Mal wurde ein Nachttopf aus einem Fenster gekippt, mal flogen die Federn beim Rupfen von Hühnern auf offener Bühne - Tierschützer können ganz ruhig bleiben, die Hühner waren ja aus Plastik. Und was die Schauspieler von sich gaben, sorgte auch fast ununterbrochen für Heiterkeit: "Ihr Mannsbilder sei so dumm wie Bohnenstroh", oder "Euer Gnaden wollen die Bürgerschaft bewaffnen? - Nein, die Säue und Hühner!"

Auf der Freilichtbühne in Poppenlauer wird, wie schon im vorigen Jahr, das Stück "Der Weiberaufstand" gespielt. 40 Akteure von fünf bis 70 Jahren sorgten am Wochenende bei den Aufführungen für höchst vergnügliche Abende, am kommenden Wochenende gibt es nochmals zwei Aufführungen.

Das Stück hat der Benediktinermönch Benedikt Müller geschrieben, von dem bereits früher mehrere Stücke in Poppenlauer aufgeführt worden sind. Die Regie hat der seit vielen Jahren bewährte Klaus Hart. "Wir spielen jedes Stück zweimal, damit wir die Requisiten wieder verwenden können, und unsere Schauspielerinnen und Schauspieler haben es dann auch einfacher", erklärt er. Trotzdem wurde bereits Ende April und Anfang Juni mit den Proben für 2015 und dem Herrichten der Requisiten begonnen. Erzählt wird eine im späten 17. Jahrhundert angesiedelte Geschichte aus der kleinen Grenzstadt Katzenstein im ebenso kleinen Fürstentum Saalstein-Waldburg. Der Herrscher ist gerade gestorben, eventuell sogar ermordet worden. Sein habsüchtiger Vetter, der vielleicht der Mörder war, will sich das Fürstentum einverleiben und Katzenstein erobern.

Frauen übernehmen Regiment

Doch er hat die Rechnung ohne die Katzensteiner gemacht, genauer gesagt, ohne die Katzensteiner Weiber. Die Männer sind nämlich zu nichts zu gebrauchen, denn ihre zweite Heimat ist das Wirtshaus, und sie horchen danach lieber am Strohsack, als mit Gewehr an der Stadtmauer zu stehen.

Nur Oberst Meier-Beer, den die Fürstin als Festungskommandant geschickt hat, und die Katzensteiner Weiber jeden Alters unter der Führung der resoluten Leichenwäscherin Anna Gulda und der Bürgermeisters-Gattin Elisabeth stehen treu zu ihrer Fürstin. Sie lehnen jede Übergabe ab und jagen die Kriegsräte des Gegners mit Schimpf und Schande aus dem Städtchen. Schließlich kommt die Fürstin selbst, aber zunächst inkognito. Sie wohnt einer Gerichtsverhandlung bei, in der einige der tapferen Frauen zum Tode verurteilt werden - aber nur zum Schein. Danach verleiht die Fürstin dem Städtchen zum Dank für die Treue der Frauen eine neue Fahne - eine mit einer wehrhaften Katze.

Extralob

Insgesamt ist das Stück ein herrliches Sommervergnügen. Die Schauspieler, die alle Laien sind, zeigen hier eine sehr gute Leistung, die ein Extralob verdient. Schon ein Blick auf die Kostüme lässt erahnen, wie viel Vorbereitungsarbeit hier nötig war. Kaum ist der "Weiberaufstand" erledigt, geht es für die Schauspieler und Helfer hinter den Kulissen weiter, denn die Freunde der Festspiele Poppenlauer können sich noch dieses Jahr auf das nächste Stück freuen: am 5., 12. und 13. September wird "Rumpelstilzchen", ein Kindermärchen in zwei Akten gegeben. Autor ist wieder Benediktinermönch Benedikt Müller.

Weitere Termine 10. und 11. Juli, jeweils 19.30 Uhr, auf der Freilichtbühne Poppenlauer.

Karten bei Zeltverleih Achim Bieber, Am Falltor 21 in Poppenlauer (Montag bis Freitag, 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Samstag, 9 bis 13 Uhr). Kartenreservierung/Abendkasse bei Herbert Will, Tel.: 09733/4177.