellen Karnevalssitzungen der Kolpingsfamilie. Das Programm, das die Akteure hier an zwei Abenden boten, kann sich auch dieses Jahr wieder sehen lassen. Am Samstag waren etwa 160 närrisch gestimmte Gäste gekommen. Der Stadtrat war fast beschlussfähig vertreten. Die Themen? Natürlich Hallenbad, Hallenbad und nochmals Hallenbad, aber noch manches mehr, was so im Lauf des letzten Jahres passiert ist.


Die Messer werden gewetzt

"Die Redner ham ihr Messer gewetzt, hier wird über andere geschwätzt", drohte Andreas Albert, der durch den Abend führte, gleich zu Anfang und schilderte die nervenaufreibende Herbergssuche: "das Hallenbad gefiel uns sehr für einen Euro würden wir kaufen, das Becken ließen wir mit Beton volllaufen. Diese Sorgen hätte die Stadt dann los und unser Veranstaltungsort wäre famos". Er berichtete auch, dass ein "Talentsucher vom Fastnachtverband aus Veitshöchheim" neulich bei ihm gemeldet hat, weil er noch eine Nummer für eine Sitzung braucht. Da fiel ihm der Mürschter Stadtrat ein, "Ihr seht, die Konkurrenz ist im eigenen Ort, die treiben im Rathaus Lachmuskelsport".
Zu den Höhepunkten der Karnevalssitzungen zählen die stets perfekt einstudierten Auftritte der Elferratsgarde. Die jungen Damen mit ihrer Trainerin Monika Petsch begeisterten zweimal das Publikum, einmal gleich am Anfang in ihren traditionellen Garde-Kostümen und einmal ganz am Schluss als Kriegerinnen. "Phantastisch, so gelenkig möchte ich auch sein und so eine Kondition haben", kommentierte eine begeisterte Zuschauerin.


Der Nagel mit dem Kopf

"Ohne ihn wäre der Mürschter Fasching nicht das, was er heute ist", lobte Andreas Albert Wilhelm Schmitt, den "Mürschter Nagel mit Kopf". Auch er nahm sich die Herbergssuche vor: "Nach langer Such' sind wir gelandet hier in der Aula, wie man sieht, vielleicht sind wir auch nur gestrandet, wer weiß, was nächstes Jahr uns blüht." Den bekannten Richterspruch gegen Rosina Eckert kommentierte er lieber nicht: "schweig lieber still, auch wenn's fatal, sonst steh' ich selbst bald vor Gericht!"
Die beiden Nachwuchs-Garden, die Sternchengarde mit den Trainerinnen Christina Skruppin, Julia Hellmig und Stefanie Wohlfromm und die Juniorengarde, trainiert von Christina und Sabrina Skuppin, verzauberten das Publikum einschließlich Stadträtin Rita Schmitt (Forum aktiv). Sie fand es "einfach großartig, wie viel Jugendliche die haben, ganz toll". Norbert Düring als Küster gab sich ganz ökumenisch, denn "als Küster mag ich Evangolen gerade so gern wie die Katholen". Als "ein-Mann-Feuerwehrkapelle" kam Edi Schmitt: "kein besonderes Talent, also der ideale Dirigent." Zum Hörnau- Gebiet meinte er nur "was ist mit dem Haus Nummer sechs passiert, Ihr seht doch dass sich nicht mal sowas rentiert".


Besonderes Orchester

Und dann kam die Überraschung, denn eine komplette Feuerwehrkapelle marschierte auf die Bühne. Die Musikerinnen und Musiker kommen aus der Kernstadt und mehreren Ortsteilen. Anschließend tanzten doch tatsächlich bunte Säcke auf der Bühne, Mitglieder des Ballets "Mamas und Pappas" unter der Leitung von Claudia Skuppin. Später kam sie nochmals als "besonderes Orchester" mit Luftpumpen und Topf-Deckeln als Musikinstrumenten.
Das Duo Franziska Eckert und Caroline Schwarz präsentierte diesmal das "märchenhafte Münnerstadt". Sie verrieten, dass Münnerstadt als Märchenstadt ausgezeichnet wird, "weil mir en Bürgermeister hamm, der ist ganz Bayernland als größter Märchenerzähler weithin bekannt". Einen Märchenprinzen haben die beiden in der Stadt nicht gefunden, aber immerhin eine Prinzessin im Schloss: "Ein empfindsam zartes Wesen steht bei Kultourismus hinterm Tresen. Höchstrichterlich als schützenswert anerkannt und deshalb die Märchen-Prinzessin auf der Erbse genannt."


Noch ein Zauberer

Zu Märchen gehört ein Zauberer, den soll der städtische Sanierungsbeauftragte Dag Schröder geben, denn "der zieht auf Wunsch mit frischem Mut immer neue Planungen aus dem Hut... Schröder zaubert hokus-pokus teure Konzepte für den Lokus".
Und dann der Höhepunkt des Abends: Rosina Eckert, diesmal als 1. Mürschter Weinkönigin. Die Idee dazu hatte sie erst vor vier Wochen: "als ich in der Zeitung gelesen hab: In Mürscht, da kommt ein Weinberg hin, hab ich gewusst: ich bin die Mürschter Weinkönigin!" Sie stichelte auch gleich "unser Helmut trinkt er lieber Bier statt Wein, dies macht auch tatsächlich Sinn, denn im Wein liegt bekanntlich Wahrheit drin". Und sie wusste auch "diejenigen, die regelmäßig geh'n im Stadtratssitzungen nei, behaupten, das ist interessanter als hier in der Kolpingssitzung sei!". Klar, dass sie auch ein paar Worte sagen musste zum Prozess vor dem Gericht in Würzburg: "Dass ich über den Bürgermeister herzieh döff, des könnt ihr mir glebb, dafür hab ich mir extra eine richterliche Genehmigung lass geb...."


Weinfest am Stenayer Platz

Doch kein Ton zum Thema Kultourismus, denn "dies wurde ebenfalls gerichtlich geklärt: "Kultourismus ist nicht erwähnenswert, so werde ich also unserer Miss Kultourismus nicht huldigen, dann muss ich mich auch nicht entschuldigen". 2017, wenn es den ersten Mürschter Wein gibt, findet auf dem Stenayer Platz übrigens ein Weinfest statt und dort "tritt Helmut neben mir als Weingott Bacchus auf!"
Der Zweite Bürgermeister Michael Kastl (CSU) me kommentierte das Programm "als Fastnachtsmuffel habe ich mich amüsiert und manchmal gelacht. Die Herbergssuche ist schön dargestellt. Es war nicht zu viel Politik". Axel Knauf (SPD), der Dritte Bürgermeister, stellte fest, es sei überhaupt nicht übertrieben viel Politik gewesen, "Karneval ist die Zeit, wo sich die Politiker eines überbraten lassen müssen".